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Christopher Plummer: Das Beste aus über 200 Rollen

Christopher Plummer führt eindrucksvoll vor, wie man als Schauspieler auch mit 91 Jahren noch immer von sich reden macht. Sein Geheimnis ist ganz einfach: Er dreht fleißig einen Film nach dem anderen und scheint dabei von Mal zu Mal besser zu werden. Das sind die Höhepunkte einer Karriere voller darstellerischer Glanzleistungen...

Er ist Oscarpreisträger, der älteste Schauspieler, der je von der Academy nominiert wurde, und allein im letzten Jahr stand er in vier Produktionen vor der Kamera, darunter in der Krimikomödie „Knives Out", die weltweit mehr als 300 Millionen Dollar im Kino einspielte. Eines können wir an dieser Stelle schon verraten: Christopher Plummer ist ein Phänomen!

„Caesar und Cleopatra", Rechte bei Mongrel Media

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Mit Edelweiß zum Star

Wie für viele Schauspieler jener Generation begann für ihn alles auf den Brettern, die die Welt bedeuten, in seinem Fall an den Bühnen einiger Kanadischer Theater, wo er unter anderem in Shakespeare-Stücken auftrat und sein Handwerk zur Kunst verfeinerte. Sein Debüt vor der Kamera gab Plummer mit 23 Jahren als Othello in der kanadischen Fernsehserie „General Motors Presents", in der auch der spätere Captain Kirk alias William Shatner seine ersten Schritte machte. Es folgten weitere TV-Auftritte, bis Plummer 1958 erstmals auf der großen Leinwand zu sehen war. Niemand Geringeres als Regielegende Sidney Lumet („Die 12 Geschworenen") besetzte ihn in seinem Drama „Eines Tages öffnet sich die Tür" neben Henry Fonda und Susan Strasberg.

Sieben vorrangig von Fernsehfilmen und TV-Serien geprägte Jahre später spielte Plummer eine Rolle, die ihn noch sein ganzes Leben begleiten sollte. Als Kapitän von Trapp in „Meine Lieder, meine Träume" avancierte er neben Julie Andrews zum Star.

„Meine Lieder, meine Träume", Rechte bei Disney

Auch heute noch wird er auf den Film angesprochen, den er selbst vor wenigen Jahren jedoch als „furchtbar, gefühlsduselig und schnulzig" bezeichnete. Nichtsdestotrotz bleiben seine Gesangsdarbietungen in dem mit fünf Oscars prämierten Musical in wohliger Erinnerung...

 

Nach Zwischenstationen als Wüstenfuchs Rommel und Staffelführer in „Die Luftschlacht um England" (1969) schlüpfte er 1970 in dem Historienfilm „Waterloo" erneut in eine Uniform und verkörperte den britischen General Wellington, der 1815 in der Schlacht bei Waterloo den mächtigen Napoleon Bonaparte besiegte. In einigen Szenen ließ Plummer bereits den für ihn typischen Charme aufblitzen.

„Waterloo", Rechte bei Koch Media

Meister der Vielfalt

Zu Beginn der 1970er-Jahre war der gebürtige Kanadier längst etabliert und bewies sich in einem breiten Spektrum an Filmen. Sei es in der Komödie „Der rosarote Panther kehrt zurück" (1975) oder im vierfach für den Oscar nominierten Meisterwerk „Der Mann, der König sein wollte" (1975) von John Huston, in dem Plummer den britischen Schriftsteller Rudyard Kipling („Das Dschungelbuch") spielte, auf dessen Erzählung der Film basiert. Hier ist er in einer Szene mit Oscarpreisträger Michael Caine zu sehen.

Vielfältig zeigte er sich auch mit diversen Verkleidungen als brutaler Bankräuber in „Dein Partner ist der Tod" (1979), um nur kurze Zeit später vom Bösewicht zum besten Detektiv der Literaturgeschichte zu mutieren.

