Der Stern von Indien

Indien 1947: Keine Sternstunde für das britische Empire

Der 15. August 1947 war ein bedeutsamer und zugleich folgenschwerer Tag in der Geschichte Indiens, an welchem das Land die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte. Genau 70 Jahre später widmet sich nun Regisseurin Gurinder Chadha mit ihrem Film DER STERN VON INDIEN diesem historischen Ereignis.

DER STERN VON INDIEN erzählt ein Stück Weltgeschichte, das im Kino nicht allzu oft Erwähnung findet. Umso spannender ist der Einblick, den uns der Kinofilm ab 10. August gewährt. Was passierte damals eigentlich genau in Indien? Und welche Rolle spielte dabei die britische Krone, repräsentiert von Hugh Bonneville alias Lord Mountbatten, Vizekönig von Indien? Wir zeigen dir, was dich im Kino erwartet und werfen einen Blick auf die Geburtswehen zweier unabhängiger Nationen (Indien und Pakistan), die zu blutigen Unruhen und den wohl größten Flüchtlingsströmen der Weltgeschichte führten.

Der Schrei nach Unabhängigkeit

Bereits während des Zweiten Weltkriegs herrschte Unzufriedenheit innerhalb der indischen Bevölkerung, da der Drang nach Unabhängigkeit groß war. Die folgenden Aufstände konnte die britische Regierung unter massivem Militäreinsatz nur vorläufig beenden. 1946 kam es schließlich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus in Kalkutta, die zwischen 5.000 und 10.000 Tote forderten.

Der steinige Weg zur Einigung

Diese Unruhen bestärkten Muhammad Ali Jinnah, Führer der Muslimliga, in seinem Bestreben, Pakistan als separaten Staat durchsetzen zu wollen. Da nun die Differenzen zwischen Hindus und Muslimen vollends unüberbrückbar waren, wurde Lord Louis Mountbatten noch im gleichen Jahr von der britischen Regierung nach Indien geschickt, um dort als letzter Vizekönig mit beiden Parteien zu verhandeln und die Unabhängigkeit Indiens in die Wege zu leiten. In DER STERN VON INDIEN ahnt Mountbatten bei seiner königlichen Ankunft noch nicht, wie schwierig sich diese Angelegenheit gestalten wird.

Für die Verhandlungen um die Zukunft des Landes begrüßte Mountbatten die drei wichtigsten Führungspersönlichkeiten in seinem Palast: Den Vertreter des Indischen Nationalkongresses Jawaharlal Nehru, den Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi sowie den bereits erwähnten Muhammad Ali Jinnah als Vertreter der Muslime.

Wie Gurinder Chadhas Film sehr gut darlegt, war Lord Mountbatten darum bemüht, die Sichtweisen aller Beteiligten anzuhören. Aber selbst Einzelgespräche mit Jinnah...

...im Film von dem indischen Schauspieler Denzil Smith dargestellt...

...und Beratschlagungen mit Gandhi...

...verkörpert von Neeraj Kabi, führten zu keiner Einigung der beiden Seiten.

Der Mountbatten-Plan

Der Vizekönig und seine Berater erkannten, dass die Teilung Indiens als einzige Lösung übrig blieb, weshalb schließlich in Absprache mit beiden Parteien der sogenannte Mountbatten-Plan erstellt wurde.

Dieser Plan legte die genauen Schritte und den zeitlichen Ablauf der Aufteilung sowie die Übergabe der Staatsmacht am 15. August 1947 fest. Damit fand der britische Abzug aus Indien bedeutend früher als ursprünglich geplant statt, was im Nachhinein stark kritisiert wurde. Für die Grenzziehung, die schon im Vorfeld für eine verängstigte und wütende Bevölkerung sorgte, war der britische Rechtsanwalt Cyril Radcliffe verantwortlich.

Dieser wird in DER STERN VON INDIEN wunderbar von Simon Callow gespielt.

Bevölkerungsaustausch und Bürgerkrieg

Die Folgen dieser Grenzziehung waren jedoch verheerend. Die Gewalt, die man eigentlich verhindern wollte, nahm anschließend ungeahnte Ausmaße an. Mehrere Millionen Menschen flüchteten in die jeweils anderen Gebiete, was zahlreiche Familien und Gemeinschaften auseinander riss. 

Bei den andauernden blutigen Konflikten zwischen Hindus, Muslimen und Sikhs kamen rund 1 Million Menschen ums Leben. Es herrschte Chaos und Verzweiflung unter den Menschen, die entweder um ihre Familie oder ihr Zuhause trauern mussten.

Regisseurin Chadha bebildert in ihrem Film auch diese erschütternden Umstände...

Der religiöse wie politische Zwist ist auch heute noch zu spüren und führte seit 1947 zu vier Kriegen zwischen beiden Nationen (u.a. um die Region Kaschmir) und demzufolge weiteren tragischen Verlusten auf beiden Seiten. Ein schwarzer Fleck in der Geschichte des britischen Königreichs und eine Verantwortung, der man sich bis heute kaum stellt oder zu stellen vermag.

Im Film trifft die Teilung des Landes die unschuldig Verliebten Jeet (Manish Dayal) und Aalia (Huma Qureshi) gleich doppelt so hart. Beide gehören der jeweils anderen Glaubensgruppe an, weshalb ihre Liebe von beiden Seiten missbilligt wird und unter keinem guten Stern steht. Für Regisseurin Gurinder Chadha waren die zwei Figuren eine Möglichkeit, den folgenreichen Konflikt in DER STERN VON INDIEN aus der Perspektive der Bevölkerung zu zeigen.

Im Film kannst du in die bewegte Geschichte Indiens eintauchen und die aufwühlenden Ereignisse rund um dessen Teilung erleben.

Einen Vorgeschmack darauf bietet dir solange diese Vorschau zu DER STERN VON INDIEN.