Alles Geld der Welt

Die spektakulärsten Neubesetzungen der Filmgeschichte

Der Missbrauchsskandal um Kevin Spacey machte weltweit Schlagzeilen und ganz Hollywood sprachlos. Auch Regisseur Ridley Scott reagierte und ersetzte den Schauspieler in seinem neuen Film ALLES GELD DER WELT durch Oscarpreisträger Christopher Plummer. Damit tritt Spacey einem ruhmlosen Club bei, in dem kein Darsteller jemals Mitglied werden möchte...

Im ersten Trailer zum Thriller ALLES GELD DER WELT, der jetzt im Kino zu sehen ist, sah man noch einen unkenntlichen Kevin Spacey hinter der Maske des Milliardärs J. Paul Getty. Doch das war einmal. Alle Fakten rund um den Skandalfilm hat Robert vom TOBIS Filmclub im folgenden Video für dich zusammengefasst, die beiden Darstellungen miteinander verglichen und analysiert. Gleich darunter findest du 9 weitere spektakuläre Neubesetzungen, die Filmgeschichte schrieben.

 

Tobey Maguire in „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger" (2012)

Ausgerechnet sein hoher Bekanntheitsgrad war schuld daran, dass Tobey Maguire noch während der Dreharbeiten zu „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger" entlassen wurde. Regisseur Ang Lee (BROKEBACK MOUNTAIN) machte sich nämlich Sorgen, dass der „Spider-Man"-Star mit seiner Prominenz zu viel Aufmerksamkeit auf seine Nebenrolle ziehen würde und die relativ unbekannten Hauptdarsteller dadurch untergehen würden.

© Sony Pictures

Es handelte sich dabei um die Rolle des Schriftstellers, der sich in der Rahmenhandlung des Films die Lebensgeschichte des Protagonisten Pi erzählen lässt. Die bereits fertigen Szenen mit Maguire wurden prompt herausgeschnitten und mit dem englischen Schauspieler Rafe Spall (ZWEI AN EINEM TAG) nachgedreht.

© 20th Century Fox

Man mag von dieser Entscheidung Ang Lees halten, was man will, der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Seine Romanverfilmung „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger" stürmte weltweit die Kinokassen und konnte 4 Oscars gewinnen.

Nicole Kidman in „Panic Room" (2002)

In dem klaustrophobischen Thriller sollte ursprünglich Nicole Kidman als Hauptdarstellerin für Regisseur David Fincher vor der Kamera stehen. Da sie sich bei ihrem vorherigen Film „Moulin Rouge" allerdings am Knie verletzt hatte, musste sie nur wenige Tage nach Drehbeginn ihren Hut nehmen. Immerhin durfte der Star für eine kleine Szene in „Panic Room" ihre Stimme zur Verfügung stellen.

© 20th Century Fox

Ersatz wurde schnell gefunden. Jodie Foster übernahm die Rolle der mutigen Meg Altman, die ihre Tochter mit allen Mitteln vor drei gewaltbereiten Einbrechern beschützt. Obwohl Foster nur 9 Tage Vorbereitungszeit hatte, meisterte sie die Herausforderung mit Bravour.

© Sony Pictures

James Purefoy in „V wie Vendetta" (2005)

Es scheint etwas skurril, dass der maskentragende Rächer V während des Drehs zur Comicverfilmung „V wie Vendetta" umbesetzt wurde. Schließlich zeigt dieser im Film nicht ein einziges Mal sein wahres Gesicht.

© Warner Bros.

Doch war es genau das, was Schauspieler James Purefoy an der Rolle störte. Nach 6 Wochen Dreharbeiten wurde es ihm zu bunt und er verließ das Projekt. Einige Jahre später durfte er dafür in der Thrillerserie „The Following" als Bösewicht seine charmante Mimik zur Schau stellen.

© Warner Bros.

Die Macher des Films reagierten und holten Hugo Weaving an Bord, der vor allem als Agent Smith aus „Matrix" (1999) oder als Elb Elrond aus den Filmreihen „Der Herr der Ringe" und „Der Hobbit" bekannt ist.

© Warner Bros.

Dennoch konnten die bereits abgedrehten Szenen mit Purefoy im Film bleiben, da Weaving diese nur nachsynchronisieren musste. Für die übrigen Szenen schlüpfte dann Weaving auch körperlich in das Kostüm. Es spielen also tatsächlich zwei verschiedene Schauspieler den Freiheitskämpfer V. Regisseur James McTeigue meinte dazu trocken:

„Ob ich den Unterschied erkennen kann? Ja! Kann es das Publikum auch? Das bezweifle ich."

Eric Stoltz in „Zurück in die Zukunft" (1985)

Der Kanadier Michael J. Fox ist untrennbar mit der Rolle des Marty McFly in der Science-Fiction-Reihe „Zurück in die Zukunft" verbunden. Doch er war nicht die Originalbesetzung!

© Universal Pictures

Ganze 4 Wochen mimte nämlich der Californier Eric Stoltz den zeitreisenden Jugendlichen, den man zum Beispiel aus „Pulp Fiction" kennt.

