Gringo

Nash & Joel Edgerton: Die Power-Brüder aus Australien

Seit mehr als 20 Jahren sind die Brüder Joel und Nash Edgerton im Filmgeschäft tätig. Ob vor oder hinter der Kamera, die beiden Australier überzeugten von Anfang an mit Talent, Kreativität und eisernem Willen. Nun ernten sie den verdienten Lohn und mischen Hollywood mit ihrem neuen Film GRINGO auf.

Die Filmindustrie hat schon viele erfolgreiche Brüderpaare hervorgebracht. Die Edgertons bewegten sich zwar für lange Zeit weitestgehend unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung, doch das war einmal. Die Actionkomödie GRINGO ist die zweite größere Regiearbeit von Nash Edgerton, der seinen jüngeren Bruder Joel in einer der Hauptrollen besetzte. Eine Zusammenarbeit, die augenscheinlich hervorragend funktioniert und kein Einzelfall ist, wie Robert vom TOBIS Filmclub in seinem neuen Clip zeigt. Direkt unter dem Video findest du die spannende Werkschau der beiden Australier.

Aller Anfang ist schwer

Geboren im Städtchen Blacktown in der Nähe von Sydney, wussten die Edgerton-Brüder schon recht früh, dass sie eines Tages im Filmgeschäft arbeiten wollen. Bereits als Kinder schnappten sie sich eine Kamera und drehten fleißig drauf los. Joel besuchte dann später eine Schauspielschule, Nash hatte die Absicht, als Stuntman sein Geld zu verdienen. Da die Engagements aber rar gesät waren, nahmen sie schließlich das Heft selbst in die Hand und gründeten 1996 gemeinsam mit 6 Freunden ihre eigene Produktionsfirma: Blue-Tongue Films war geboren.

Nash Edgerton und Joel Edgerton

Die Gruppe schrieb sich auf die Fahne, eigene Kurzfilme zu produzieren. Mit gerade einmal Anfang 20 waren sie jedoch noch ziemlich grün hinter den Ohren und auch die finanziellen Möglichkeiten waren stark begrenzt, weshalb die Qualität ihres ersten Projekts namens „Loaded" noch zu wünschen übrig ließ. Nash trat bei dem Kurzfilm von 1996 als Regisseur, Darsteller, Stuntman und Cutter in Erscheinung, während Joel ebenfalls vor der Kamera stand. Als sie „Loaded" erstmals einem Publikum vorführten, reagierte dieses äußerst negativ, wie Nash verriet: „Sie mochten unseren Film nicht. Die Leute buhten, pfiffen und schimpften." Später gaben die Freunde zu, dass sie nicht wirklich wussten, was sie da taten. Hier kannst du ihre ersten Gehversuche selbst beurteilen...

In der Kürze liegt die Würze

Rund 10 Jahre später sah das dann schon ganz anders aus. Im Laufe dieser Jahre sammelte Nash Edgerton viel Erfahrung mit weiteren Kurzfilme für Blue-Tongue Films. 2007 konnte er schließlich mit dem 9-minütigen Werk „Spider" punkten. Darin geht es um einen jungen Mann, gespielt von Edgerton selbst, der seiner Freundin einen kleinen Streich spielen will, was jedoch schrecklich aus dem Ruder läuft.

Der Film kam bei Fans so gut an, dass Edgerton 4 Jahre später eine Fortsetzung drehte. „Bear" erzählt ein weiteres Kapitel der Geschichte seines glücklosen Protagonisten und behält den schwarzen Humor des Vorgängers bei. Der Kurzfilm wurde sogar auf dem Filmfestival in Cannes gezeigt.

 

Der ersehnte Erfolg

Zu dieser Zeit hatte sein jüngerer Bruder Joel als Schauspieler in Hollywood langsam aber sicher Fuß gefasst. So war er u. a. in Episode 2 und 3 der „Star Wars"-Reihe als Owen Lars, Onkel von Held Luke Skywalker, zu sehen.

Bonnie Piesse und Joel Edgerton
© Walt Disney

Weitere Rollen übernahm er in Filmen wie dem Historien-Epos „King Arthur" (2004) und der Action-Groteske „Smokin' Aces" (2006).

Joel Edgerton
© Universal Pictures

2008 folgte ein ganz besonderer Meilenstein in der Karriere Nashs. Mit dem Thriller „The Square - Ein tödlicher Plan" feierte er sein Spielfilm-Regiedebüt und bewies damit, dass seine spannenden Geschichten auch 100 Minuten Laufzeit ausgezeichnet füllen konnten. Bruder Joel war da natürlich auch wieder als Darsteller mit von der Partie. Hier siehst Du den Trailer zum Film.

