Der Stern von Indien

Downton Abbey ist zurück! Zumindest sein Lord...

Es schwingt immer etwas Würdevolles mit, wenn Hugh Bonneville als Schauspieler in Aktion tritt. Sicherlich ist dieser Eindruck auch seiner Paraderolle als gewissenhafter Lord Robert Crawley in der britischen Serie „Downton Abbey“ geschuldet, die er sechs Jahre lang spielte.

Im neuen Kinofilm DER STERN VON INDIEN fühlen sich Fans der britischen Serie nicht von ungefähr sofort heimisch. Das ist wie „Downton Abbey“ in Indien! Der Palast, die britische Aristokratie, viel Tee und vor allem er, Hugh Bonneville, ein stattlicher Mann mit tiefer Stimme, diesem markanten Akzent und einem wundervollen Sinn für Humor.

Die Rolle des Lords passt ihm wie eine zweite Haut, in die er endlich wieder schlüpft: für den neuen Kinofilm der „Kick it like Beckham“-Regisseurin Gurinder Chadha.

Im Namen seiner Majestät

In DER STERN VON INDIEN, der ab Donnerstag in den deutschen Kinos läuft, ist Hugh Bonneville erstmals in der Hauptrolle einer großen Kinoproduktion zu bewundern. Er spielt darin Lord Louis Mountbatten, der 1947 nach Indien geschickt wird, um dort als letzter Vizekönig das gespaltene Land in die Unabhängigkeit zu entlassen. Ihm zur Seite steht diesmal aber nicht Cora Crawley (Elizabeth McGovern) ...

 

... sondern, nicht weniger reizend, „Akte X“-Star Gillian Anderson als dessen Ehefrau Edwina.

Bonneville spielt also den Onkel von Prinz Philip, dem Ehemann der britischen Königin Elisabeth II., und ist sehr stolz auf diese prestigeträchtige Rolle und die Detailgenauigkeit, mit der Regisseurin Gurinder Chadha das Historiendrama inszenierte.

Auf seinem Instagram-Account veröffentlichte er ein Szenenbild des Films und stellte dies den echten Aufnahmen von damals gegenüber. Verblüffend, wie nah man sich bei den Dreharbeiten an die realen Vorbilder hielt.

Von Shakespeare zu James Bond

Mit seinen 53 Jahren ist Hugh Bonneville heute ein gestandener Schauspieler, der schon in allerlei Genres und Formaten eindrucksvoll seine Wandlungsfähigkeit präsentierte. Seine ersten Schritte als Schauspieler machte er - wie auch sein Co-Star Gillian Anderson - beim Theater. Anfang der 90er-Jahre wurde er Mitglied der angesehenen Royal Shakespeare Company, der schon zahlreiche Hollywood-Stars angehörten. Dieses Engagement bescherte ihm auch einen Auftritt in Shakespeares „Hamlet“ an der Seite von Kenneth Branagh („Harry Potter und die Kammer des Schreckens“).

Branagh war es schließlich auch, der Bonneville 1994 für eine kleine Nebenrolle in seiner Literaturverfilmung „Mary Shelley’s Frankenstein“ verpflichtete und dem damals 30-jährigen - nach zahlreichen Fernsehauftritten - damit sein Kinofilmdebüt ermöglichte. Der erste Schritt zur Hollywood-Karriere war getan. Doch auch seine nächste Filmbeteiligung lief eher unter dem öffentlichen Radar, als er 1997 in dem James Bond-Streifen „Der Morgen stirbt nie" einen namenlosen Kriegsbeamten mimte.

Ahnungslos und wohlhabend

Ein erster kleiner Durchbruch auf der Leinwand gelang dem Briten dann aber zwei Jahre später. In der romantischen Komödie „Notting Hill" übernahm er zwar erneut nur eine Nebenrolle, diese verschaffte ihm aber die Gelegenheit, in einer der witzigsten Szenen des Films zu brillieren. Als Geburtstagsgast Bernie bemerkt er nämlich nicht, dass ihm ein wahrer Hollywood-Star (Julia Roberts) gegenüber sitzt - Situationskomik der feinsten Sorte.

Nur kurz darauf war Bonneville in der Jane Austen-Verfilmung „Mansfield Park" zu sehen. Darin verkörperte er den reichen, aber einfältigen Mr. Rushworth. Dass die Rolle des wohlhabenden Mannes ihn in den folgenden Jahren noch lange begleiten würde, hätte er damals wohl nicht vermutet.

Der späte Durchbruch

2001 erregte er dann endgültig die Aufmerksamkeit der Filmwelt. In dem bewegenden Drama „Iris" spielte er den sensiblen Literaturkritiker John Bayley, der sich in die erfolgreiche Schriftstellerin Iris Murdoch (Kate Winslet) verliebt und diese wenig später auch heiratet. Mehr als 40 Jahre danach erkrankt Iris an Alzheimer und John muss seine Frau fortan pflegen. Der Film springt gekonnt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die älteren Versionen der Charaktere wurden von Judi Dench (JANE EYRE) und Jim Broadbent („Cloud Atlas") verkörpert, wobei Letzterer für seine Darstellung einen Oscar als Bester Nebendarsteller erhielt. Aber auch Hugh Bonneville wurde für seine Darstellung geehrt und erhielt auf der Berlinale 2002 den New Talent Award - im Alter von immerhin fast 40 Jahren!

