Der Trafikant

Original oder Kopie? Die hohe Kunst des Schauspiels

Jamie Foxx

Es ist sowohl Herausforderung als auch Ehre für einen Schauspieler, eine reale Persönlichkeit zu verkörpern. Die Gesten, Mimiken und Eigenheiten müssen perfekt stimmen, um das Original glaubhaft darzustellen. Der Grat zum lächerlichen Mimikri ist schmal, doch diese Stars haben uns erfolgreich getäuscht...

Dem Schweizer Bruno Ganz gelang 2004 in „Der Untergang" der höchst umstrittene Versuch, den Menschen hinter dem Monster Adolf Hitler zu zeigen. Eine beängstigend glaubwürdige Darstellung.

Auch interessant: Bruno Ganz - Das Beste aus 120 Rollen in 77 Jahren

In der Romanverfilmung DER TRAFIKANT, die neu im Kino läuft, spielt er abermals eine reale Figur. Diesmal ist es der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, den der Schauspieler mit seinem Talent für kleine Gesten mit großer Wirkung zum Leben erweckt. Das Porträt historischer Personen gehört längst zur Königsklasse der Schauspielkunst und hat inzwischen eine ganze Reihe Oscar-prämierter Darstellungen hervor gebracht. Robert vom TOBIS Filmclub sieht als Schauspieler natürlich genau hin, was die Kollegen so leisten, und hat im folgenden Video seine persönliche Top 5 gekürt. Direkt darunter haben wir für dich die erstaunlichsten Schauspielleistungen der letzten 40 Jahre zusammen gestellt.

 

Nicht alle schauspielerischen Leistungen lassen sich mit dem Original vergleichen. Deshalb beginnen wir mit einer Bildergalerie von 5 erstaunlichen Schauspielleistungen, von deren Vorbildern es keinerlei audiovisuelle Aufzeichnungen gibt. Darunter geht es dann mit den Darstellern weiter, die sich auf vorhandenes Video- und Tonmaterial stützen konnten. Geordnet haben wir die Liste übrigens nach dem Geburtsjahr der realen Persönlichkeit.

Queen Elizabeth I./Cate Blanchett
Cate Blanchett spielt Queen Elizabeth I. in „Elizabeth" und „Elizabeth - Das goldene Königreich" | © Universal Pictures
Abraham Lincoln/Daniel Day-Lewis
Daniel Day-Lewis spielt Abraham Lincoln in „Lincoln" | © Getty Images/20th Century Fox
Elizabeth Taylor
Elizabeth Taylor spielt Cleopatra in „Cleopatra" | © 20th Century Fox
Wolfgang Amadeus Mozart/Tom Hulce
Tom Hulce spielt Wolfgang Amadeus Mozart in „Amadeus" | © Warner Bros.
Rachel Weisz
Rachel Weisz spielt Hypatia in AGORA

Ben Kingsley als Mahatma Gandhi in „Gandhi" (1982)

Ben Kingsley/Mahatma Gandhi
© Sony Pictures

Höchste Auszeichnung: Oscar als Bester Hauptdarsteller

Vorbereitung auf die Rolle: Ben Kingsley studierte zahlreiche Stunden Nachrichtenmaterial und las etliche Bücher, um sich dem ikonischen Freiheitskämpfer mental und körperlich zu nähern. Zudem nahm er fast 10 Kilogramm ab, machte Yoga und lernte sogar das Spinnen wie es Gandhi tat.

Die beste Szene im Film: Geschwächt vom Hungerstreik überzeugt Gandhi einen wütenden Hindu davon, ein muslimisches Waisenkind zu suchen und als sein eigenes großzuziehen. Kingsley gelingt es in dieser Szene, die Stärke Gandhis trotz des körperlichen Verfalls deutlich zu machen und wird den bedeutsamen Worten absolut gerecht.

Gary Oldman als Winston Churchill in „Die dunkelste Stunde" (2017)

Gary Oldman/Winston Churchill
© Universal Pictures/Getty Images

Höchste Auszeichnung: Oscar als Bester Hauptdarsteller

Vorbereitung auf die Rolle: Ein ganzes Jahr verbrachte Gary Oldman damit, sich die Eigentümlichkeiten von Winston Churchill anzueignen. Dennoch betonte er in Interviews, dass es sich bei seiner Darstellung mehr um eine Interpretation des britischen Premierministers und weniger um eine Imitation handelte.