© Studiocanal

Hier sieht man die beiden im Vergleich, oben das Original und darunter die Szene, die es auch in den Film geschafft hat.

© Universal Pictures
© Universal Pictures

Schon anhand dieses Fragments lässt sich das Dilemma von Regisseur Robert Zemeckis erkennen. Stoltz legte die Figur des Marty McFly viel zu dramatisch und ernst an.

© Universal Pictures

Zemeckis wollte dagegen die humorvollen Aspekte betonen und kam deshalb auf Michael J. Fox zurück, der ursprünglich sowieso seine erste Wahl gewesen war. Dank ausgeklügeltem Zeitmanagement und zusätzlichem Budget konnte Fox engagiert werden. Heute ist es unvorstellbar, dass jemand anderes als er durch die Sci-Fi-Komödie rocken könnte.

© Universal Pictures

Heath Ledger in „Das Kabinett des Doktor Parnassus" (2009)

Die Umstände von Heath Ledgers Neubesetzung in „Das Kabinett des Doktor Parnassus" waren mehr als tragisch. Der Oscarpreisträger („The Dark Knight") verstarb im Januar 2008 während der Dreharbeiten zum Film und hinterließ eine noch nicht vollendete Rolle als Hochstapler Tony.

© Concorde

Anstatt die Produktion einzustampfen oder Ledgers Szenen mit einem neuen Schauspieler komplett nachzudrehen, bediente sich Regisseur Terry Gilliam eines cleveren Kniffs. Er schrieb das Drehbuch um und ließ Legders Filmcharakter von drei weiteren Schauspielern verkörpern.

© Concorde

Aufgrund der im Film thematisierten Fantasiewelt konnte er diese Wendung einigermaßen plausibel in die Geschichte einfügen. Mit Johnny Depp (TRANSCENDENCE), Colin Farrell (BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN?) und Jude Law („Sherlock Holmes") fanden sich schließlich die geeigneten Darsteller für diese Aufgabe. Und ALLES GELD DER WELT-Star Christopher Plummer war als Titelfigur Dr. Parnassus übrigens auch dabei.

Heath Ledger und Christopher Plummer
© Concorde

Jason Robards in „Fitzcarraldo" (1982)

Wer krank ist, bleibt der Arbeit fern und kuriert sich zu Hause aus. Im Fall von Filmproduktionen ist das jedoch nicht einfach so ohne größere Konsequenzen möglich. Oscarpreisträger Jason Robards, der in Filmklassikern wie „Die Unbestechlichen" (1976) und „Philadelphia" (1993) mitwirkte, bemerkte das beim Dreh zu Werner Herzogs Meisterwerk „Fitzcarraldo".

© Warner Bros.

Die Hälfte der Aufnahmen war bereits im Kasten, als Hauptdarsteller Robards plötzlich krank wurde und nicht mehr in der Lage war, ans Set zurückzukehren. Regisseur Werner Herzog wollte sein Werk jedoch nicht aufgeben und verpflichtete kurzerhand seinen Stammschauspieler Klaus Kinski (FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR) für die Titelrolle.

© Studiocanal

Ursprünglich spielte The Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger den Assistenten des Protagonisten. Da er für die Neudrehs allerdings keine Zeit mehr hatte, wurde seine Rolle vollständig aus dem Film gestrichen. Hier sieht man ihn mit drei Angestellten des Hotels, in dem er am Set untergebracht war.

© Studiocanal

Ryan Gosling in „In meinem Himmel" (2009)

Mit dem sechsfach oscarprämierten Großstadtmuscial „La La Land" gewann Ryan Gosling 2017 zwar keinen Goldjungen, aber einmal mehr die Herzen der Kinobesucher.

© Studiocanal

Vielleicht hätte es ja im Jahr 2009 in Peter Jacksons Fantasydrama „In meinem Himmel" mit dem Oscar geklappt. Gosling sollte ursprünglich den Familienvater Jack darstellen. Doch der schätzte sich viel zu jung für die Rolle ein und versuchte dem entgegenzuwirken, indem er mit Bart und 27 Kilogramm Übergewicht am Set erschien. Das gefiel Regisseur Peter Jackson aber überhaupt nicht und so wurde Gosling nur einen Tag vor Drehbeginn durch Mark Wahlberg (ROCK STAR) ersetzt.

© Paramount

Samantha Morton in „Her" (2013)

Dass die Stimme allein schon entscheidend sein kann, musste auch die britische Schauspielerin Samantha Morton bitter erkennen. Für die Sci-Fi-Romanze „Her" lieh sie dem intelligenten Betriebssystem Samantha nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihren Namen. Doch Regisseur Spike Jonze war nach Fertigstellung der Dreharbeiten nicht gänzlich überzeugt und holte sich Mortons Segen ein, eine neue Sprecherin einsetzen zu dürfen.

 

Morton war einverstanden und blieb dem Film weiterhin als Co-Produzentin treu. Ihrer Schauspielkarriere schadete die Neubesetzung auch nicht. 2016 war sie zum Beispiel im Fantasy-Blockbuster „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" zu sehen.

© Warner Bros.

