AMERIKANISCHES IDYLL

Stars auf dem Regiestuhl

Nach mehr als zwei Jahrzehnten vor der Kamera legt Ewan McGregor jetzt mit AMERIKANISCHES IDYLL sein Regiedebüt vor. Damit ist er als schauspielender Regisseur oder regieführender Schauspieler in bester Gesellschaft…

Klar hat man Schauspieler wie Woody Allen oder Roman Polanski inzwischen längst als Regisseure abgespeichert. Aber wie ist es mit Jodie Foster und Angelina Jolie? Und denkt man bei Mel Gibson und George Clooney zuerst an den Schauspieler oder an den Regisseur? Wir haben einige regieführende Schauspieler unter die Lupe genommen - große Talente oder Schuster, die besser bei ihren Leisten geblieben wären?

Jack Nicholson

Er war zwölfmal für den Oscar nominiert und hat ihn dreimal gewonnen – natürlich als Schauspieler. Er war eine treibende Kraft des New Hollywood und legte 1971 mit „Drive, he said“ einen brillanten Film über die soziale und sexuelle Revolte der 60er vor. (Lesenswert ist dazu auch unsere filmische Zeitreise durch die 60er Jahre.) Sieben Jahre später folgte „Der Galgenstrick“, den Nicholson von Fast-Namensvetter Mike Nichols erbte und zu einer mäßig erfolgreichen Slapstickkomödie machte. Sein interessantestes Regieprojekt kam einige Jahre zu spät: „The Two Jakes“ (1990), das Sequel zu Polanskis „Chinatown“, war ein achtbarer Film, den leider kein Mensch sehen wollte.

Robert De Niro

111 Schauspielrollen listet das Filmportal IMDb für den Ausnahme-Star auf – und zwei Filme, die er selbst inszeniert hat. Der erste, "In den Straßen der Bronx" (1993), war so etwas wie die softe Version eines Scorsese-Gangster-Films, der zweite, "Der gute Hirte" (2006), eine kluge Aufarbeitung der CIA-Historie.

Beides respektable Arbeiten, mit großen Schauspielkollegen auch in kleineren Rollen. „Ich weiß nicht, ob ich noch mal Regie führe“, erklärte De Niro unlängst.

„Wenn ich in meinem Leben fünf schaffe, bin ich zufrieden. Aber vielleicht schaffe ich nicht mal drei. Regieführen ist verdammt harte Arbeit.“

George Clooney

Nächstes Jahr kommt seine sechste Regiearbeit in die Kinos, „Suburbicon“, eine vermutlich ziemlich schwarze Krimikomödie, zusammen mit den Coen-Brüdern geschrieben. Hoffentlich gelingt es George Clooney damit, die „Monuments Men“-Scharte auszuwetzen. Denn so mäßig lustige und ziemlich irrelevante Filme wollen wir von dem ansonsten durchaus kunstfertigen und politisch denkenden Superstar lieber nicht sehen. Dann schon eher verschwurbelte Spionagethriller („Geständnisse“), ätzende Medienkritik („Good Night, Good Luck“) oder großartige Politdramen wie THE IDES OF MARCH.

 

 

Robert Redford

Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Mann zu Clooneys Vorbildern gehört: Robert Redford war schon 20 Jahre im Geschäft, als er 1980 mit „Eine ganz normale Familie“ sein Regiedebüt vorlegte und auf Anhieb vier Oscars einheimste. Das stille, intensive Drama gab dann auch die Richtung für Redfords weitere Karriere auf dem Regiestuhl vor. Seine Arbeiten, neun Spielfilme sind es bislang, künden allesamt von Ernsthaftigkeit und Geschmack, von integrer Haltung und politischem Sendungswillen.

Fast scheint es, als sei der Watergate-Aufklärer, den Redford in „Die Unbestechlichen“ so grandios verkörperte, selbst zum Filmemacher geworden. Gut so: Löwen und Lämmer gibt es genug. Und schließlich will auch DIE LINCOLN VERSCHWÖRUNG aufgedeckt werden.

 

Tom Hanks

Neben einigen Serienepisoden hat Tom Hanks auch zwei Kinofilme inszeniert. "That Thing You Do!" (1996) ist die nette, aber harmlose Story einer fiktiven Popband, die Mitte der Sechziger auf den Spuren der Beatles wandelt. Und "Larry Crowne" (2011) ist die nette, aber harmlose Story eines gefeuerten Mittvierzigers, der noch einmal von vorne anfängt. Kann es sein, dass Tom Hanks einfach zu nett und harmlos ist?

Tim Robbins

Zwischen 1992 und 1999 drehte Tim Robbins, damals ein großer Star dank „Die Verurteilten“, „The Player“ und „Hudsucker“, gleich drei Filme: die Politkomödie „Bob Roberts“ (1992), das Todesstrafendrama „Dead Man Walking“ (1995) und den sozialkritischen Historienstreifen „Das schwankende Schiff“ (1999). Früher nannte man so etwas „Filme mit Botschaft“. Und die sind in der Regel keine Kassenmagneten.

Sean Penn

Wenn wir schon bildlich beim Schauspieler Sean Penn sind… Penns frühe Regiearbeiten „Indian Runner“, „Crossing Guard“ und „Das Versprechen“ waren mehr als achtbare Dramen, mit denen sich der Schauspieler während der neunziger Jahre einen guten Regie-Ruf erarbeitete. Dann folgte sein Meisterwerk, das subtile Aussteigerdrama INTO THE WILD. Im nächsten Jahr folgt nach mehr als zehn Jahren endlich sein neues Werk THE LAST FACE, prominent besetzt mit Javier Bardem und Penns Ex Charlize Theron.

