Gringo

Nur für Erwachsene: 12 Kinofilme, die das Publikum 2018 wieder ernst nehmen

Remakes, Sequels, Prequels oder sonstige Neuaufgüsse - auch 2018 hält der Trend bei den großen Filmstudios unvermindert an. Doch im Kinoprogramm für die nächsten 12 Monate finden sich auch wieder echte Originale, die sich wohltuend vom wiedergekäuten Einheitsbrei abheben und ihr Publikum für den Gang ins Kino belohnen werden.

Bereits vor 18 Jahren schrieb SPIEGEL ONLINE über die unendlichen Geschichten von Hollywood als Sequel-Mania und beklagte unter anderem:

„Auch nicht viel frischer sind die Pläne für einen vierten „Mad Max"-Film. Mel Gibson allerdings steht nicht mehr zur Debatte. Dafür soll sein Landsmann Heath Ledger die Rolle des erwachsenen „Feral Kid" übernehmen. Zumindest hat er Erfahrung als Gibsons Alter Ego: In „Patriot" mimt er - wenn auch farblos - den ältesten Sohn des Superstars."

Heute wissen wir: Es sollte ganz anders kommen. Der vierte „Mad Max" musste tragischerweise auf Heath Ledger verzichten, wurde aber mit Charlize Theron und Tom Hardy 2015 zu einem der originellsten Filme seines Jahrgangs. Ob das auch 2018 einigen dieser Hollywood-Retorten gelingen wird? „The Purge 4", der fünfte Teil der „Jurassic Park"-Reihe, „Mission: Impossible 6", „X-Men 7", der 11.(!) Halloween-Film und sogar „Mary Poppins" kommt zurück... um nur ein paar wenige zu nennen. 

Stattdessen soll es hier im Folgenden um die Ausnahmen gehen: 12 von hoffentlich noch vielen weiteren Filmen, die durch eine eigenständige und originelle Geschichte aus dem Kinojahr 2018 herausstechen und hoffentlich dank voller Kinokassen auch die Filmstudios davon überzeugen werden, dass Fortsetzungen nicht immer der Königsweg sind.

GRINGO

Kinostart: 05.04.2018

Jede Menge Witz, Action und Spannung verspricht die Actionkomödie GRINGO mit David Oyelowo („Selma"), Charlize Theron, Joel Edgerton („Loving") und Amanda Seyfried. Das geregelte Leben des Geschäftsmanns Harold (Oyelowo) wird zum absoluten Chaos, als er in die Machenschaften seiner zwielichtigen Vorgesetzten und eines mexikanischen Drogenkartells verwickelt wird.

Als Regisseur fungierte Joel Edgertons Bruder Nash, der mit GRINGO seinen ersten großen Film in die Kinos bringen wird. Sein Werk ist ein bunter Genremix, der fast keine Pause zum Durchatmen lässt. Mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors ausgestattet, macht dieser wilde Trip unendlich Spaß, was sich übrigens schon am sehenswerten Poster erkennen lässt.

„A Beautiful Day"

Kinostart: 26.04.2018

Joaquin Phoenix muss eigentlich nicht mehr beweisen, dass er ein bemerkenswerter Schauspieler ist. Im Rachedrama „A Beautiful Day" tut er dies trotzdem und wurde dafür in Cannes als Bester Darsteller geehrt. Mit Rauschebart und imposanter Statur umgibt Phoenix im Film eine raue und bedrohliche Aura, die ihresgleichen sucht.

© Amazon Studios

Er spielt den Auftragskiller Joe, der ein entführtes Mädchen befreien soll und dabei nicht vor blutiger Gewalt zurückschreckt. Hart und kompromisslos, aber auch emotional und bewegend lässt sich der Film am besten beschreiben. Einen ersten Eindruck kannst du dir im Trailer zu „A Beautiful Day" machen.

 

„Isle of Dogs - Ataris Reise"

Kinostart: 03.05.2018

Wes Andersons Filme gleichen einer Wundertüte voller kreativer Ideen, wie zum Beispiel MOONRISE KINGDOM.

Das wird sich auch bei seinem neuesten Werk „Isle of Dogs - Ataris Reise" bewahrheiten, der die diesjährige Berlinale eröffnet. Schon die einzigartige Optik des Stop-Motion-Animationsfilms verspricht, ein unvergleichliches und faszinierendes Kinoerlebnis zu werden.

