Bad Moms

Kathryn Hahn: Meine Mutter hat noch im Kreissaal geraucht

Der heimliche Star von BAD MOMS ist die unvergleichliche Kathryn Hahn (TRANSPARENT, WIR SIND DIE MILLERS). Als total enthemmte Rabenmutter zeigt sie Mila Kunis und Kristen Bell, wie man es so richtig krachen lässt. Hier steht sie gemeinsam mit Schauspielkollegin und BRAUTALARM-Koautorin Annie Mumolo dem BUILD Series-Interviewer Ricky Camilleri Rede und Antwort – über ihre Rolle als Film- und echte Mom.

Ich liebe BAD MOMS. Er ist unglaublich komisch und warmherzig, und – ich weiß, das klingt jetzt unglaubwürdig – aber am Ende hatte ich Tränen in den Augen. Und ich sage das nicht, um mich bei euch einzuschleimen.

Kathryn: Du bist ein lieber und sensibler Mensch.

Was dachtet ihr, als ihr das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habt?

Kathryn: Es stammt von zwei sehr erstaunlichen Herren, Jon Lucas und Scott Moore [die Autoren von "Hangover"] , die etwas ganz Besonderes abgeliefert haben. Eins meiner Kinder geht in dieselbe Schule wie die Kids von Scott Moore, deshalb kannte ich ihn und seine wunderbare Frau bereits als Eltern. Das Skript ist ein regelrechter Liebesbrief von ihm an sie. Es kommt so oft vor, dass Mütter mit einem Heiligenschein ausgestattet werden, als ob sie gar nicht außerhalb ihrer Mutterrolle existieren würden. Der Film stellt das auf den Kopf, und das fühlte sich sehr gut an.

Er handelt nicht bloß von dem Klischee, dass Mütter mal eine Pause brauchen. Es geht darum, dass Frauen auch andere Interessen neben ihren Kindern haben.

Annie: Du wirst ja kein anderer Mensch als Mutter. Trotzdem geht vieles von dem, was dich ausmacht, verloren, wenn du Kinder hast.

Kathryn: Ich mag an BAD MOMS den Aspekt, dass wir uns und andere ganz schön unter Druck setzen. Wir haben eine ziemlich feste Vorstellung davon, was es heißt, die perfekte Mutter zu sein. Und wenn du das nicht schaffst, kommst du dir wie eine Versagerin vor.

Annie: Mutter sein ist ein Full-Time-Job. Wenn du außerdem noch arbeitest, hast du zwei Full-Time-Jobs. Es ist praktisch unmöglich, daneben noch andere Dinge zu machen.

Ohne zu viel zu verraten: BAD MOMS gibt ein paar Hinweise, wie es anders laufen könnte.

Kathryn: BAD MOMS könnte auch „Echte Mütter“ heißen.

Annie: Du musst nicht perfekt sein. 

Annie: Ich kann mich kaum daran erinnern. Während der Film entstand, habe ich zwei Kinder bekommen. Den hat mein Gedächtnis komplett ausgeblendet. 


Wirklich?

Als ich BAD MOMS sah, dachte ich: Das wird der "Brautalarm" des Jahres. Aber dann fiel mir ein, dass "Brautalarm" schon fünf Jahre her ist und es seitdem keinen vergleichbaren Film gab. Was sehr schade ist. Ging es euch beim Lesen des Skripts ähnlich?

Annie: Mir gefiel auf Anhieb, dass es ein eher erwachsener Humor ist. Mit der Story konnte ich mich gut identifizieren, sie handelt auch von meinen eigenen Gedanken und Wünschen. Außerdem ist sie wunderbar geschrieben. Ich wollte sofort dabei sein.

Wie wurde dir vorab deine Rolle verkauft?

Annie: (lacht) Oh, ich musste vorsprechen. Mir wurde gar nichts verkauft. Ich hoffte einfach, dass ich die Rolle kriege, und zum Glück hat’s geklappt.

Wenn man den Film sieht, staunt man, wie perfekt sämtliche Rollen besetzt sind. Und man hat das Gefühl, dass alle Beteiligten großen Spaß bei der Arbeit hatten. Stimmt das?

Kathryn: Nun ja. Wir haben von Januar bis März in New Orleans gedreht, und es ist genau das passiert, was passiert, wenn du im Winter mehrere Mütter zusammenbringst: mindestens eine schleppt eine Erkältung an. Wir haben uns alle angesteckt. Am schlimmsten hat es Annie erwischt.

Annie: Die meiste Zeit hatte ich hohes Fieber.

Kathryn: Und da wir alle Mütter sind, ging es nicht wirklich zur Sache. Vor der Kamera waren wir wild, aber nach Drehschluss brav. Wir hatten uns viele Geschichten zu erzählen.

Habt ihr die auch den Regisseuren erzählt?

Kathryn: Klar. Das Drehbuch war schon sehr gut. Aber die beiden können sehr gut zuhören und haben sich auch keineswegs eingebildet, sie wüssten schon alles über Mütter. Damit wären sie bei uns auch nicht weit gekommen.

Was sind eure eigenen Ausbruchsfantasien als Mütter?

