Tobis Blog

Make love, not war! Eine filmische Zeitreise durch die 60er Jahre

Als Martin Luther King 1968 ermordet wurde, gab es in 115 Städten gewalttätige Proteste. Der neue Film AMERIKANISCHES IDYLL nach dem pulitzerpreisgekrönten Roman von Philip Roth beschreibt diesen Konflikt treffend. Er hilft uns, die 60er besser zu verstehen. Was können wir aus der Geschichte lernen?

Nicht nur, aber besonders in den USA waren die 60er Jahre eine gesellschaftliche Revolution.

„Make love, not war“

... lautete das Motto einer neuen Generation, die vom Establishment nichts wissen wollte. Hippies, Aussteiger, Junkies und politische Aktivisten aller Couleur schufen eine Gegenkultur, die meist friedlich nach neuen Lebensformen suchte, ihren Protest gegen Rassismus und Vietnamkrieg aber auch radikal zum Ausdruck brachte. Die folgenden Kultfilme über die 60er Jahre sind wie eine Zeitreise, die uns helfen, die Revolution von damals besser zu verstehen... und vielleicht auch etwas über bzw. für die heutige Zeit zu lernen.

Easy Rider (1969)

Born to be wild: Dennis Hopper, Peter Fonda und Jack Nicholson auf der Suche nach einem Land, das es nicht mehr gibt. Das ultimative Biker-Roadmovie zeigt den Clash der Kulturen in den USA. Wenn Hippies auf Hinterwäldler treffen, kann das kein gutes Ende nehmen. Rau, ursprünglich, wild: ein großer Film.

Psych-Out (1968)

Ein legendäres Zentrum der Aussteigerbewegung war der Stadtteil Haight-Ashbury in San Francisco. Dort tummeln sich in diesem knallbunten, schrill-schrägen Drogentrip spätere Stars wie Jack Nicholson, Bruce Dern, Dean Stockwell und Susan Strasberg. Aus heutiger Sicht wirkt Richard Rushs Film fast wie ein Dokumentarfilm über den Hippie-Style und der Trailer wie ein psychodelischer Rausch.

 

Malcolm X (1992)

Die Lebensgeschichte von Malcolm Little, charismatisch gespielt von Denzel Washington, ist das schillernde Porträt eines Anführers der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Wie Martin Luther King wurde auch er das Opfer eines Attentats. Spike Lee macht daraus ein gewaltiges, oft wütendes Plädoyer für Rassengleichheit.

Wild in den Straßen (Wild in the Streets, 1968)

Trau keinem über 35: Ein Popmusiker wird US-Präsident und krempelt die Gesellschaft um. Die Jugend soll ihren Spaß haben, die Alten wandern in den Knast und kriegen LSD. Schrille Satire, bei der vermutlich der Wunsch Vater des Gedankens war.

Medium Cool (1969)

Haskell Wexlers kühler Klassiker ist eine grimmige Kritik an den Verstrickungen zwischen Medien und Geheimdiensten. Eine zentrale Szene spielt während der Proteste rund um den Parteitag der Demokraten 1968 in Chicago. Ein Kritiker schrieb damals:

„Porträt eines explodierenden Amerikas, das in Bruchstücke aus Feindseligkeit, Misstrauen, Angst und Gewalt zerspringt.“

Blutige Erdbeeren (The Strawberry Statement, 1970)

Give peace a chance: Als ein braver Student in San Francisco bemerkt, dass Hippies viel leichter an Mädchen rankommen, wird er zum überzeugten Mitglied der Gegenkultur. Aber dann stellt er fest, dass es nicht bloß um freie Liebe geht, sondern um sehr ernste Themen. Ein selten gezeigtes Kleinod mit dem jungen Bruce Davison in der Hauptrolle - hier untermalt mit dem Lied "Something in the air" von der britischen Band „Thunderclap Newman", das uns in die Stimmung der damaligen revolutionären Situation eintauchen lässt.

  

Zabriskie Point (1970)

In Michelangelo Antonionis allegorischem Endzeitgemälde eskaliert die Gewalt gleich in den ersten Szenen. In L.A. liefern sich Cops und Studenten erbitterte Gefechte, bei denen auch Schüsse fallen. Da bleibt nur die Flucht in die Wüste, wo bizarre Felsen den perfekten Hintergrund für ein „Love-in“ abgeben. Am Ende fliegt ein Haus in Superzeitlupe in die Luft, und Pink Floyd spielen dazu. Präziser ist die Vergeblichkeit des Aufbruchs in den 60er Jahren nie beschrieben worden.

Drive, he said (1971)

Jack Nicholsons unterschätztes Regiedebüt behandelt ein häufig thematisiertes Nebenthema des Vietnamkriegs: den Versuch, sich vor dem Einberufungsbefehl zu drücken. Im Zentrum steht ein junger Basketballer (William Tepper), der einen coolen Coach (Bruce Dern) und eine sehr unkonventionelle Freundin (Karen Black) hat. Cineasten-Tipp! Schon das Plakat ist ein Hingucker :D

Geboren am 4. Juli (Born on the Fourth of July, 1989)

Vom patriotischen Soldaten zum erbitterten Aktivisten: Es ist eine weite Reise, die Tom Cruise in Oliver Stones Abrechnung mit dem Vietnamkrieg zurücklegt. Der ebenfalls autobiografisch angehauchte "Platoon" mag Stones besserer Vietnamfilm sein, aber ins Herz von Protest und Gegenbewegung stößt er hier noch eindringlicher vor. Hier eine Szene mit dem jungen Tom Cruise beim Training...

Mit seinem Regiedebüt AMERIKANISCHES IDYLL wagt sich Schauspieler Ewan McGregor genau in diese Ära vor und zieht ganz bewusst einen Bogen zum Hier und Jetzt.

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