Die beste Szene im Film: Wie Oldman die berühmte Unterhausrede Churchills im Jahr 1940 wiedergibt, ist feinstes Schauspielerkino. Mit Inbrunst vorgetragen, entwickelt seine Figur nicht nur eine körperliche Präsenz.

Colin Firth als König Georg VI. in „The King's Speech - Die Rede des Königs" (2010)

König Georg VI./Colin Firth
© Senator

Höchste Auszeichnung: Oscar als Bester Hauptdarsteller

Vorbereitung auf die Rolle: Colin Firth las sich natürlich alles durch, was er über König Georg VI. finden konnte, hörte die Reden und sah sich alte Aufnahmen an. Zusätzlich nahm er Sprachtraining, um das Stottern authentisch wiedergeben zu können. Praktischerweise ist seine Schwester Katie Sprachtherapeutin. Sie half ihm, auch die psychischen Strapazen eines stotternden Menschen zu verstehen.

Die beste Szene im Film: In der Rundfunkansprache des Königs zeigt Firth eindrucksvoll die Bürde, die sein stotternder Filmcharakter zu tragen hat. Dabei regt er die Emotionen des Zuschauers an, ohne zu sehr in Selbstmitleid zu verfallen. Dem Schauspieler gelingt der schwierige Balanceakt zwischen Tragik und Komik in Perfektion.

Leonardo DiCaprio als Howard Hughes in „Aviator" (2004)

Leonardo DiCaprio/Howard Hughes
© Arthaus

Höchste Auszeichnung: Golden Globe als Bester Hauptdarsteller

Vorbereitung auf die Rolle: DiCaprio führte vor allem Gespräche, um Howard Hughes zu verstehen. So besuchte er einerseits Schauspielerin Jane Russell, die von Hughes in den Vierzigerjahren entdeckt wurde. Zum anderen traf er sich mit einem Mann, der an Zwangsstörungen leidet, derselben Krankheit also, die Hughes zu schaffen machte.

Die beste Szene im Film: Wenn Hughes sich in seinen Kinosaal einsperrt und dort sichtlich dem Wahnsinn verfällt, kommt DiCaprios große Stunde in „Aviator". In besagter Szene spielt er wie entfesselt und bringt den Abstieg des exzentrischen Milliardärs zum nervlichen Wrack in wenigen Minuten auf den Punkt.

Morgan Freeman als Nelson Mandela in „Invictus - Unbezwungen" (2009)

Nelson Mandela/Morgan Freeman
© Warner Bros.

Höchste Auszeichnung: Bester Hauptdarsteller bei den National Board of Review Awards

Vorbereitung auf die Rolle: Morgan Freeman sah sich jede Menge Videomaterial von Nelson Mandela an, um dessen Sprechweise und Akzent nachahmen zu können. Darüber hinaus trainierte der Linkshänder Freeman, mit der rechten Hand zu schreiben, da Mandela Rechtshänder war. Hilfreich war auch sicherlich, dass sich die beiden persönlich kannten.

Die beste Szene im Film: Mandela spricht als erster schwarzer Präsident erstmals zu seinem Stab und macht sofort deutlich, dass ihn Hautfarben nicht interessieren und er keinen Gedanken an die Vergangenheit verschwendet. Freeman bringt diesen Moment mit solch großer Würde und Überzeugung rüber, dass man am liebsten aufstehen und applaudieren möchte.

Philip Seymour Hoffman als Truman Capote in „Capote" (2005)

Philip Seymour Hoffman/Truman Capote
© Sony Pictures

Höchste Auszeichnung: Oscar als Bester Hauptdarsteller

Vorbereitung auf die Rolle: Philip Seymour Hoffman nahm für seine Rolle als Truman Capote nicht nur 20 Kilogramm ab, sondern nahm sich auch 6 Monate Zeit, um Capotes Verhalten, Sprache und Charakteristiken einzustudieren. Während der Dreharbeiten blieb Hoffman die ganze Zeit über in seiner Rolle.

Die beste Szene im Film: Es ist einfach nur brillant, wie Hoffman die Szene meistert, in der Capote die beiden Mörder ein letztes Mal im Gefängnis besucht und plötzlich in Tränen ausbricht. All die aufgestauten Emotionen seiner Figur lässt Hoffman hier mit einem Mal heraus und schafft damit einen wahrhaften Gänsehaut-Moment.

