JACKIE

Oscarwürdig: Diese Stars verkörperten ihre realen Vorbilder in Perfektion

Es heißt: Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, warum die Darstellung realer Persönlichkeiten schon immer ein Erfolgsgarant bei den Oscars war oder die Siegchancen zumindest dramatisch erhöhte. In diesem Jahr könnte Natalie Portman als JACKIE Kennedy das Rennen machen.

Als die Nominierungen für die Oscars 2017 verkündet wurden, war kein Name so sicher wie der von Natalie Portman. Ihre Nominierung galt als gesetzt und auch ihre Chancen, mit der Verkörperung der First Lady, einen zweiten Goldjungen nach Hause zu holen, stehen nicht schlecht. Denn JACKIE: DIE FIRST LADY ist bestes Oscar-Material und ihre schauspielerische Leistung einfach zum Niederknien. Außerdem befindet sie sich in allerbester Gesellschaft: ob Colin Firth als stotternder König George VI oder Daniel Day-Lewis als Lincoln - sie alle waren Sieger. Alle spielten ihre Rollen nicht nur, sie schlüpften buchstäblich in die Haut jener Persönlichkeiten, erweckten die berühmten Namen zu neuem Leben auf der Leinwand und ließen uns daran teilhaben. Das sind 7 der beeindruckendsten Schauspielleistungen, die auf realen Vorbildern basieren und den Oscar mehr als verdient haben... 

Ben Kingsley als Mahatma Gandhi in „Gandhi" (1982)

Warum er den Oscar verdient hat: Da muss man schon zweimal hinschauen: Ist er es wirklich… nicht? Ben Kingsley kommt seinem historischen Vorbild optisch extrem nah. Aber auch seine darstellerische Leistung ist unbestritten großartig und nicht umsonst Oscar-gekrönt. Dabei war Kingsley nach Anthony Hopkins und Alec Guinness nur die dritte Wahl. Regisseur Richard Attenborough (ja, der Onkel, der den Jurassic Park gebaut hat) scheute auch hier keine Kosten und realisierte die berühmte Massenszene, in der Gandhi zu Grabe getragen wird, mit über 300.000 Statisten und elf Kamerateams.

Zur Person: Gandhi war einer der herausragendsten Freiheitskämpfer der Geschichte. Seine Philosophie der Gewaltlosigkeit verband er mit der Forderung nach Menschenrechten für Unberührbare und Frauen in Indien. Gandhi trug entschieden zur Befreiung Indiens von der britischen Kolonialherrschaft bei. 1948 fiel Gandhi einem Attentat zum Opfer.

Charlize Theron als Aileen Wuornos in „Monster" (2003)

Warum sie den Oscar verdient hat: Mit ihrer Darstellung der Serienmörderin Aileen Wuornos sorgte Charlize Theron für absolute Gänsehaut bei den Zuschauern. Ihre unglaubliche Transformation war so einzigartig, dass sie einen beispiellosen Siegeszug durch die Award-Saison hinlegte und neben dem Oscar auch den Golden Globe, den BAFTA, den SAG-Award und so gut wie alle anderen Kritikerpreise als Beste Hauptdarstellerin einheimste.

Zur Person: Aileen Wuornos geriet als Prostituierte in Kontakt mit etlichen Männern, wobei sie schon früh einen Hang zur Gewalttätigkeit zeigte. Sie wurde wegen sechsfachen Mordes zum Tode verurteilt und 2002 hingerichtet.

Jamie Foxx als Ray Charles in „Ray" (2004)

Warum er den Oscar verdient hat: Als Ray Charles in „Ray” wagte sich Jamie Foxx an die besondere Herausforderung, nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Sänger und Pianist überzeugen zu müssen. Die Realisierung des Biopics über eine der größten Musiklegenden der Welt dauerte ganze 15 Jahre. Ray Charles war bei allem involviert und gab Jamie Foxx höchstpersönlich seinen Segen. Tragischerweise erlebte Charles die Fertigstellung des Films nicht mehr. Er verstarb nur wenige Monate vor der Veröffentlichung und erlebte so auch den Oscargewinn von Jamie Foxx nicht mehr mit.

Ab 9. März können wir Jamie Foxx übrigens endlich wieder auf der großen Leinwand bewundern. In SLEEPLESS spielt er einen beinharten Cop, der sich im Sündenpfuhl Las Vegas mit der Drogenmafia anlegt.

Zur Person: Ray Charles Robinson wuchs als Sohn einer alleinerziehenden Teenager-Mutter auf. Als Jazzpianist machte er sich schnell einen Namen und prägte den frühen Soul. Das Musikmagazin Rolling Stone wählte ihn unter die Top 10 der größten Sänger und Künstler aller Zeiten. Sänger Billy Joel formuliert es so: 

„Es mag wie Gotteslästerung klingen, aber ich finde, Ray Charles war noch wichtiger als Elvis Presley."

