SLEEPLESS - EINE TÖDLICHE NACHT

Diese Remakes sind härter als das Original

Neuverfilmungen bekannter Filme sind keine Seltenheit, werden aber oft kritisch beäugt, weil sie eben nicht original sind. In vielen Fällen sind diese Remakes tatsächlich lieblose Nacherzählungen, die nicht im Entferntesten an die Qualitäten ihrer Vorlagen heran reichen. Aber manchmal...

... manchmal übertreffen sie die Originale auch, weil sie handwerklich besser gemacht sind, neuen Sehgewohnheiten Tribut zollen oder einfach nur längst vergessene Stoffe für ein ein breiteres Publikum wieder aus der Versenkung holen. Nicht wenige zeichnet vor allem eins aus: sie sind härter als das Original.

SLEEPLESS - EINE TÖDLICHE NACHT (2017 vs. 2011)

Für seinen neuen Film SLEEPLESS - EINE TÖDLICHE NACHT verlegt „Who Am I"-Regisseur Baran bo Odar die Handlung des französischen Thrillers „Sleepless Night – Nacht der Vergeltung“ ins schillernde Las Vegas und schickt seinen Hauptdarsteller Jamie Foxx als Cop undercover ins Kreuzfeuer von Drogenmafia und der internen Ermittlungsbehörde der Polizei. Hier der Trailer zur Neuverfilmung und darunter das Original.

Anlässlich des Kinostarts von SLEEPLESS - EINE TÖDLICHE NACHT versuchen wir uns an einer Aufstellung guter Remakes, die härter sind als das Original...

„Kap der Angst“ (1991 vs. 1962)

1991 machte sich Martin Scorsese unter dem deutschen Titel „Kap der Angst“ an die Neuauflage des Psychothrillers „Ein Köder für die Bestie“ (im Original heißen beide Versionen „Cape Fear“). Die ursprüngliche Verfilmung des gleichnamigen Romans von John D. MacDonald handelt vom ehemaligen Gefängnisinsassen Max Cady, der sich an seinem Pflichtverteidiger Samuel Bowden und dessen Familie rächen will, weil er ihn für seine lange Haftstrafe mitverantwortlich macht.

Scorsese verwandelt seine Hauptfigur Max (Robert De Niro) in einen diabolischen Rächer, der schon durch seine pure Präsenz Angst und Schrecken verbreitet. Viele Szenen des Remakes sind so ikonisch, dass sie auch in der Popkultur immer wieder aufgegriffen wurden, zum Beispiel in „Die Simpsons“.

Härtegrad des Remakes: 4 von 5

„The Departed - Unter Feinden“ (2006 vs. 2002)

Auch Martin Scorseses 2006 erschienener Thriller „The Departed - Unter Feinden“ ist ein Remake. Er basiert auf dem 2002 veröffentlichten Hongkong-Gangsterfilm „Infernal Affairs - Die achte Hölle“. Scorsese verlegte die Handlung aus Fernost ins amerikanische Boston, wo der junge Polizeikadett Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) die irische Mafia unter Boss Frank Costello (Jack Nicholson) unterwandern soll.

Obwohl beide Filme dieselbe Handlung haben, unterscheiden sich die Filmenden maßgeblich voneinander.

Bei der Oscar-Verleihung 2007 erhielt das Remake „The Departed - Unter Feinden“ vier Auszeichnungen – und zwar für das Beste adaptierte Drehbuch, den Besten Schnitt, die Beste Regie und in der Königskategorie Bester Film.

Härtegrad des Remakes: 4 von 5

„Let me in“ (2010 vs. 2008)

2010 erschien das Remake des schwedischen Horror-Dramas „So finster die Nacht“ unter dem Titel „Let Me In“. Chloë Grace Moretz übernahm darin die Hauptrolle des Vampirmädchens Abby, das sich in den gemobbten Nachbarsjungen Owen (Kodi Smit-McPhee) verliebt und mit den Problemen eines Vampirlebens klarzukommen versucht. Beide Filme basieren auf der gleichnamigen Romanvorlage des schwedischen Autors John Ajvide Lindqvist.

Das amerikanische Remake hielt sich eng an die europäische Vorlage und erntete extrem positive Kritiken – Grusel-Ikone Stephen King nannte ihn sogar den „besten amerikanische Horrorfilm der vergangenen 20 Jahre“.