Kathryn: Da müsste ich schmutzige Witze erzählen. Das tue ich aber nicht.

Bitte!

Kathryn: Ich sehe mir gern Pornos im Internet an.

Es müssen nicht unbedingt erotische Fantasien sein ...

Kathryn: Ich sehe mir auch gern Immobilien an.

Annie: Ich kaufe Teppiche im Netz. Ich weiß auch nicht, warum. Ich schaue sie mir an und stelle mir vor, wie sie bei mir zu Hause aussehen würden.

Kathryn: Ein Sonntagsbrunch wäre auch nicht schlecht. Mit ganz viel Zeit und der New York Times. Um drei gehst du dann nach Hause, schläfst vier Stunden, bestellst eine Pizza und schaust dir das Finale von „Game of Thrones“ an.

Mein Gott, seid ihr wild!

Annie: Das geht bei mir gar nicht. Meine Kids würden sofort aufeinander losgehen. Das ist wie in „Herr der Fliegen“. Wenn wir sie nicht beschäftigen, werden sie gewalttätig.

Kathryn, deine Figur ist die Wilde unter den drei Moms.

Kathryn: Ich spiele die alleinerziehende Mutter Carla. Ihr Sohn ist kurz vor der Highschool und nicht besonders schlau. Sie kennt weder Scham- noch Schuldgefühle, wenn es um ihre eigenen Bedürfnisse geht. (lacht) Sie nimmt sich gern Zeit für sich selbst – 24 Stunden am Tag.

Ein von Tobis Filmclub (@tobisfilmclub) gepostetes Video am <time style=" font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px;" datetime="2016-09-22T16:47:44+00:00">22. Sep 2016 um 9:47 Uhr</time>

Sie feiert gern.

Kathryn: Absolut. Jon und Scott haben sie mir als den Gandalf des Trios beschrieben. Sie ist es, die die beiden anderen mit auf ihre Reise nimmt.

Sie ist aber auch selbst auf einer Reise.

Kathryn: Natürlich.

Annie: Sie ist ein Guru.

Der Film ist einerseits eine derbe Komödie, hat aber andererseits auch unendlich viele Facetten und einen erstaunlichen Tiefgang. Hat euch das bei der Drehbuchlektüre überrascht?

Annie: Ich fand es großartig, dass die Story so vielschichtig ist. Denn genau diese Vielfalt macht ja die Erfahrung des Elternseins aus. Im einen Moment schimpfst und schreist du, und fünf Minuten später weinst du und bist sentimental. Es ist alles zugleich.

Spürt ihr als Mütter auch den Druck, den die Frauen im Film erleben?

Kathryn: Absolut. Es ist furchtbar, nicht immer bei den Kindern sein zu können. Gleichzeitig bin ich dankbar dafür, dass wenn ich schon nicht bei ihnen sein kann, ich wenigstens etwas tue, das mich ausfüllt und das ich liebe. Die Erwartungen an Mütter sind geradezu verrückt – was du tun sollst, was du fühlen sollst, wie du mit den Kindern umgehen sollst. Wenn ich noch mal in meine Zeit als junge Mutter zurückgehen könnte, würde ich mir sagen: Vertrau deinem Instinkt, alles andere ist Unsinn. Kümmere dich nicht um das, was die anderen sagen, sondern genieß die Zeit mit deinem Kind. Sie geht so schnell vorbei.

Annie: Ich musste mir einiges anhören, weil ich bei meiner ersten Geburt mit Kaiserschnitt entbunden habe. Als andere Mütter das hörten, rümpften sie die Nase und sagten: „Oh, ich hatte eine natürliche Geburt.“ Es fühlte sich so an, als ob ich schon vom ersten Moment an versagt hätte.

Ok, jetzt ist Zeit für ein paar Fragen aus dem Publikum... Hat die Tatsache, dass ihr Mütter wurdet, den Blick auf eure Eltern verändert?

Kathryn: Aber ja, total. Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie noch im Kreissaal geraucht hat. Das war definitiv eine andere Generation. Dieser Film bringt sehr schön auf den Punkt, was es bedeutet, heute Mutter zu sein. Er zeigt eine Vorstellung von Perfektion, der man kaum gerecht werden kann.

Annie: Wir hatten damals keine Kindersitze. Bei uns saßen immer 15 Kinder auf dem Rücksitz eines Kombis. Ich bekam öfter mal eine Ohrfeige. Sowas ist heutzutage undenkbar. Heute musst du vernünftig mit deinen Kindern reden. „Wie geht es dir mit dem, was du gerade deinem Bruder angetan hast?“ Es ist schrecklich ...

  

Ihr habt beide großartiges komisches Timing. Ist das Instinkt oder lernt man sowas im Lauf seiner Karriere?

Kathryn: Für mich war das eine Überlebensstrategie. In unserer Familie ging es manchmal ganz schön rau zu.

Annie: Bei mir das gleiche ...

Kathryn, hast du nicht mit ernsten Rollen angefangen?

Kathryn: Stimmt, am Theater. Aber ich war immer schon der Klassenclown.

Von Kathryns und Annies komischen Qualitäten kann sich in BAD MOMS jetzt jeder selbst überzeugen.