 

Christopher Plummer
„Dein Partner ist der Tod", Rechte bei Arcade Video

Im gleichen Jahr wurde ihm nämlich die Ehre zuteil, die prestigeträchtige Figur des Sherlock Holmes in „Mord an der Themse" zu spielen. Der Spaß, den gewieften Holmes mit der obligatorischen Pfeife im Mund zu verkörpern, war Plummer hier definitiv anzusehen. Dennoch legte er den Charakter deutlich bodenständiger und weniger exzentrisch an, als es sonst bei Sherlock Holmes der Fall ist.

Christopher Plummer
„Mord an der Themse", Rechte bei Studiocanal

Seine angenehm-markante Stimme verschaffte ihm auch zahlreiche Synchronrollen. So war er im Original von „Feivel, der Mauswanderer" 1986 als die französische Taube Henri zu hören, die sich um den Mäuserich Feivel kümmert und ihm mit optimistischen Weisheiten Hoffnungen für die Zukunft macht.

„Feivel, der Mauswanderer", Rechte bei Universal Pictures

Und damit zum denkbar größten Kontrast, in dem sich das vielfältige Talent Plummers zeigt: 1991 war in „Star Trek VI: Das unentdeckte Land" nicht mehr viel von der französischen Taube zu sehen. Stattdessen glänzte Plummer in dem Kinofilm als fieser Klingonen-General Chang, inklusive Augenklappe und extravagantem Make-up, das übrigens für einen Oscar nominiert wurde. Plummer selbst hatte großen Spaß an der Rolle, legte die Figur sogar als Shakespeare-Fan an und lieh ihr noch Jahre später in zwei Videospielen seine Stimme.

Christopher Plummer
„Star Trek VI: Das unentdeckte Land", Rechte bei Paramount

Der Workaholic

Seinen Status als zuverlässiger Darsteller zementierte Plummer in den 90er Jahren, etwa in der Stephen King-Verfilmung „Dolores". Als ermittelnder Polizist fühlte er hier der mordverdächtigen Kathy Bates auf den Zahn und erwies sich damit für Regisseur Taylor Hackford (LEBENSZEICHEN) als sichere Bank.

Christopher Plummer, Kathy Bates
„Dolores", Rechte bei Warner

Ebenso überzeugend wirkte er beispielsweise als Dr. Goines in Terry Gilliams Sci-Fi-Thriller „12 Monkeys" (1995) und in Michael Manns siebenfach für den Oscar nominierten Tatsachenthriller „Insider" (1999), in dem er den Fernsehjournalisten Mike Wallace darstellte. Eine Rolle, die Plummer bis heute zu den persönlichen Favoriten seiner langen Karriere zählt.

Christopher Plummer
„Insider", Rechte bei Koch Media

Auch wenn es nicht immer Hauptrollen waren, in denen er mitwirkte, verstand Plummer es, die jeweilige Produktion, aufzuwerten. Selbst als legendärer Vampirjäger Van Helsing, den er in „Wes Craven präsentiert Dracula" (2000) spielte. Der Horrorfilm kam bei der Kritik nicht gut an, hatte mit Plummer jedoch wenigstens einen großen Pluspunkt zu bieten.

Christopher Plummer
„Wes Craven präsentiert Dracula", Rechte bei Constantin

Anspruchsvoller ging es da in „A Beautiful Mind" (2001) zu, der mit 4 Oscars ausgezeichnet wurde und das Leben des Mathematik-Genies John Nash, gespielt von Russell Crowe, zeigt. Plummer begeistert darin als Arzt Dr. Rosen, der Nashs Schizophrenie behandelt. Ein Charakter, wie gemacht für den damals 71-jährigen Schauspieler.

„A Beautiful Mind", Rechte bei Paramount

Auch in den Folgejahren stand Plummer für zahlreiche namhafte Regisseure vor der Kamera. Oliver Stone holte ihn als Aristoteles für das Historienepos „Alexander" (2004) an Bord, Jon Turteltaub machte ihn zum Oberhaupt einer Schatzjäger-Dynastie in seinem Abenteuerfilm „Das Vermächtnis der Tempelritter" (2004).

Sein unermüdlicher Fleiß brachte Plummer schließlich auch eine Rolle in Spike Lees Bankräuber-Thriller „Inside Man" (2006) ein, wo er als skrupelloser Bankchef Denzel Washington und Jodie Foster gegenüber stand.