Für die Geschichte eines japanischen Jungen, der sich auf die Suche nach seinem verschollenen Hund macht, hat Wes Anderson all seine Lieblingsdarsteller im Synchronstudio versammelt. So liehen im Original u.a. Bill Murray, Edward Norton („Grand Budapest Hotel") und Jeff Goldblum („Die Tiefseetaucher") den Hunden ihre Stimmen, die auf ihrer eigenen Insel leben und dem Jungen Atari bei seiner Suche helfen. „Isle of Dogs" wird sicher nicht nur für Hundefreunde ein Highlight des Kinojahres 2018.

„Caravan"

Kinostart: 06.09.2018

Natürlich haben auch die deutschen Filmemacher nicht geschlafen und bringen 2018 ganz besondere Werke ins Kino. Sebastian Schipper ist einer von ihnen und wird im September sein Roadmovie „Caravan" präsentieren, in dem der 18-jährige Gyllen den titelgebenden Wohnwagen seines Stiefvaters klaut, um von Marokko nach Frankreich zu fahren. Er erhofft sich, dort seinen leiblichen Vater zu finden. Auf der Reise trifft er den gleichaltrigen Afrikaner William, der ihn fortan bei seinem Trip begleitet.

© StudioCanal

Im Jahr 2015 wurde Schipper für seinen experimentellen „Victoria", der ohne Schnitt durch eine wilde Nacht in Berlin entführt, mit Preisen überhäuft und erlangte so den Ruf als einer der besten deutschen Regisseure seiner Generation.

Kein Wunder, dass er da für „Caravan" Stars wie Moritz Bleibtreu („Das Experiment") und vielversprechende Jungdarsteller wie Fionn Whitehead („Dunkirk") verpflichten konnte. Letzterer schien bei den Dreharbeiten jede Menge Spaß mit Regisseur Schipper gehabt zu haben, der sich bestimmt auch auf das Kinopublikum übertragen wird.

„The Man Who Killed Don Quixote"

Kinostart: 06.09.2018

Am gleichen Tag wie „Caravan" startet auch ein Film, der 17 Jahre auf seine Fertigstellung warten musste. Bereits in den späten 80er-Jahren entwickelte Regisseur Terry Gilliam („12 Monkeys") dieses Herzensprojekt, das im Jahr 2000 dann endlich mit Johnny Depp in der Hauptrolle in den Dreh ging.

Nach 17 Jahren beendet Terry Gilliam sein Herzensprojekt
© Concorde

Doch auf diesem Film schien von vornherein irgendein Fluch zu liegen, der die Dreharbeiten immer wieder verhinderte, unterbrach oder weiter hinaus schob. Erst gab es Probleme mit aufsteigenden Flugzeugen am Drehort, weil sich eine Nato-Basis in der Nähe befand. Dann konnte der ursprüngliche Don Quixote-Darsteller Jean Rochefort wegen eines schweren Bandscheibenvorfalls nicht mehr auf einem Pferd reiten. Finanzielle Probleme und rechtliche Streitereien gaben der Produktion den Rest. Die Entstehungsgeschichte ist so unglaublich, dass ein Dokumentarfilm über die Dreharbeiten entstand - „Verloren in La Mancha" erschien 2002, also 16 Jahre vor dem Spielfilm, um den es eigentlich geht.

Erst 14 Jahre später konnte Gilliam mit neuer Besetzung weitermachen. Jonathan Pryce, der hohe Spatz aus „Game of Thrones", spielt Don Quijote und Adam Driver („Star Wars: Das Erwachen der Macht") ist in der Rolle von Johnny Depp als Toby zu sehen. In weiteren Rollen: Olga Kurylenko (James Bond 007 - Ein Quantum Trost) , Stellan Skarsgard (GOYAS GEISTER) und Newcomerin Joana Ribeiro. „The Man Who Killed Don Quixote" erzählt frei nach dem Klassiker von Miguel Cervantes von einem Werbefachmann aus London, der durch die Zeit reist und zwischen London im 21. Jahrhundert und La Mancha im 17. Jahrhundert hin- und her springt, wo Don Quijote ihn für Sancho Pansa hält. Wir wünschen Terry Gilliam, dass diesmal alles glatt geht und der Film, den er nie aufgab, ein großer Erfolg wird.

