Der Trafikant

Bruno Ganz – Das Beste aus 120 Rollen in 77 Jahren

Seit mehr als 50 Jahren ist der gebürtige Schweizer Bruno Ganz eines DER Aushängeschilder der deutschen Schauspielkunst. Er zählt heute international zu den ganz Großen seiner Kunst, war einer der Gründer der Berliner Schaubühne und schaffte es im Kino bis nach Hollywood. In diesem Artikel erinnern wir an die bisherigen Höhepunkte seiner beeindruckenden Schauspielkarriere.

In seinem neuen Video hat Robert vom TOBIS Filmclub die besten Filme mit Bruno Ganz unter die Lupe genommen. Direkt darunter werfen wir einen ausführlichen Blick auf die Highlights seiner rund 120 Rollen. Und das waren nur die vor der Kamera. Auf der Theaterbühne, etwa in der 22-stündigen Inszenierung als Dr. Faust muss man ihn selbst erlebt haben. Diese Stimme, diese Mimik, was für ein Schauspieler! Und das ist nicht bloß Schwärmerei...

 

Was ist dein Lieblingsfilm mit Bruno Ganz?

Hier klicken & mitdiskutieren!

Die nächste Chance, Bruno Ganz auf der großen Leinwand zu erleben, hat man derzeit in der Verfilmung des Bestsellers DER TRAFIKANT von Robert Seethaler im Kino. Bruno Ganz schlüpft hier in die Rolle des legendären Psychotherapeuten Sigmund Freud, der dem 17-jährigen Franz (Simon Morzé) im Wien der späten 1930er-Jahre als väterlicher Freund zur Seite steht.

Die Muse von Wim Wenders

Was dem Herzog sein Kinski war dem Wenders sein Ganz. Nur hatte es der deutsche Kultregisseur Wim Wenders deutlich einfacher mit dem verlässlichen Bruno Ganz als sein Kollege Werner Herzog mit der Schauspiellegende Klaus Kinski, die am Set ein einziges Pulverfass war. Dreimal stand Bruno Ganz bereits vor der Kamera von Wim Wenders und dreimal entstanden aus dieser Zusammenarbeit Meilensteine des deutschen Kinos. Im Jahr 1977 überzeugte Bruno Ganz erstmalig in „Der amerikanische Freund" in einem Wenders-Film. Als todkranker Rahmenmacher, der als Auftragsmörder engagiert wird. An seiner Seite stand damals kein Geringerer als Hollywood-Star Dennis Hopper.

 

„Der amerikanische Freund" wurde mit Filmpreisen auf der ganzen Welt überhäuft. Ebenso wie das Drama „Der Himmel über Berlin", das zehn Jahre später folgte. Hier besetzte Wenders seinen Lieblingsdarsteller als melancholischen Engel, der sich so sehr zu den Menschen hingezogen fühlt, dass er selbst einer sein möchte. Selten wurde Berlin so traurig schön inszeniert wie in diesem Meisterwerk. Bruno Ganz wurde für seine berührende Darstellung mit einer Nominierung für den Deutschen Filmpreis bedacht.

 

1993 drehte Wenders eine Fortsetzung des Films unter dem Titel „In weiter Ferne, so nah!", der schließlich die dritte Zusammenarbeit mit Ganz darstellte. Darin führt der vom Schweizer gespielte Engel Damiel ein glückliches Dasein als Mensch. Mit von der Partie war diesmal u. a. Willem Dafoe.

Bruno Ganz und Willem Dafoe
© Studiocanal

Mächtig viel Theater

Bevor Bruno Ganz als Filmschauspieler bekannt wurde, stand er bereits auf Europas Theaterbühnen – und die Liebe zu den ‚Brettern, die die Welt bedeuten‘ hält bis heute an. Seit den 1960er-Jahren ist er immer wieder im Theater zu sehen, zum Beispiel als Hamlet, Macbeth oder Odysseus. Ein Höhepunkt stellte da sicher die 22-stündige Inszenierung von Goethes „Faust" im Jahr 2000 dar, in der er die Titelrolle übernahm. Die ZEIT schrieb einst über seinen Schauspielstil:

„Wenn Bruno Ganz auf der Bühne brüllt, klingt es immer so, als tue er sich selbst am meisten weh. Seine brennenden Pfeile treffen alle ihn selbst. Wenn er einen anderen verletzt, schneidet er sich auch ins eigene Fleisch. [...] Sein Verhältnis zu einer Figur ist kein ironisches, relatives, befristetes. Wenn er eine Rolle spielt, wird jede andere im Stück für ihn unlesbar. Er schließt sich in der gewählten Figur ein, gerade so, als zöge ein Burgherr die Zugbrücke seiner Festung hoch. Er ist nun mit ihr (und in ihr) allein. Ein Flor von Einsamkeit umgibt ihn – auf der Bühne noch mehr als im Film."

Passend dazu ist Bruno Ganz seit 1996 übrigens der Träger des prestigeträchtigen Iffland-Ringes, der dem würdigsten Theaterschauspieler im deutschsprachigen Raum auf Lebenszeit verliehen wird – eine große Ehre.

Bruno Ganz
© Ruth Walz

Ein gern gesehener Gast in Hollywood

Mittlerweile ist Bruno Ganz auch in den USA kein unbekanntes Gesicht mehr. Viele namhafte Hollywood-Regisseure holten ihn vor die Kamera, um ihre Filme mit dem wandlungsfähigen Schauspieler aufzuwerten. 2004 engagierte ihn beispielsweise Oscarpreisträger Jonathan Demme für seinen Politthriller „Der Manchurian Kandidat", in dem Ganz an der Seite von Denzel Washington zu sehen war.