Philip Seymour Hoffman als Truman Capote in „Capote" (2005)

Warum er den Oscar verdient hat: Philip Seymour Hoffman gelang es bei seiner Darstellung des durchaus exzentrischen Schriftstellers Truman Capote der Versuchung zu widerstehen, völlig zu übertreiben. Bei der Oscarverleihung 2006 setzte er sich mit seiner Leistung u.a. gegen den genialen Heath Ledger (nominiert für BROKEBACK MOUNTAIN) durch. 

Zur Person: Capote, der als Truman Streckfus Persons geboren wurde, schenkte der Welt als Schriftsteller und Drehbuchautor unvergessliche Klassiker wie „Frühstück bei Tiffany" und „Kaltblütig". Seine Holly Golightly machte Audrey Hepburn unsterblich. Capote selbst trat als Schauspieler im Film „Eine Leiche zum Dessert" auf. Die Persiflage auf Krimiklassiker wie Miss Marple und Hercule Poirot ehrt Capotes Roman „Kaltblütig", der im Unterschied zu jenen einen Mordfall ohne Tricks und Kniffe erzählt und das Genre der Kriminalromane revolutionierte.

Helen Mirren als Elizabeth II in „Die Queen" (2006)

Warum sie den Oscar verdient hat: Mit ihrer Queen rührte Helen Mirren an einer Ikone und der immerhin mächtigsten Frau ihres Heimatlandes. Die schwierige Balance zwischen authentischer Darstellung und Respekt vor der amtierenden Königin Englands gelang, obwohl Mirren vor der Rolle regelrecht Angst hatte.

Zur Person: Königin Elisabeth II. ist eine Frau der Superlative: Niemand saß jemals länger auf dem britischen Thron als die Queen. Sie ist auch die derzeit älteste und dienstälteste Monarchin der Welt.

Meryl Streep als Margaret Thatcher in „Die eiserne Lady" (2011)

Warum sie den Oscar verdient hat: Meryl Streep zu toppen, ist verdammt schwer. Das schafft nur Meryl Streep selbst. Als Margaret Thatcher erweckte Streep sogar Sympathien für die als „eiserne Lady" bekannte und nicht unbedingt beliebte Politikerin.

Zur Person: Margaret Thatcher war die erste Premierministerin Großbritanniens. Ihre Regierungszeit dauerte ganze 11 Jahre und damit länger als jede Amtszeit ihrer Vorgänger im 20. Jahrhundert. Thatcher gehörte zu den umstrittensten politischen Führerinnen Europas. Sie wurde sowohl zu den 100 größten als auch zur drittschlechtesten britischen Persönlichkeit aller Zeiten gewählt.

Eddie Redmayne als Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit" (2014)

Warum er den Oscar verdient hat: Ähnlich wie bei Philip Seymour Hoffman stand auch Eddie Redmayne vor dem Problem, bei seiner Darstellung nicht ins Lächerliche abzurutschen. Und so wie Hoffman meisterte er die Schwierigkeit und fing die körperliche Behinderung von Stephen Hawking mit dem richtigen Fingerspitzengefühl ein, ohne dessen Persönlichkeit darauf zu reduzieren.

Zur Person: Man könnte Stephen Hawking als Isaac Newton des 20. und 21. Jahrhunderts bezeichnen. Schließlich folgte er diesem auf den bedeutenden Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik in Cambridge. Als Astrophysiker lieferte Stephen Hawking bedeutende Erkenntnisse über die Relativitätstheorie und Schwarze Löcher. Seine vielleicht größte Leistung besteht aber darin, diese Phänomene für Normalsterbliche (zumindest ansatzweise) verständlich zu machen.

2017 könnte es für Natalie Portman als Jackie Kennedy in JACKIE: DIE FIRST LADY soweit sein. Davon kannst du dich selbst im Film überzeugen.

Natalie Portman als Jacqueline Kennedy in JACKIE: DIE FIRST LADY (2017)

Warum sie den Oscar verdient hat? An der beliebten First Lady haben sich bereits unzählige Schauspielerinnen versucht. Aber Natalie Portman stellt sie alle in den Schatten. Sie hat die Anmut, sie hat die Persönlichkeit, sie hat das Talent.

Ihre Jackie ist die zerrissene Frau, die gerade ihren Mann bei einem Attentat verloren hat. Sie ist aber auch die gestandene Persönlichkeit, die im schwärzesten Moment ihres Lebens die größte Stärke beweist und dem verstorbenen US-Präsidenten ein beispielloses Denkmal setzt.

Zur Person: Jackie Kennedy ging als eine der beliebtesten First Ladies in die Geschichte ein. Ihr Modestil machte sie zur Ikone, ihr Sachverstand in Kunst und Geschichte prägte das Weiße Haus, wie man es heute kennt.

Wir drücken die Daumen, dass Natalie Portmans erster Oscar (2011 für „Black Swan") bald Gesellschaft bekommt! Denn auch, wenn ihre Chancen gut stehen, ist die Darstellung einer realen Persönlichkeit noch keine Garantie für den Sieg. Auch die folgenden Stars haben sich berechtigte Hoffnungen gemacht und mussten doch ohne Goldjungen wieder nach Hause gehen. Welche Darstellung hätte deiner Meinung nach noch einen Oscar verdient gehabt?

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