 

Denzel Washington

Der große Denzel Washington debütierte 2002 mit dem berührenden Militärdrama „Antwone Fisher“ als Regisseur. Fünf Jahre später folgte das historische Drama „The Great Debaters“ (2007), und fürs kommende Jahr ist sein dritter Film angekündigt: „Fences“, ein Rassendrama nach einem Bühnenstück von August Wilson. Washington ist (ähnlich wie seinerzeit Tim Robbins) ein klarer Überzeugungstäter: Seine Filme arbeiten die afroamerikanische Geschichte auf und erzählen relevante politische Geschichten.

Kevin Spacey

Ein Krimidrama („Albino Alligator“, 1996) und eine Musikbiografie („Beyond the Sea“, 2004) sind die ehrenwerten, aber unauffälligen Regiebeiträge zu Kevin Spaceys Filmografie, die ansonsten eindeutig von herausragender Schauspielkunst und immerhin beachtlichen 40 Produzenten-Credits dominiert wird, darunter die 52 Folgen der köstlichen Politserie „House of Cards“, in der er als zwielichtiger US-Präsident Rollen wie der in DAS GLÜCKSPRINZIP komplett vergessen macht.

Kevin Costner

Von Kevin zu Kevin. Ein paar mehr als die drei Filme, die Kevin Costner bis heute inszeniert hat, hätten es ruhig sein dürfen. Der erste war ein epochaler Western und entstand 1990, als der smarte Kevin für eine Weile der beliebteste Star der Welt war. „Der mit dem Wolf tanzt“ gewann sieben Oscars und die Herzen des Publikums.

Aber schon sieben Jahre und ein „Waterworld“-Fiasko später wollten sich die Fans vom „Postman“ (Originaltitel), Costners zugleich schlicht und bombastisch geratener Version der Postapokalypse, keine Briefe mehr zustellen lassen. „Open Range – Weites Land“, 2003 erschienen und ein achtbarer Erfolg an den Kinokassen, geriet dann erfreulich altmodisch und unspektakulär: ein anständiger Western mit toller Besetzung und packender Story.

Jodie Foster

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Und Licht steht der großartigen Jodie Foster deutlich besser, weshalb wir sie seit mehr als 40 Jahren auch so gerne vor der Kamera sehen. Ihr Regiedebüt gab sie bezeichnenderweise 1988 mit einer Episode für die TV-Serie „Geschichten aus der Schattenwelt“. Nomen est Omen? 1991 folgte der berührende „Das Wunderkind Tate“, vier Jahre später der allenfalls solide „Familienfeste und andere Schwierigkeiten“. Nach diesen beiden Filmen sollte es 16 Jahre dauern, bis man ihr (oder sie sich?) wieder eine Regiearbeit zutraute. Leider blieb auch „Der Biber“ unter den Erwartungen, was auch an der seltsamen Prämisse liegen mag. Ihr letzter Film „Money Monster“ (2016) war bislang auch ihr erfolgreichster - zumindest an den deutschen Kinokassen.

Alan Rickman

Er gehört zu den vielen schmerzhaften Verlusten, die die Entertainment-Welt im Jahr 2016 hinnehmen musste. Ein wunderschönes Abschiedsgeschenk aber hat Alan Rickman uns immerhin noch hinterlassen: das einfühlsame Historiendrama DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES, in dem Kate Winslet und Matthias Schoenaerts um die Wette gärtnern und Rickman selbst einen köstliche Nebenrolle als Ludwig XIV. spielt. Es war erst seine zweite Regiearbeit nach dem hochgelobten „The Winter Guest“, einem intensiven Familiendrama aus dem Jahr 1997.

 

Clint Eastwood

Der Meister! Als Regisseur hat sich Clint Eastwood zumeist selbst inszeniert – und blieb dabei genauso vielseitig, abwechslungsreich und zwiespältig wie als Schauspieler. Das verblüffende Doppel aus „Flags of Our Fathers“ und „Letters from Iwo Jima“, in dem er 2006 den Zweiten Weltkrieg aus den jeweiligen Perspektiven der verfeindeten Parteien schilderte, ist vermutlich der beste Beweis, dass in dieser Filmemacherbrust (mindestens) zwei Herzen schlagen. Für jeden „Bird“ (Kunst) hat Eastwood einen „Rookie“ (Schrott) im Köcher, für jeden „Brücken am Fluss“ (bewegendes Meisterwerk) einen „Space Cowboys“ (langweilige Routine). Ein konservativer Rebell, ein Westernheld im Regiestuhl.

Wie sich „Trainspotting“-Star Ewan McGregor in diesem Feld schlagen wird, kann jetzt jeder selbst beurteilen. Sein Regiedebüt AMERIKANISCHES IDYLL, in dem er neben Jennifer Connelly und Dakota Fanning selbst eine Hauptrolle spielt, läuft ab sofort im Kino.

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Ein von Ewan McGregor (@mcgregor_ewan) gepostetes Foto am <time style=" font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px;" datetime="2016-03-13T00:29:13+00:00">12. Mär 2016 um 16:29 Uhr</time>

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