Denzel Washington als „Malcolm X" (1992)

Denzel Washington/Malcolm X
© Concorde

Höchste Auszeichnung: Bester Schauspieler bei den New York Film Critics Circle Awards

Vorbereitung auf die Rolle: Denzel Washington bereitete sich äußerst umfangreich auf seine Rolle vor. Er sprach mit Verwandten und Bekannten von Malcolm X und versuchte herauszufinden, was er mit ihm gemeinsam hatte. Außerdem besuchte er muslimische Veranstaltungen, aß kein Schweinefleisch mehr und lernte den Dreißigerjahre-Tanz Lindy Hop.

Die beste Szene im Film: Im Prinzip sind alle Reden von Malcolm X während des gesamten Films wie gemacht für Denzel Washington. Wie das reale Vorbild versprüht der Oscarpreisträger jede Menge Charisma und lässt die großen Worte nicht nur wie leere Phrasen wirken.

Meryl Streep als Margaret Thatcher in „Die eiserne Lady" (2011)

Margaret Thatcher/Meryl Streep
© REUTERS/EuroVideo

Höchste Auszeichnung: Oscar als Beste Hauptdarstellerin

Vorbereitung auf die Rolle: Tatsächlich hielten sich Meryl Streeps faktenbasierte Vorbereitungen in Grenzen. Ihr ging es mehr darum, die Lebensweise von Margaret Thatcher zu verstehen. Ihrer Darstellung schadete das jedoch keineswegs.

Die beste Szene im Film: Trotz der vielen imposanten politischen Reden, die Streep im Film vortragen darf, sind es gerade die Szenen als von Demenz gezeichnete, alte Frau, die im Gedächtnis bleiben. Hier schafft es die Schauspielerin auf meisterhafte Weise, den zerbrechlichen Menschen hinter der „eisernen Lady" sichtbar zu machen.

Helen Mirren als Queen Elizabeth II. in „Die Queen" (2006)

Helen Mirren/Queen Elizabeth II.
© Concorde/Mirrorpix/Splash News

Höchste Auszeichnung: Oscar als Beste Hauptdarstellerin

Vorbereitung auf die Rolle: Foto- und Videomaterial der Queen dienten Helen Mirren auch noch während der Dreharbeiten als Inspiration. Zusätzlich sprach sie mit Bekannten der Königin und entdeckte so, dass diese unter einer Zwangsstörung leidet. Die Neurose baute sie schließlich in ihre Rolle mit ein.

Die beste Szene im Film: Man kommt um ein Schmunzeln nicht herum, wenn man Helen Mirren dabei zusieht, wie sie als Queen dem Premierminister Tony Blair (Michael Sheen) die Etikette-Regeln erklärt. Jede Sekunde dieses Treffens ist ein Genuss für den Zuschauer, denn Mirrens Darstellung ist faszinierend, da sie sowohl von Strenge als auch Witz durchzogen ist.

Michelle Williams als Marilyn Monroe in „My Week with Marilyn" (2011)

Marilyn Monroe/Michelle Williams
© Ascot Elite

Höchste Auszeichnung: Golden Globe als Beste Hauptdarstellerin

Vorbereitung auf die Rolle: Michelle Williams sah sich buchstäblich alles an, was Marilyn Monroe jemals in ihrer Karriere drehte und prägte sich ihre Bewegungen und Gesichtsausdrücke ein, um dem Original gerecht zu werden.

Die beste Szene im Film: Man traut seinen Augen kaum, aber die aus dem Film „Der Prinz und die Tänzerin" nachgestellten Szenen wirken nahezu originalgetreu. Williams gelingt das schier Unmögliche: Sie kommt der echten Monroe hier so nah wie es nur geht. Mehr kann eine Schauspielerin nicht leisten.

David Oyelowo als Martin Luther King in „Selma" (2014)

David Oyelowo/Martin Luther King
© Arthaus/Allyn Baum/The New York Times

Höchste Auszeichnung: Bester Darsteller bei den Black Film Critics Circle Awards

Vorbereitung auf die Rolle: Ganze 7 Jahre bevor „Selma" herauskam, fühlte sich David Oyelowo bereits dafür bestimmt, eines Tages Martin Luther King zu spielen. So war es für ihn eine Art spirituelle Reise, in den Charakter zu schlüpfen. Bis zum Drehbeginn hatte der Brite schon das Gefühl, alles über King zu wissen. Das beeindruckende Ergebnis ist im Film zu sehen.

