PLÖTZLICH PAPA

Das Kind im Manne - liebenswert, lustig oder einfach nur verspielt?

Steckt nicht in jedem Mann ein bisschen Peter Pan? Dass das „stärkere Geschlecht“ oft nicht erwachsen werden will und das innere Kind dadurch hin und wieder zum Vorschein kommt, ist längst wissenschaftlich belegt. Es hat sogar einen passenden Namen: Peter-Pan-Syndrom. Was im echten Leben nicht immer nur liebenswert ist, sondern manchmal auch nervig werden kann, vor allem für die Frauenwelt, dient dem Kino in zahlreichen Filmen als perfekte Vorlage.

Omar Sy, der Star aus „Ziemlich beste Freunde", ist auch in seiner neuen Tragikomödie PLÖTZLICH PAPA wieder das Musterbeispiel eines kindlichen Mannes: bloß keine Verantwortung übernehmen und keine Verpflichtungen, dafür aber jede Menge Partys und Frauen – Hauptsache Spaß! Das ändert sich schlagartig, als er eines Tages plötzlich und völlig unerwartet zum alleinerziehenden Vater einer kleinen Tochter wird. Diese stellt sein Leben gehörig auf den Kopf und zwingt den charmanten Hallodri dazu, endlich erwachsen zu werden.

 

 

Anlässlich des Kinostarts von PLÖTZLICH PAPA haben wir uns die verschiedenen Spielarten des kindlichen Mannes im Kino einmal genauer angesehen... 

Kindliche Tugenden

Der Film, der einem bei dem Thema „Kind im Manne" unweigerlich zuerst in den Sinn kommt, ist „Big“. In der 80er-Jahre-Komödie erwacht der 12-jährige Josh (David Moscow) nämlich durch einen übernatürlichen Zufall am nächsten Morgen in seinem mittlerweile 30-jährigen Körper (Tom Hanks). Hier steckt das Kind also buchstäblich im Körper eines Mannes und muss plötzlich mit ganz neuen Herausforderungen klarkommen, wie der Suche nach einem Job oder den Avancen von Frauen, die in Wahrheit viel älter sind.

Eine Variation dieser Geschichte sehen wir in „The Kid - Image ist alles", in dem Bruce Willis als arroganter Imageberater seinem eigenen 8-jährigen Ich (Spencer Breslin) begegnet. Während er versucht, den Grund dafür herauszufinden, hält ihn sein kindliches Alter Ego ganz schön auf Trab.

Hinter der witzigen Fassade zeigen uns beide Filme, wie viel man dabei gewinnen kann, die Welt auch mal mit den Augen eines anderen zu betrachten. Sowohl in „Big“ als auch in „The Kid - Image ist alles" lernen die Erwachsenen von den Kindern und nicht umgekehrt. Und auch wir als Zuschauer werden an Tugenden erinnert, die wir beim Heranwachsen oft vergessen.

 

Vergnügen statt Verantwortung

Gar nicht tugendhaft gibt sich Adam Sandler in vielen seiner Filme und entscheidet sich darin für ein bewusst unreifes Benehmen, weil es einfach mehr Spaß macht. Wohl kaum ein Film hat einen größeren Kindskopf zum Protagonisten als „Big Daddy“. In der Komödie von 1999 spielt Adam Sandler den Junggesellen Sonny Koufax. Dieser ist zwar schon 32, benimmt sich aber als wäre er gerade mitten in der Pubertät. So hat er nur alberne Streiche und Faulenzen im Sinn. Da verwundert es kaum, dass Sonny dem kleinen Julian (Cole und Dylan Sprouse), auf den er eine Zeit lang aufpassen muss, fast nur Unsinn beibringen kann…

Doch schlimmer geht immer: in Adam Sandlers „Der Chaos-Dad“ ist sein Filmcharakter Donny laut, vulgär und die Nachlässigkeit in Person. Seinem arglosen Lebensstil ist es schließlich geschuldet, dass ihm aufgrund von immensen Steuerschulden das Gefängnis droht. Er ist also nicht gerade das, was man als erwachsen bezeichnen würde.

