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Philip Roth: Alle Verfilmungen des Star-Autors im Ranking

Seit 50 Jahren schreibt Philip Roth Literaturgeschichte: An die 30 Romane, die meisten davon Bestseller. Er gewann dutzende wichtige Auszeichnungen, darunter den Pulitzer Preis für AMERIKANISCHES IDYLL. Neben diesem, seinem vielleicht wichtigsten Werk, wurden noch sechs weitere bereits fürs Kino adaptiert. Aber sind die Verfilmungen seiner Stoffe wirklich gelungen? Lässt sich ein Philip Roth überhaupt ins knappe Korsett eines Films zwängen, auf 2 Stunden Kinounterhaltung zurecht stutzen? Aufschluss darüber gibt dieses Ranking des weltweit größten Filmportals imdb.com nach Publikums-Wertung...

Angesichts seiner aktuellen Adaption fürs Kino AMERIKANISCHES IDYLL werden die Literaturkritiker vielleicht gleich abwinken - unverfilmbar - aber die Leser und interessierte Kinogänger werden sich fragen: ist das Regiedebüt von Schauspieler Ewan McGregor nach der berühmten Vorlage gelungen oder misslungen? Und wo wird sich die neueste Kinoadaption eines Stoffes von Philip Roth in diesem Ranking wiederfinden?

Platz 6: Portnoys Beschwerden (Portnoy’s Complaint, 1972)

Der Roman war ein Besteller – sogar Don Draper aus „Mad Men“ hat ihn gelesen.

Die Bekenntnisse des sexbesessenen Titelhelden sorgten Ende der 60er für Kontroversen und Proteste (obwohl die Welt dank Flower Power und Studentenbewegung schon einiges gewohnt war). Der Verfilmung nutzte das wenig. Der einzige Ausflug von Starautor Ernest Lehman ("Der unsichtbare Dritte", "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?") ins Regiefach war ziemlicher Murks. Die Kritiker sprachen von einem „wahren Fiasko“, „peinlich für alle Beteiligten“.

imdb-Wertung: 5.1

Platz 5: Der letzte Akt (The Humbling, 2014)

Wo verläuft die Grenze zwischen Bühne und Wirklichkeit? Al Pacinos alternder Schauspielstar nimmt diese Frage wörtlich – und stürzt sich kopfüber in den Theatergraben.

Tja, so läuft das, wenn einer nicht rechtzeitig abtritt und sich ins senile Delirium agiert. Ein Vorwurf, den sich auch Regisseur Barry Levinson gefallen lassen muss. Nach Kultfilmen wie "Wag the Dog" oder "Sleepers" lieferte er mit dieser Roth-Verfilmung leider nur C-Ware ab.

imdb-Wertung: 5.6

Roth selbst hat diesen Fehler übrigens nicht begangen: 2012 kündigte er an, keine Bücher mehr zu schreiben, 2014 absolvierte er sein letztes TV-Interview für diese Doku der BBC über ihn, die man sich hier in voller Länge anschauen kann...

Platz 4: Der menschliche Makel (The Human Stain, 2003)

Der Name Nathan Zuckerman kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder: Er ist Philip Roths Lieblingsfigur und taucht in gleich neun seiner Romane auf. 13 Jahre, bevor David Strathairn ihn in AMERIKANISCHES IDYLL als melancholischen Erzähler anlegt, spielt ihn Gary Sinise in diesem brodelnden, leider trotzdem ziemlich unterkühlten Erotikdrama. Anthony Hopkins und Nicole Kidman mühen sich redlich, sind aber in den Hauptrollen fehlbesetzt.

imdb-Wertung: 6.3

Platz 3: Zum Teufel mit der Unschuld (Goodbye, Columbus, 1969)

Richard Benjamin, drei Jahre später auch Hauptdarsteller in "Portneys Beschwerden", und die blutjunge Ali McGraw sind die Stars dieser romantischen Komödie im jüdischen Upper Class-Milieu. Der Film ist deutlich heiterer als Roths Novelle, sorgte wegen einiger freizügiger Szenen (für die damalige Zeit, versteht sich) für Aufsehen und wurde ein respektabler Erfolg an den Kinokassen.

imdb-Wertung: 6.6

Platz 2: Elegy oder die Kunst zu lieben (Elegy, 2008)

Älterer Mann liebt jüngere Frau – ein furchtbares Klischee, oder? Aber nicht in Isabelle Coixets wunderbar differenziertem Liebesdrama, in dem Penélope Cruz Ben Kingsleys harte Schale knackt. Darunter kommen Emotionen zum Vorschein, die ein Leben lang unter Verschluss gehalten wurden, und es zeigt sich, dass Schubladendenken kein bisschen weiterhilft. Große Gefühle, dezent präsentiert. Schon der Trailer ist sehenswert!

imdb-Wertung: 6.8

Platz 1: Empörung (Indignation, 2016)

Ganz wie AMERIKANISCHES IDYLL ist auch diese Verfilmung ein Regiedebüt. James Schamus, Autor und Produzent zahlreicher Werke wie "Brokeback Mountain", suchte sich für seinen Erstling den 2008 entstandenen Roman „Empörung“ aus. Darin verarbeitet Roth den McCarthyismus der 50er Jahre. Sein Held, im Film gespielt von Logan Lerman, ist ein smarter 19-Jähriger, der am College seine erste Liebe kennenlernt und sich ein intellektuelles Duell mit dem Dekan liefert. In den USA bereits gestartet und für gut befunden, lief "Empörung" hierzulande bereits auf der letzten Berlinale, schafft es aber erst 2017 auch bei uns ins Kino.

imdb-Wertung: 7.2

Wo sich die aktuelle Philip Roth-Verfilmung AMERIKANISCHES IDYLL hier einordnet, kann jetzt jeder für sich selbst bestimmen. Der ungewöhnliche Trailer macht schonmal Lust auf mehr...

Bildrechte: Universal Pictures, KSM, CIC Video, X-Verleih