Bruno Ganz
© Paramount

Ein weiterer Oscarpreisträger - nämlich Francis Ford Coppola - besetzte ihn 2007 in dessen Drama „Jugend ohne Jugend".

Bruno Ganz
© Sony Pictures

Nur ein Jahr später brillierte Ganz in einer Nebenrolle in der Bestseller-Adaption „Der Vorleser", für die Kate Winslet einen Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt.

 

Dem folgten in immer engerer Taktung viele weitere internationale Filme wie „Unknown Identity" (2011), „Nachtzug nach Lissabon" (2013) und „The Counselor" (2013) Seite an Seite mit Weltstars wie Liam Neeson, Jeremy Irons, Michael Fassbender und Brad Pitt. 2017 gehörte er zum 7-köpfigen Ensemble der Tragikomödie „The Party", in der sich so namhafte Kollegen wie Timothy Spall, Patricia Clarkson und Cillian Murphy tummelten. In dem Kammerspiel kam Ganz seine langjährige Theatererfahrung natürlich zugute.

Bruno Ganz
© Universum Film

Eine Koryphäe des deutschen Films

Obwohl er den Sprung nach Hollywood problemlos gemeistert hat, bleibt Ganz bescheiden und bodenständig. Ihm ist es egal, ob sein nächster Film eine kleine Produktion aus Deutschland oder ein großer US-Blockbuster ist, solange er nur seiner Leidenschaft, dem Schauspiel, nachgehen kann. Seinem Ruf hat das natürlich nicht geschadet, im Gegenteil: Hierzulande gilt er längst als einer der bedeutsamsten Darsteller überhaupt, was vor allem an seinen zahlreichen und vielschichtigen Rollen in deutschen Filmen liegt. Als Jonathan Harker in Werner Herzogs „Dracula"-Verfilmung „Nosferatu – Phantom der Nacht" (1979) zeigte er zum Beispiel, dass er auch düstere und ambivalente Charaktere beherrscht.

Bruno Ganz
© Arthaus

1981 spielte er mit beeindruckender Intensität in Volker Schlöndorffs „Die Fälschung" einen Kriegsreporter, der an seinem Beruf zweifelt, als er über den Bürgerkrieg im Libanon berichten soll.

Bruno Ganz
© STUDIOCANAL

In dem oscarnominierten Historiendrama „Der Baader Meinhof Komplex" (2008) über die deutsche Terrorgruppe RAF wirkte Bruno Ganz als BKA-Präsident Horst Herold mit.

Bruno Ganz
© Constantin Film

Von seiner witzigen Seite zeigte sich der 77-jährige in der DDR-Komödie „In Zeiten des abnehmenden Lichts" (2017), die sein ausgezeichnetes Gespür für Timing zur Geltung brachte.

 

Die größten Rollen von Bruno Ganz

Auch wenn es ihm nicht so wirklich gefällt, wird Bruno Ganz wohl immer mit seiner genauso beängstigenden wie beeindruckenden Darstellung von Adolf Hitler in Verbindung gebracht werden. In Oliver Hirschbiegels für den Oscar nominiertem Drama „Der Untergang" (2004) spielt der Schweizer wie entfesselt, was ihm den Bayerischen Filmpreis als bester Darsteller einbrachte. Dennoch löste die fast schon menschliche Darstellung des Diktators auch zahlreiche Kontroversen aus. Er selbst meinte dazu:

„Letztendlich konnte ich nicht zum Herzen Hitlers vordringen, weil es da keins gab."

Bruno Ganz
© Highlight Film

Nicht weniger kräftezehrend dürfte seine Rolle als sterbender Poet Alexander im Drama „Die Ewigkeit und ein Tag" (1998) gewesen sein. Der Zuschauer erlebt darin Bruno Ganz als verletzlichen und aufrichtigen Menschen, dessen Freundschaft zu einem albanischen Flüchtlingsjungen einfach zu Tränen rührt. Der Film selbst erhielt in Cannes die Goldene Palme.

Achileas Skevis und Bruno Ganz
© tri-gon film

Zu seinen erfolgreichsten Filmen in Deutschland zählt auch der italienische Film BROT & TULPEN aus dem Jahr 2000. Bruno Ganz übernahm darin die Rolle eines isländischen Kellners, der sich in eine italienische Frau verliebt. Mit einer Mischung aus lakonischer Lässigkeit und sensibler Melancholie verkörpert er den Charakter auf seine ihm eigene Art und Weise.

 

Bruno Ganz kennt heute jedes Kind. Dafür sorgte er selbst durch seine Rolle in der Neuverfilmung des Klassikers „Heidi" (2015). In dem Heimatfilm mimt er Almöhi, den gemütlichen, aber manchmal auch grantigen Großvater der lebensfreudigen Titelfigur.

 

In der Romanverfilmung DER TRAFIKANT, die bald ins Kino kommt, sehen wir Bruno Ganz als alternden Sigmund Freud, der vom Krebs gezeichnet mit der Machtergreifung der Nazis und seiner Auswanderung nach England hadert. Dass auch der große Gott der Psychoanalyse nicht alle Antworten auf die Fragen des Lebens kennt, muss auch der junge Trafikant Franz Huchel erst lernen. Wie sich dennoch eine berührende Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt, zeigt schon die Vorschau zum Film. Besonders traurig ist, dass Bruno Ganz in diesem Jahr selbst an Krebs erkrankt ist. Wir wünschen ihm alles Gute und drücken die Daumen, dass er schnell wieder gesund wird und uns noch in vielen weiteren Rollen als großer Schauspieler erhalten bleibt.

 

ALLE SPIELZEITEN HIER KLICKEN

Folge uns auch auf Facebook, Instagram und YouTube.


DIESEN ARTIKEL WEITERLEITEN