Die beste Szene im Film: Martin Luther Kings Rede in der Kirche wird von David Oyelowo nicht einfach nur nachgesprochen. Man fühlt, dass der Schauspieler hier mit dem Herzen dabei ist, wodurch die Überzeugungskraft seiner Darstellung nur noch weiter verstärkt wird.

Natalie Portman als Jackie Kennedy in JACKIE (2016)

Jackie Kennedy/Natalie Portman

Höchste Auszeichnung: Beste Schauspielerin bei den Chicago Film Critics Association Awards

Vorbereitung auf die Rolle: Natalie Portman saugte jede Information auf, die sie über Jackie Kennedy finden konnte. Dazu gehörten etliche Interviews in Bild und Ton, Dokumentationen und natürlich auch Biographien. Eine besondere Herausforderung stellten Kennedys Dialekt und Stimme dar, doch Portman eignete sich auch diese an.

Die beste Szene im Film: Die Tränen lassen sich kaum noch zurückhalten, wenn JACKIE - alleine in ihrem Zimmer - mit blutbesprenkeltem Kleid realisiert, dass ihr Mann gerade erschossen wurde. Da braucht es keine Worte, denn diese herausragend gespielte Szene geht auch so an Herz und Nieren.

Jamie Foxx als Ray Charles in „Ray" (2004)

Ray Charles/Jamie Foxx
© Getty Images/Universal Pictures

Höchste Auszeichnung: Oscar als Bester Hauptdarsteller

Vorbereitung auf die Rolle: Jamie Foxx hatte das Privileg, die Legende Ray Charles noch persönlich zu treffen, was er nutzte, um dessen Gestik und Mimik zu studieren. Abseits davon hörte und sah er sich alte Aufnahmen des Sängers an und setzte sich nachts ans Piano. Im Film spielt er sämtliche Szenen am Piano selbst.

Die beste Szene im Film: Keine Frage, einfach jede Szene, in der Ray Charles musiziert, ist ein Augen- und Ohrenschmaus. Jamie Foxx wirkt wie eine identische Kopie des Sängers und beherrscht dessen Bewegungen in Perfektion.

Eddie Redmayne als Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit" (2014)

Stephen Hawking/Eddie Redmayne
© Getty Images/Universal Pictures

Höchste Auszeichnung: Oscar als Bester Hauptdarsteller

Vorbereitung auf die Rolle: Zwar traf Eddie Redmayne den echten Stephen Hawking einmal vor den Dreharbeiten, jedoch traute sich der Schauspieler nicht, ihm intime Fragen zu stellen. Er fand jedoch noch andere Methoden zur Vorbereitung. So nahm er mehrere Kilogramm ab, besuchte viele ALS-Patienten und engagierte sogar einen Profi-Tänzer, der ihm vier Monate lang zeigte, wie er seinen Körper am besten kontrollieren konnte. Zu Hause stand Redmayne zudem stundenlang vor dem Spiegel, um das verzerrte Gesicht Hawkings zu üben.

Die beste Szene im Film: Als die Krankheit Hawkings schon recht weit fortgeschritten ist, hält der Physiker einen Vortrag vor anderen Wissenschaftlern. Redmayne schafft es in dieser Szene, die Sprachprobleme seines Charakters überzeugend wiederzugeben, ohne ihn als Karikatur dastehen zu lassen. Selbst der echte Hawking gab zu, dass er bei Sichtung des Films manchmal glaubte, er sehe sich selbst.

 

Ob sich auch Sigmund Freud im Spiel von Bruno Ganz auf der großen Leinwand wiedererkannt hätte, werden wir nie wissen. Unzweifelhaft aber sind die grandiosen schauspielerischen Leistungen in DER TRAFIKANT. Neben Bruno Ganz brillieren Simon Morzé, Johannes Krisch und Newcomerin Emma Drogunova in dieser berührenden Verfilmung des Bestellers von Robert Seethaler. Mit der folgenden Vorschau kannst du dir schon einen ersten Eindruck vom Film machen.

 

ALLE SPIELZEITEN HIER KLICKEN

Folge uns auch auf Facebook, Instagram und YouTube.

DIESEN ARTIKEL WEITERLEITEN