Härtegrad des Remakes: 3 von 5

„Scarface“ (1983 vs. 1932)

1983 machte sich Kultregisseur Brian De Palma in Zusammenarbeit mit Oliver Stone an das Remake des Gangsterfilms „Scarface“ von 1932. De Palma landete mit Al Pacino, um den es zuvor etwas still geworden war, in der Rolle des Tony Montana einen echten Glückstreffer. Die Handlung verlegte er vom düsteren Chicago ins bunte Miami und ebnete damit den Weg für eine neue hippe Art des Gangsterkinos, das sich von der älteren, klassischen Inszenierung bewusst durch eine sehr viel ruppigere, realitätsnahe Machart absetzt.

Hauptdarsteller Al Pacino erhielt dafür 1984 den Golden Globe als Bester Hauptdarsteller in einem Drama.

Ein weiteres Remake aus der Feder der Coens ist übrigens bereits in Planung.

Härtegrad des Remakes: 5 von 5 

„Insomnia – Schlaflos“ (2002 vs. 1997)

Auch Christopher Nolans „Insomnia – Schlaflos“ hat ein Vorbild: In dem 1997 erschienenen norwegischen Thriller „Todesschlaf“ wird die Geschichte des Polizisten Jonas Engström erzählt, der bei der Ermittlung zum Mord an einem 17-jährigen Mädchen versehentlich einen Kollegen erschießt und dies zu vertuschen versucht.

Von der Schuld und der Mitternachtssonne im norwegischen Tromsø geplagt, leidet Engström zunehmend an Schlaflosigkeit. Nolan verlegt die Handlung nach Alaska und änderte die Verbindung zwischen den Hauptfiguren, so dass eine andere Dynamik entstand. Das Ergebnis mit Al Pacino als Cop und Robin Williams als Killer kann sich wirklich sehen lassen und kam auch bei Kritikern sehr gut an.

Härtegrad des Remakes: 3 von 5

„Casino Royale“ (2006 vs. 1954)

Daniel Craigs erster Film als James Bond, „Casino Royale“, hat nicht etwa mit dem gleichnamigen Spoof aus dem Jahr 1967 mit David Niven, Peter Sellers, Woody Allen u.v.a. zu tun, sondern basiert auf Ian Flemings Roman. Dieser kam schon 1954 im Rahmen der ersten Staffel der CBS-Show „Climax!“ ins Fernsehen. In beiden Versionen sieht sich James Bond dem Bösewicht Le Chiffre gegenüber (im Remake gespielt von Mads Mikkelsen), dem er bei einem Kartenspiel im titelgebenden Casino Royale auf den Zahn fühlt.

Martin Campbells Adaption aus dem Jahr 2006 beruft sich dabei jedoch stärker auf die Romanvorlage und gibt James Bond mehr Zeit, seinen Charakter zu entwickeln – so konnte sich das Publikum in Ruhe an den neuen 007 gewöhnen und eine Verbindung zu ihm aufbauen.

Glück mit den Frauen ...

... haben beide Bonds.

Härtegrad des Remakes: 3 von 5

„True Grit“ (2010 vs. 1969)

Die Coen-Brüder bedienten sich bei ihrer zweiten Zusammenarbeit mit Jeff Bridges (er war zuvor in ihrem Kultfilm „The Big Lebowski“ zu sehen) an dem Western „Der Marshal“ (im Original ebenfalls „True Grit“) mit John Wayne in der Hauptrolle.

In der 2010 erschienenen Neuverfilmung will die 14-jährige Mattie Ross den Mord an ihrem Vater rächen und engagiert dafür den unzuverlässigen Marshal Reuben „Rooster“ Cogburn (Jeff Bridges). Gemeinsam brechen die beiden auf, um den Mörder zur Strecke zu bringen. Während sich das Original noch als grimmiger Spätwestern präsentierte (für den John Wayne seinen einzigen Oscar gewann), reicherten die Coen-Brüder ihre Version mit jeder Menge schwarzem Humor und einigen überraschend brutalen Szenen an. Der Lohn: ein Kassenhit, wie man ihm den totgeglaubten Western-Genre längst nicht mehr zugetraut hätte.

Härtegrad des Remakes: 4 von 5

Aus dem Versuch einer Aufstellung gelungener Neuverfilmungen ist jetzt fast schon eine Art Rettung des in Verruf geratenen Remakes geworden. Aber ganz so weit wollen wir gar nicht gehen. Denn jedem guten Beispiel stehen mindestens ebenso viele schlechte entgegen. Wer das französische Original von SLEEPLESS - EINE TÖDLICHE NACHT noch nicht kennt oder sich davon überzeugen möchte, ob das Remake des deutschen Regisseurs Baran bo Odar mit Jamie Foxx das Original vielleicht sogar übertrifft, kann das jetzt im Kino. Alle Spielzeiten in deiner Nähe findest du hier:

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Bildrechte: Universal Pictures, Warner Home Video, Ascot Elite, Twentieth Century Fox, Paramount

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