The Man Who Killed Don Quixote
© Concorde

THE HAPPYTIME MURDERS

Kinostart: 11.10.2018

Das wird definitiv der schrägste Film des Jahres! Melissa McCarthy („Brautalarm") muss sich als Cop mit ihrem verhassten Ex-Kollegen Phil Phillips zusammen raufen, um die mysteriöse Mordserie an den Stars einer alten TV-Show für Kinder aus den 80er Jahren aufzuklären. Pikantes Detail: Phil Phillips ist eine Stoffpuppe. So wie auch alle Mordopfer. Natürlich ist THE HAPPYTIME MURDERS eine Idee von Brian Henson, dem Sohn des Erfinders der Muppets, Jim Henson. Nur wird es hier um so einiges düsterer und alles andere als jugendfrei. Die folgenden Studien geben einen ersten Vorgeschmack darauf, wie diese Welt, in der Puppen zumeist am Rand unserer Gesellschaft leben, aussehen könnte.

Wir dürfen uns also mal auf einen etwas anderen Kinofilm freuen, der den dreckigen Sprachwitz aus „Ted" originell mit der atmosphärischen Film-noir-Ästhetik eines „Falsches Spiel mit Roger Rabbit" kombiniert. Neben Melissa McCarthy werden auch die realen Schauspieler Maya Rudolph (AWAY WE GO) und Elizabeth Banks („Die Tribute von Panem") den Puppen Kontra geben.

DER TRAFIKANT

Kinostart: 01.11.2018

2018 geht der deutsche Film endlich mal wieder neue Wege und traut sich auch an ungewöhnliche Stoffe wie DER TRAFIKANT. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller des österreichischen Schriftstellers Robert Seethaler aus dem Jahr 2012 erzählt Regisseur Nikolaus Leytner die Geschichte des 17-jährigen Franz, der Ende der 1930er-Jahre nach Wien geht, um in einem Tabakladen, einer sogenannten Trafik, zu arbeiten. Hier wird er seine erste große Liebe erleben und nach den Lebensweisheiten eines berühmten Stammkunden gieren: Sigmund Freud. Hier gibt es erste Fotos vom Set.

Star der Darstellerriege ist der Schweizer Bruno Ganz (BROT & TULPEN), der in der tragenden Rolle des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud zu sehen sein wird.

„Bohemian Rhapsody"

Kinostart: 27.12.2018

Wo wir schon einmal bei der Verkörperung von realen Persönlichkeiten sind, darf „Bohemian Rhapsody" auf keinen Fall unerwähnt bleiben. Der Film dreht sich um den legendären Sänger Freddie Mercury und dessen Rockband Queen, der wir zahlreiche Hits verdanken wie „We Will Rock You", „We Are The Champions" und das titelgebende Meisterwerk „Bohemian Rhapsody".

Die Herausforderung, den Musiker Freddie Mercury zu spielen, übernahm der 36-jährige Rami Malek („Mr. Robot"). Das erste Foto zum Film überzeugt schon mal.

© 20th Century Fox

Zumindest die extravaganten Showeinlagen des 1991 verstorbenen Sängers scheint Malek schonmal drauf zu haben.

Bryan Singer, der ursprüngliche Regisseur des Projekts, musste allerdings noch während der Dreharbeiten seinen Hut nehmen, da er mehrere Tage nicht am Set erschien. Für ihn übernahm der auch als Schauspieler tätige Dexter Fletcher.

THE RED SEA DIVING RESORT

Kinostart: Sommer 2018

Vermutlich schon im Sommer erwartet uns THE RED SEA DIVING RESORT, dessen Setting an Oscarpreisträger „Argo" erinnert. Wenn auch mit einem vollkommen anderen Twist. Regisseur Gideon Raff inszeniert die wahre Geschichte des israelischen Geheimdienstagenten Ari Kidron, der im Jahr 1981 ein Team zusammenstellen muss, um Tausende von äthiopischen Juden aus Flüchtlingslagern im Sudan zu befreien. Für ihre Mission haben die Mossadagenten einen wahnwitzigen Plan. Sie eröffnen ein Hotel, in dem sie die Flüchtlinge als Touristen tarnen, um sie dann mit Kreuzfahrtschiffen über das Rote Meer nach Israel zu bringen. Soweit, so clever. Nur droht diese Fassade aufzufliegen, als plötzlich echte Urlauber an der Rezeption stehen :) Die Hauptrolle übernimmt Captain America Chris Evans („Marvel's The Avengers"), wie dieses inoffizielle Album eines Crewmitglieds verrät. Darin erkennt man auch einige andere Darsteller wie Haley Bennett („The Girl on the Train") oder „Game of Thrones"-Beau Michiel Huisman. Außerdem mit dabei sind u.a. Greg Kinnear („Green Zone"), Michael K. Williams („The Wire"), und Oscarpreisträger Ben Kingsley.