Besonderen Gefallen dürfte Bonneville an seiner Rolle in „Stage Beauty" (2004) gefunden haben. Die Kostümkomödie widmete sich nämlich der ewigen Liebe des Schauspielers: dem Theater. Ironischerweise war er selbst darin jedoch nicht als Bühnenschauspieler zu sehen, sondern als Staatssekretär Samuel Pepys, auf dessen Tagebucheinträgen der Film beruht. Trotzdem durfte er - ganz stilecht für das 17. Jahrhundert - eine Perücke und viel Puder tragen.

Zurück auf die heimischen Bildschirme

Da in den Folgejahren die großen Kinorollenangebote ausblieben, widmete sich Hugh Bonneville mehr und mehr dem Fernsehen. 2006 stand er für einen von HBO produzierten TV-Zweiteiler mit dem etwas reißerischen Titel „Tsunami - Die Killerwelle" vor der Kamera. Er spielte den britischen Botschafter Tony Whittaker, der den Opfern der titelgebenden Flutwelle Hilfe anbietet.

Bonneville gehörte zu einer äußerst namhaften Besetzung, die gleich mehrere oscarnominierte Schauspieler wie Tim Roth (VATEL), Chiwetel Ejiofor (12 YEARS A SLAVE), Sophie Okonedo (HOTEL RUANDA) und Toni Colette („The Sixth Sense“) umfasste.

Die Rolle seines Lebens

2010 sollte sich die Welt von Hugh Bonneville entscheidend verändern. Seine Rolle als Earl of Grantham in der detailverliebten Historienserie „Downton Abbey" verschaffte ihm einen enormen Bekanntheitsschub und Fans auf der ganzen Welt. Sechs Staffeln lang durchlebte sein Charakter alle Höhen und Tiefen auf dem wunderschönen Landschloss.

2015 war leider Schluss mit der Kultserie. Genau wie den Fans fiel auch den Darstellern der Abschied sichtlich schwer.

Bonneville, der für seine Darstellung zwei Emmy- und eine Golden Globe-Nominierung erhielt, beschriebdas Geheimnis hinter dem Erfolg von „Downton Abbey" wie folgt:

„Es ist wie „Breaking Bad" mit Tee anstatt Meth."

Ob er deshalb für die Late Night Show von Stephen Colbert in einer Parodie mitspielte, die beide Serien in „Breaking Abbey" vereinte?

An der Seite von Hollywood-Stars und animierten Bären

Nachdem er jahrelang hauptsächlich im TV auftrat, war die Zeit 2014 wieder reif für einen Abstecher ins Kino. In der starbesetzten Kriegskomödie „Monuments Men" war er u.a. neben Regisseur und Hauptdarsteller George Clooney (BURN AFTER READING) zu sehen.

In dem zum Großteil in Deutschland gedrehten Film gehört Bonneville als Lieutenant Donald Jeffries zu einer außergewöhnlichen Spezialeinheit, die im Zweiten Weltkrieg versucht, europäische Kunstwerke vor der Zerstörung durch die Nazis zu retten. Leider fiel der Film gnadenlos durch - bei der Filmkritik wie auch beim Publikum.

Einen Erfolg an den Kinokassen legte Bonneville hingegen noch im gleichen Jahr mit der Kinderbuchverfilmung „Paddington" hin, in der eine englische Familie einen kleinen Bären bei sich aufnimmt. Die Figur des liebevollen Familienvaters dürfte ihm dabei nicht schwergefallen sein. Schließlich ist der Schauspieler selbst seit fast 20 Jahren verheiratet und Vater eines Kindes.

Der amüsante und hintergründige Film kam derart gut beim Kinopublikum an, dass dieses Jahr im November eine Fortsetzung mit dem CGI-Bären folgen wird. Hugh Bonneville ist darin natürlich auch wieder mit von der Partie.

Ein witziger Fakt am Rande: Bonneville wurde tatsächlich im Londoner Stadtteil Paddington geboren, der der pelzigen Titelfigur ihren Namen gibt.

Überhaupt könnte 2017 ein ganz besonderes Jahr für Hugh Bonneville werden. Mit seiner souveräne Darstellung in DER STERN VON INDIEN empfiehlt er sich zweifellos für weitere Hauptrollen. Einen Vorgeschmack erhältst du hier in der Vorschau zum Film.

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Bildrechte: 20th Century Fox, Universal, Arthaus, Buena Vista Home Entertainment, Universum Film, HBO, ITV, StudioCanal

 Einen weltweit großen Erfolg an den KinokassenDer amüsante und hintergründige Film kam derat gut beim Kinopublikum anHHHHHHH