Paris kann warten

Diane Lane über ihr Leben: „Ich war immer ein Freak."

Man hängt automatisch an Diane Lanes Lippen, wenn die Schauspielerin von ihrer bewegten Karriere spricht, die nun immerhin schon fast 5 Dekaden umfasst. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab sie aber auch Einblicke in ihr Privatleben und erklärte, warum sie sich selbst als Freak bezeichnet.

In PARIS KANN WARTEN verdreht Hauptdarstellerin Diane Lane als attraktive Produzenten-Ehefrau ihrem französischen Kollegen Arnaud Viard auf der Leinwand gehörig den Kopf. Dabei konnte sie selbst nie verstehen, wieso sie in Hollywood schon über Jahre hinweg als Männermagnet gilt. Viel lieber spricht sie da über ihre Faszination für Frankreich, ihr Talent als Heimwerkerin oder ihr Verhältnis zur Coppola-Familie, mit der sie seit Jahrzehnten beruflich zusammenarbeitet.

Das Theater als Schicksal

Aber springen wir zunächst an den Anfang ihrer Karriere zurück, als sie mit 6 Jahren das erste Mal auf einer Theaterbühne stand. Wie war das damals noch gleich?

„Das Theater zu entdecken, glich für mich einem Wunder. Denn plötzlich hatte ich eine Familie. Und im Rückblick fühlt es sich wie Schicksal an. Denn ich hatte darüber hinaus auch ein Ziel im Leben.“

Die Droge Ruhm

Da ihre Eltern sich scheiden ließen, als Diane Lane 13 Jahre alt war, blieb das Schauspielern die einzige Zuflucht aus ihrem zerrütteten privaten Umfeld. Mit dem plötzlichen Ruhm, der ihr gleich bei ihrem Filmdebüt „Ich liebe dich - I love you - je t'aime“ (1979) entgegenschlug - inklusive dem Erscheinen auf dem Cover des berühmten Time-Magazines - lernte sie allerdings recht schnell umzugehen.

„Ich hatte verstanden, dass man mich im übertragenen Sinne unter Drogen gesetzt hatte und ich deswegen meinem Verstand nicht mehr trauen darf. Ich wusste, ich darf das alles nicht zu ernst und persönlich nehmen, denn es ging in erster Linie darum, einen Film zu verkaufen, der noch nicht einmal angelaufen war. Es ging nicht um mich. [...] So läuft das in der Filmbranche. Und Gott sei Dank hatte mir das jemand erklärt. Wenn du diesen Rahmen nicht hast, wirft es dich aus der Bahn. Ruhm ist eine sehr starke Droge.“

Dass das Filmgeschäft sehr hart sein kann, bekam Lane mit 19 Jahren zu spüren, als 1984 ihre Filme „Straßen in Flammen“ und „Cotton Club“ mit dem jungen Richard Gere gnadenlos floppten, trotz der tollen Musikeinlagen in letzterem Film.

Damals zog sie die Notbremse und stand drei Jahre lang vor keiner Kamera mehr. Ein Schritt, der absolut notwendig war, wie sie verrät:

„Für meine geistige Gesundheit: um den Verstand nicht zu verlieren. [...] Das tat richtig weh. Ich bin vor der Kamera aufgewachsen und brauchte eine Pause. Ich musste ein neues Ziel finden.“

Von Hollywood in die Provinz Georgias

Doch was passierte in diesen drei Jahren fernab vom Glanz und Glamour der Filmwelt?

„Ich bin im Haus neben meiner Mutter eingezogen, raus aus den großen Städten und aufs Land. [...] Wir hatten Hühner, ich habe Kartoffeln gepflanzt. Außerdem habe ich mein Haus renoviert. Das ist bis heute eine große Leidenschaft, ich renoviere so viel wie möglich selbst. Ich bin eine echte Heimwerkerin. Und so wurden meine Ambitionen in der Provinz in Georgia ganz klein und gesund.“

Das klingt ja ganz und gar nicht nach dem rebellischen Teenager, den Diane Lane auch gerne mal im Film, wie in „Ladies and Gentlemen, the Fabulous Stains“ (1982) verkörperte.

Ein Doppelleben als Freak und Star

Lanes Hang zur Bescheidenheit äußert sich auch in ihrer Sicht auf sich selbst. So reagierte sie lange mit Unverständnis, wenn Männer sich von ihr angezogen fühlten und um sie warben:

„Ich habe damals irgendwie gar nicht begriffen, was da eigentlich los war, welche Intention diese Männer hatten. [...] Klar, ich war ja nicht blöd, deswegen habe ich es wahrscheinlich geahnt. Aber andererseits war ich als junge Frau auch so unsicher, ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand ausgerechnet mich beeindrucken wollte.“

Wer könnte der Männerwelt das jedoch bei solch einem Lächeln verübeln?

Doch woher kommt diese ungewöhnliche Selbsteinschätzung?