Aber wer durfte stattdessen auf akustischem Weg mit Joaquin Phoenix in „Her" flirten? Spike Jonze fand in Scarlett Johansson die passende Alternative, die daraufhin 4 Monate mit dem Regisseur an der Nachvertonung arbeitete. Und die Mühe wurde belohnt: Scarlett gewann für ihre stimmliche Darbietung zahlreiche Darstellerpreise, darunter den Saturn Award. In der deutschen Version des Films hört man auch ihre deutsche Stamm-Synchronsprecherin Luise Helm, wie oben im Trailer.

© Universal Pictures

Harvey Keitel in „Apocalypse Now" (1979)

Auch ein Schauspielveteran wie Harvey Keitel (MOONRISE KINGDOM) hat schon zu spüren bekommen, wie es ist, durch einen Kollegen ersetzt zu werden.

Dabei war Regisseur Francis Ford Coppola zunächst felsenfest davon überzeugt, dass er mit Keitel den richtigen Darsteller für die Rolle des desillusionierten Captain Willard in seinem Vietnamkriegsepos „Apocalypse Now" gefunden hatte. Es dauerte jedoch keine zwei Wochen, bis Coppola an seiner Casting-Entscheidung zweifelte. Aus diesem Grund verließ er kurzzeitig die Produktion und flog höchstpersönlich nach Los Angeles, um Martin Sheen („Departed - Unter Feinden") die Rolle schmackhaft zu machen. Der Rest ist Filmgeschichte.

© Studiocanal

Die 6 Schauspieler in der folgenden Galerie traf es sogar noch härter, denn sie hatten ihre Arbeit am jeweiligen Film bereits beendet, fielen dann aber dem Schnitt zum Opfer und schafften es nie in die finalen Fassungen.

Tom Hiddlestons Auftritt als Loki in „Avengers: Age of Ultron" wurde komplett rausgeschnitten © Walt Disney
Harrison Fords Szene als Lehrer in Steven Spielbergs „E.T. - Der Außerirdische" war im fertigen Film nicht zu sehen © Paramount
Nach drei Drehtagen von „The Amazing Spider-Man 2" wurde Shailene Woodley nach Hause geschickt © 20th Century Fox
Von Kevin Costners Rolle in „Der große Frust" blieb nur noch sein Handgelenk in einer Szene übrig
Ohne sein Wissen wurde Mickey Rourkes Part im Antikriegsfilm „Der schmale Grat" komplett entfernt © Kinowelt
„American Pie"-Star Eugene Levy durfte nicht bei Ghostbusters 2 dabei sein © Universal
Hier sieht man eine seiner entfallenen Szenen © Sony Pictures

Der Fall Kevin Spacey ist insofern besonders in der Filmgeschichte, als dass die Dreharbeiten zu ALLES GELD DER WELT nicht nur längst abgeschlossen waren, auch der Film war bereits fertig geschnitten. Es gab diese Version mit Kevin Spacey also tatsächlich.

Die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den Schauspieler schlugen aber so hohe Wellen, dass nicht nur der Streaminganbieter Netflix Kevin Spacey noch während der Dreharbeiten zur Erfolgsserie „House of Cards" entließ und die Serie mit der kommenden Staffel vorzeitig beenden wird. Auch ALLES GELD DER WELT-Regisseur Ridley Scott sah sich zu einer Neubesetzung genötigt und ging sogar noch einen Schritt weiter. Er entfernte sämtliche Szenen mit Spacey aus seinem bereits abgedrehten Film und besetzte dessen Rolle schließlich mit Christopher Plummer. Und das alles innerhalb weniger Wochen kurz vor der Weltpremiere.

In einem Interview mit Entertainment Weekly äußerte sich Ridley Scott zu dem Skandal um Kevin Spacey und was er in dem Moment dachte, als er davon erfuhr:

„Diese Art von Verhalten kannst du nicht tolerieren. Und es wird den Film beeinflussen. Die Tat einer Person darf nicht die gute Arbeit all der anderen Leute beeinflussen. So einfach ist das."

Auch wenn er mit der schauspielerischen Leistung Spaceys zufrieden war, zeigte sich Ridley Scott gegenüber der New York Times von seinem neuen Star total begeistert:

„Ich denke, es ist eine fantastische Änderung. Kevins Darstellung war kälter. Christopher hat enormen Charme - ein Zwinkern und ein Lächeln - das lässt diesen kaltschnäuzig-konsequenten Charakter noch gefährlicher wirken."

Das sah die Hollywood Foreign Press genauso und ehrte Christopher Plummer überraschend mit einer Nominierung für einen Golden Globe als Bester Nebendarsteller. Auch Ridley Scott erhielt für seine Regie eine Nominierung und Michelle Williams (BROKEBACK MOUNTAIN) wurde als beste Hauptdarstellerin (Drama) bedacht. Jetzt geht Christopher Plummer auch für die Oscars ins Rennen und ist damit der älteste nominierte Schauspieler in der Geschichte der Oscars. ALLES GELD DER WELT läuft aktuell im Kino.

ALLE SPIELZEITEN HIER KLICKEN

Folge uns auch auf Facebook, Instagram und YouTube.

DIESEN ARTIKEL WEITERLEITEN