Eine ernstere Auseinandersetzung mit dem Thema bietet Sofia Coppola mit ihrem Drama SOMEWHERE. Darin widmet sich Stephen Dorff als Hollywood-Star Johnny Marco den oberflächlichen Ablenkungen des Alltags wie Alkohol, Autos oder Partys und begreift dabei langsam, dass sein eigentliches Leben (und das seiner heranwachsenden Tochter) an ihm vorüberzieht.

Diese Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, wurzelt natürlich auch in einem gewissen Narzissmus, der dem Kind im Manne oft zu eigen ist. Ein super Beispiel hierfür ist auch Hugh Grants Figur Will Freeman in der Romanverfilmung „About A Boy“ von 2002.

Der Dauersingle hat eigentlich nur ein Interesse: sich selbst. Dadurch erinnert er nicht von ungefähr an einen Teenager, der denkt, dass sich die Welt nur um ihn dreht. 

Zwischen Spieltrieb und Midlife-Crisis

Das Kind im Manne kann auch als Alltagsventil dienen und durch das Ausleben des männlichen Spieltriebs an die Oberfläche drängen. Das macht vor allem in der Gruppe Spaß. Dann werden aus Männern plötzlich wieder kleine Jungs. Doch wehe, wenn das Ventil überdreht wird! Dann führt der Spaß unweigerlich ins Chaos. Symptome zeigen sich zum Beispiel im Erwerb außergewöhnlicher Haustiere wie bei Zach Galifianakis in „Hangover 3"...

 

Oder in der völlig übertriebenen Weihnachtsbeleuchtung wie Clark Griswold (Chevy Chase) in dieser legendären Szene aus „Schöne Bescherung“ demonstriert.

In „Old School" durchleben Will Ferrell und seine Partyfreunde noch einmal ihre Studienzeiten, Nebenwirkungen inklusive.

Einen ähnlichen Anfall von Nostalgie vermischt mit jugendlichem Leichtsinn bekommen fünf alte Freunde in „Kindsköpfe", bei dem der Titel Programm ist. Obwohl einige von ihnen schon fest im Leben stehen und selbst Väter sind, haben sie mehr Spaß an Abenteuern, sportlichen Wettbewerben und Wasserparks als ihre eigenen Kinder.

Im starken Kontrast hierzu steht die Tragikomödie „Jack“ von Francis Ford Coppola.

Darin spielt Robin Williams den titelgebenden zehnjährigen Jungen, der durch einen genetischen Defekt viermal älter aussieht als er ist. Das führt natürlich zu starken Irritationen in seinem Umfeld. Ein äußerlich erwachsener Mann, der aber noch Angst im Dunkeln hat und mit Gleichaltrigen spielen will? Um ein halbwegs normales Leben führen zu können, soll sich Jack weiterhin wie ein Kind fühlen und benehmen dürfen, muss gleichzeitig aber um Akzeptanz in der Gesellschaft kämpfen. Keine leichte Aufgabe für einen Zehnjährigen, die aber zeigt, zu welch großen Dingen auch Kinder fähig sind.

Die Redewendung vom „Kind im Manne" ist übrigens aus einem des großen, deutschen Philosophen Friedrich Wilhelm Nietzsche:

„Besser als ein Mann versteht das Weib die Kinder, aber der Mann ist kindlicher als das Weib. Im echten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen. Auf, ihr Frauen, so entdeckt mir doch das Kind im Manne!“

Das kann man aktuell am besten im Kino - mit Omar Sy in PLÖTZLICH PAPA!

Alle Spielzeiten hier klicken!

 

Bildrechte: Twentieth Century Fox, Disney, Sony Pictures Home Entertainment, Universal Pictures Germany, Warner Bros. Germany

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