Bereits im Kino...

ALLES GELD DER WELT

Kinostart: 15.02.2018

Kult-Regisseur Ridley Scott brachte im Februar seinen Thriller ALLES GELD DER WELT in die deutschen Kinos. Der Film rekonstruiert die wahre Geschichte des Teenagers John Paul Getty III, der im Jahr 1973 von Mitgliedern der italienischen Mafia entführt wurde. Aufsehen erregte der Fall vor allem dadurch, dass sich sein milliardenschwerer Großvater J. Paul Getty weigerte, die geforderte Lösegeldsumme von 17 Millionen Dollar zu zahlen.

Kaum ein Film geriet in den letzten Monaten so oft in die Schlagzeilen wie ALLES GELD DER WELT. Nachdem der ursprüngliche J. Paul Getty-Darsteller Kevin Spacey von mehreren Männern der sexuellen Belästigung beschuldigt wurde, schnitt Regisseur Scott sämtliche Szenen des Schauspielers aus dem fertigen Film und drehte diese mit Oscar-Preisträger Christopher Plummer („Beginners") in besagter Rolle nach. Plummer wurde prompt für einen Golden Globe nominiert, ebenso wie Regisseur Scott und Hauptdarstellerin Michelle Williams (BROKEBACK MOUNTAIN), die als Mutter des entführten Getty zu sehen ist. Mehr über den Skandal findest du im folgenden Video oder hier zum Nachlesen.

Gleich unter dem Video geht es weiter mit Film Nr. 11...

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

Kinostart: 25.01.2018

Schon mit seiner schwarzhumorigen Filmperle BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN? (2008) bewies der irische Regisseur Martin McDonagh, dass er ein Händchen für groteske Geschichten und skurrile Figuren besitzt. Mit seinem neuen Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" übertrifft er sich selbst und verbindet tragisches Kleinstadtdrama mit staubtrockenem Humor. Diese Mischung ist scheinbar perfekt gelungen, wie die zahlreichen Filmpreise bereits erahnen lassen.

© 20th Century Fox

Zudem versammelt der Oscarpreisträger einmal mehr eine ausgezeichnete Besetzung vor der Kamera. Seien es Sam Rockwell (BETTY ANNE WATERS) und Woody Harrelson (AUGE UM AUGE) als zynischer Sheriff der fiktiven Kleinstadt Ebbing oder die großartige Frances McDormand (BURN AFTER READING) als wütende und rigorose Mutter, die ihre Tochter nach einem grausamen Gewaltverbrechen verloren hat. Verschiedenste Charaktere prallen hier aufeinander und am Ende ist nichts mehr so wie es mal war.

© 20th Century Fox

„Der seidene Faden"

Kinostart: 01.02.2018

Das Drama „Der seidene Faden" ist schon insofern etwas Besonderes, da es der voraussichtlich letzte Film des dreifachen Oscarpreisträgers Daniel Day-Lewis („Lincoln") ist. Im Juni 2017 gab der Schauspieler das Ende seiner Karriere bekannt und schockierte damit ganz Hollywood.

© Universal Pictures

Für „Der seidene Faden" arbeitete Day-Lewis zum zweiten Mal nach „There Will Be Blood" (2007) mit Regisseur Paul Thomas Anderson zusammen. Er mimt darin den Modedesigner Reynolds Woodcock, der in den 1950er-Jahren Kleidung für die Oberschicht Großbritanniens entwirft. Als er die so junge wie selbstbewusste Alma (Vicky Krieps) kennenlernt, gerät sein sonst so strukturiertes Leben völlig aus der Bahn. Wir dürfen wohl einen Daniel Day-Lewis in Höchstform erwarten, der ja bekanntlich tief in seine Filmrollen eintaucht. 

© Universal

Mit diesen 12 Filmempfehlungen bleiben dir Wiederholungen und Langeweile im Kino auf jeden Fall erspart. Einige dieser und weitere Filmtipps für 2018 hat auch Robert vom TOBIS Filmclub im folgenden Video für dich zusammengestellt.

Folge uns auch auf Facebook, Instagram und YouTube.