Christopher Plummer
„Inside Man", Rechte bei Universal

2009 bewies er dann erneut sein Talent als Synchronsprecher und sprach im Pixar-Animationshit „Oben" den zurückgezogen lebenden Abenteurer Charles Muntz, der ihm nebenbei gar nicht so unähnlich sieht.

„Oben", Rechte bei Disney

Noch im gleichen Jahr arbeitete er zum zweiten Mal mit Regisseur Terry Gilliam zusammen. „Das Kabinett des Doktor Parnassus" war darüber hinaus auch der letzte Film von Heath Ledger (BROKEBACK MOUNTAIN) vor dessen tragischem Tod.

Christopher Plummer
„Das Kabinett des Doktor Parnassus", Rechte bei Leonine

Der verdiente Lohn

Es ist eigentlich unglaublich, aber erst 2010 - als er bereits die 80 überschritten hatte - bekam Plummer seine erste Nominierung für einen Oscar. Es war seine Darstellung des Schriftstellers Leo Tolstoi in „Ein russischer Sommer", die die Kritiker überzeugte. Gemeinsam mit Helen Mirren, die seine Frau spielte, bildete er das perfekte Leinwandpaar und eine Symbiose höchster Schauspielkunst.

Den Oscar (als Bester Nebendarsteller) gewinnen, konnte Christopher Plummer dann aber erst zwei Jahre später für das Drama „Beginners". In dem Film offenbart er seinem Sohn mit 75 Jahren, dass er homosexuell ist.

„Beginners", Rechte bei Universal

Die Kritiker waren hin und weg von der sensiblen und authentischen Darstellung Plummers. Unter anderem hieß es da:

„Unterdessen blüht der auf Nebenrollen spezialisierte Christopher Plummer mit kleinen Gesten, aber einnehmender Ausstrahlung als schwuler Senior auf – eine Rolle, die ihn nicht zu Unrecht zum absoluten Kritikerliebling des Filmjahres 2011 machte."

Der Kanadier ist damit auch bis heute noch der älteste Schauspieler - er war damals 82 Jahre alt - der je einen Oscar gewinnen konnte. Endlich bekam er die Anerkennung, die er schon längst verdient gehabt hätte. Das sah er offenbar genauso, denn als er den Goldjungen entgegennahm, meinte er an die Trophäe gerichtet:

„Du bist nur zwei Jahre älter als ich, Liebling. Wo warst du mein ganzes Leben?"

Oscar Verleihung, Rechte bei NBC

Kein Ende in Sicht

Doch Plummer wäre nicht Plummer, wenn er sich auf diesem Erfolg ausruhen würde. So spielte er den Unternehmer Henrik Vanger in David Finchers Remake „Verblendung" (2011), ...

Christopher Plummer, Daniel Craig
„Verblendung", Rechte bei Sony

... einen zurückgezogen lebenden Witwer, der in „Elsa & Fred" mit der lebenshungrigen Shirley MacLaine seinen zweiten Frühling erlebt, ...

 

Shirley MacLaine, Christopher Plummer
„Elsa & Fred", Rechte bei Cuatro Plus Films

... einen dementen Ausschwitzüberlebenden, der in „Remember" auf Rache sinnt...

 

Christopher Plummer
„Remember", Rechte bei Tiberius Film

 ... und Ebenezer Scrooge in „Charles Dickens: Der Mann der Weihnachten erfand".

Christopher Plummer
„Charles Dickens: Der Mann der Weihnachten erfand", Rechte bei New KSM Cinema

Ein Jahr vor dem eingangs erwähnten „Knives Out" war er als Milliardär J. Paul Getty in ALLES GELD DER WELT von Ridley Scott zu sehen. Obwohl er nur wenig Vorbereitungszeit hatte, machte er sich die Rolle zu eigen und spielte das steinreiche Ekel mit so großer Hingabe, dass ihm ein weiterer Rekord sicher war. Die Academy empfahl ihn mit einer Nominierung als ältesten Schauspieler in der Geschichte für einen Oscar.

 

Christopher Plummer
ALLES GELD DER WELT, Rechte bei Tobis

Mehr zum Film und Plummers sehenswerter Darstellung erfährst Du hier.

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