Neben seiner Tätigkeit als Regisseur bleibt Nash bis heute weiterhin seiner Leidenschaft als Stuntman und -koordinator treu. Für zahlreiche Hollywood-Stars wie Ewan McGregor und Kevin Bacon stand er als Stunt-Double zur Verfügung. Selbstverständlich auch bei seinem Bruder Joel, den er z.B. bei „Zero Dark Thirty" (2012) und „Der große Gatsby" (2013) doubelte.

Joel Edgerton
© Universal Pictures

„Der große Gatsby" markierte dann auch den schauspielerischen Durchbruch von Joel Edgerton. Der mittlerweile äußerst gefragte Darsteller stand u. a. neben Christian Bale in der Bibelverfilmung „Exodus: Götter und Könige" (2014) als Pharao Ramses II. ...

Joel Edgerton
© 20th Century Fox

...und erst kürzlich an der Seite von Jennifer Lawrence im Spionage-Thriller „Red Sparrow" vor der Kamera.

Jennifer Lawrence und Joel Edgerton
© 20th Century Fox

Dass er eines Tages solch einen Erfolg haben würde, hätte Joel allerdings selbst nie geglaubt:

„Ich erinnere mich, als ich mit Nash „The Square" drehte, in Australien saß und dachte: 'Seit Jahren hat mich niemand angerufen, um mir einen Job zu geben. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder [als Schauspieler] arbeiten werde.'"

Ein Satz, über den er heute wohl nur müde lächeln kann. Sein persönlicher Karrierehöhepunkt dürfte das Liebesdrama „Loving" gewesen sein. Für seine Darstellung als fürsorglicher Ehemann, der in den 1950er-Jahren eine schwarze Frau heiratet und dafür im Gefängnis landet, erhielt er 2017 eine Nominierung für den Golden Globe als Bester Hauptdarsteller.

Joel Edgerton und Ruth Negga
© Universal Pictures

Ganz wie der Bruder sitzt Joel auch gerne auf dem Regiestuhl. Nach zwei Kurzfilmen gab er 2015 mit dem Psychothriller „The Gift" sein Kinodebüt als Regisseur und übernahm auch gleich selbst die Hauptrolle als merkwürdiger Stalker Gordo.

 

Das geht ins Ohr

Nash erweiterte indes sein Tätigkeitsfeld als Regisseur. Seit einigen Jahren inszeniert der 45-jährige Musikvideos für namhafte Künstler. Vor allem Folk-Legende Bob Dylan engagierte ihn schon mehrfach für seine Clips, die nicht selten auch als eigenständige Kurzfilme daherkommen, wie hier zum Beispiel:

Für das Video zu Brandon Flowers' Song „Crossfire" aus dem Jahr 2010 konnte Nash sogar Oscarpreisträgerin Charlize Theron gewinnen, die sich darin durch eine ganze Reihe von bösen Ninjas kämpft.

Die Zusammenarbeit von Theron und Edgerton schien bei beiden bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, denn in Nashs aktuellem Film GRINGO ist die Schauspielerin ebenfalls wieder mit an Bord.

Für GRINGO durfte Nash zudem abermals auf seinen Bruder Joel setzen, der darin die Rolle des schmierigen Konzernchefs Richard Rusk übernimmt. Insgesamt arbeiteten die Brüder nun schon bei rund 30 Projekten zusammen. Sie sehen sich jedoch nicht nur als Brüder und Kollegen, sondern auch als beste Freunde, wie sie in Interviews immer wieder betonen. Das ist wahre Bruderliebe!

Wie das Zusammenspiel der beiden funktioniert, kannst du bald herausfinden, wenn GRINGO auch für Zuhause verfügbar ist. Die Actionkomödie ist Nashs zweite Regiearbeit für einen Langspielfilm. Sie stellt den Pechvogel Harold in den Fokus des Geschehens, der von David Oyelowo („Selma") gespielt wird. Nachdem Harold seine eigene Entführung inszeniert hat, gerät er in einen chaotischen Strudel aus Gewalt, Drogen und Geldgier. Dich erwartet schwarzer Humor gepaart mit aberwitziger Action und vielen Stars. Hier gibt es den Trailer als kleinen Appetithappen.

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