„Ich war immer ein Freak, ein seltsames Wesen. Ich war der Freak, der als Siebenjährige mit einer Theatergruppe auf Tournee in den Libanon flog. [...] Und ich hatte dieses ganz neue, völlig andere Leben, das unglaublich dramatisch und international war. [...] Wenn ich nach Hause kam und wieder mit Kindern in meinem Alter zusammen war, musste ich dieses andere Leben verbergen. [...] Meine Existenz war eine Art Doppelleben."

Ebenso ins Gewicht fiel da die für Hollywood typische Zuordnung von Geschlechterrollen, mit der die Schauspielerin lange nicht zurecht kam.

„Ich bin nicht das, was die Leute auf mich projizieren. Und ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sich Menschen fühlen, die das Gefühl haben, im falschen Körper geboren zu sein. Denn ich habe das nicht so extrem, aber bis zu einem gewissen Grade auch erlebt. Das Weibliche und das Männliche sind in mir gleich stark angelegt. Ich konnte nie so sein, wie ich wirklich wollte, musste immer das Mädchen sein."

Faszinierende Franzosen

Mittlerweile hat Diane Lane diese Probleme aber längst hinter sich gelassen, weshalb sie nun ganz befreit vor der Kamera aufspielen kann. So auch in der romantischen Komödie PARIS KANN WARTEN, in der sie von Cannes nach Paris reist und dabei die Landschaft und Küche Südfrankreichs genießt.

 

Der Film kam der frankophilen New Yorkerin natürlich sehr entgegen, wie sie gerne zugibt:

„Frankreich hat mich schon immer fasziniert. [...] Als Mädchen bin ich mit der Theatergruppe [...] auch nach Frankreich gereist. Und da habe ich mich in die französische Sprache verliebt. Ich wollte sie unbedingt lernen und sprechen."

Aber auch die französischen Männer spielten in Lanes Leben eine große Rolle. 1988 bis 1994 war sie mit ihrem Kollegen, dem Halb-Franzosen und „Highlander"-Darsteller Christopher Lambert, verheiratet, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat. Zudem waren beide in den Filmen „Liebestraum" (1988) und „Knight Moves" (1992) zu sehen.

Dazu, dass sie im Drama „Untreu" (2002), für das sie eine Oscar-Nominierung erhielt, mit dem französischen Schauspieler Olivier Martinez zusammenarbeitete, meint sie augenzwinkernd:

„Da ist sie schon wieder: die französische Kunst der Verführung. Das scheint eine Art roter Faden in meinem Leben zu sein."

Der Coppola-Clan als Ersatzfamilie

 

Doch zurück zu PARIS KANN WARTEN: Hierfür ließ sie sich von Regisseurin Eleanor Coppola anleiten, die sie noch bestens aus früheren Tagen kennt. Insgesamt viermal arbeitete sie in der Vergangenheit nämlich mit deren Mann Francis Ford Coppola zusammen. Lane erinnert sich gerne daran:

„Das war eine großartige Zeit. [...] Ich durfte bei den Coppolas zu Hause in Nappa bei der Postproduktion des Films [„Rumble Fish"] dabei sein. Das war alles sehr familiär. Wir haben zusammen gekocht."

Und wie war damals das Verhältnis zu Eleanor Coppola?

„Sie war immer dabei, hat sich aber im Hintergrund gehalten. Später hat sie mir erzählt, es sei eine ganz bewusste Entscheidung gewesen, weil sie Arbeit und das Privatleben der Familie nicht zu sehr vermischen wollte. Wobei da bei den Coppolas eigentlich keine Grenze existiert. Sie leben Film."

Mehr über den erfolgreichen Coppola-Clan kannst du übrigens hier nachlesen.

Ein Film über echte Menschen

 

Was ist denn nun aber das Besondere an PARIS KANN WARTEN?

„In den Vereinigten Staaten kennt man solche Filme kaum. [...] Es muss immer größer als das Leben sein. In PARIS KANN WARTEN sieht man aber echte Menschen und das Leben hinter den Kulissen."

Wie real die Situation ihres Charakters Anne, die zwischen ihrem viel beschäftigten Ehemann Michael (Alec Baldwin) und dem aufmerksamen Charmeur Jacques (Arnaud Viard) steht, sein kann, weiß Diane Lane nur zu gut:

„Ich war ständig von potentiellen Liebesgeschichten umgeben. Aber letztendlich geht es nur darum, ob du der Versuchung nachgibst oder nicht. Deine Taten zählen, und alles andere ist bedeutungslos. [...] Es ist schön zu wissen, dass man begehrt wird. Erst recht, wenn eine Frau, wie in unserem Film, vorher unsichtbar war und im Schatten ihres berühmten Mannes stand. Und ich finde es mutig, dass Eleanor Coppola aus dieser persönlichen Erfahrung einen Film gemacht hat." 

 

Deine ganz eigene Erfahrung mit PARIS KANN WARTEN kannst du ab sofort im Kino machen. Wann du diesen kulinarisch-romantischen Trip auf der Leinwand genießen kannst, kannst du hier planen:

 

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Das Interview führte Christian Aust. Mehr zu Diane Lanes ereignisreicher Filmkarriere, gibt es zudem hier zu entdecken.

 

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