Der Trafikant

Schrecklich gut: Diese 15 Filme sollte man gesehen haben

Die Kunst schürft tief in den größten Katastrophen der Menschheit. So haben die Nationalsozialisten gegen ihren Willen und entgegen jeder Intention mit ihren unbeschreiblichen Gräueltaten einige der bemerkenswertesten Werke der Filmgeschichte inspiriert. Filme voller Liebe und Hass, Leben und Tod, Hoffnung und Verderben. Filme, die uns helfen, zu erkennen, was uns menschlich, was uns besser macht.

Aktuell im Kinoprogramm findet sich die Verfilmung des Bestsellers DER TRAFIKANT von Robert Seethaler. Buch und Film spielen im Wien der 30er Jahre, als sich Österreich mit großem Hurra und ohne viel Gegenwehr der deutschen Besatzung unterwarf. Ausgerechnet in dieser verwirrenden Zeit lernt der 17-jährige Trafikant-Lehrling Franz (Simon Morzé) die Liebe und das Leben kennen. Und um das Leben unter dem Hakenkreuz soll es auch in unserer Bestenliste gehen, weshalb wir Kriegsfilme bewusst außen vor gelassen haben. Direkt unter der Vorschau zu DER TRAFIKANT haben wir für dich die 15 bestbewerteten Filme über die Zeit des Nationalsozialismus auf der weltgrößten Filmdatenbank IMDb unter die Lupe genommen und in einer Liste zusammengefasst. 

 

Platz #15: „Cabaret" (1972)

Der Hollywood-Klassiker „Cabaret" spielt im Berlin der 30er Jahre, als die Nazis kurz vor der Machtergreifung stehen. Die wachsende Bedrohung durch die NSDAP ist auch in dem Mikrokosmos des Kit Kat-Clubs bereits spürbar, dessen Ensemble der stumpfen Nazi-Rhetorik ein provokantes Programm voll subtilem Witz und genauso schriller wie entlarvender Nummern entgegen hält. Der Star der Show ist die Amerikanerin Sally, die als Sängerin und Tänzerin auf der Bühne zu glänzen weiß. Doch die Bühne ist nicht das Leben. Als sie sich in den zurückhaltenden Engländer Brian verliebt und der politische Umschwung sich nicht mehr aufhalten lässt, gerät ihr Leben zunehmend aus den Fugen.

Liza Minnelli
© EuroVideo

Der Musicalfilm wurde 1973 mit verdienten 8 Oscars ausgezeichnet. Einen davon gewann Hauptdarstellerin Liza Minnelli, die durch ihre Rolle schlagartig weltberühmt wurde und als Sally Bowles zu einer Ikone der Schwulenbewegung avancierte. Der Film selbst überzeugt zudem mit seiner glamourösen Ausstattung, unfassbar guten Songs und einer tiefen Melancholie, die die Protagonisten vor dem heraufdämmernden Grauen befällt.

IMDb-Wertung: 7,8

Michael York (Mitte)
© EuroVideo

Platz #14: „Tödlicher Sturm" (1940)

Regisseur Frank Borzage und seinem Werk „Tödlicher Sturm" gebührt großer Respekt, denn sein Film war eine der ersten antifaschistischen Hollywood-Produktionen – und auch inszenatorisch ist „Tödlicher Sturm" definitiv ein besonderes Stück Filmgeschichte. Das Drama handelt von der Machtergreifung der Nazis in Deutschland und der Auswirkung auf die Bewohner einer süddeutschen Stadt. Darunter befindet sich auch Familie Roth, durch die im Wirrwarr unterschiedlicher politischer Ansichten ein tiefer Spalt zu drohen geht.

Tödlicher Sturm
© MGM

Der Film zeigt die brutalen Methoden des NS-Regimes auf eindringliche Weise und brennt sich dadurch unweigerlich ins Gedächtnis des Zuschauers. James Stewart brilliert in der Rolle des Martin Breitner, einem Gegner der Nazis, der in Zeiten großer Gefahr die Liebe seines Lebens findet. Leider ist „Tödlicher Sturm" hierzulande nicht ganz so bekannt wie die anderen Titel dieser Liste. Deshalb sollte jeder, der dieses Filmjuwel noch nicht gesehen hat, dies unbedingt nachholen.

IMDb-Wertung: 7,9

James Stewart, Margaret Sullavan und Robert Young
© MGM

Platz #13: „Gloomy Sunday - Ein Lied von Liebe und Tod" (1999)

Die Liebe in Zeiten des Zweiten Weltkrieges spielt auch in „Gloomy Sunday" eine tragende Rolle. Darin entspinnt sich eine Vierecksbeziehung, die dramatischer nicht sein könnte. Das Objekt der Begierde ist die Kellnerin Ilona (Erika Marozsán), die in einem Restaurant in Budapest arbeitet. Sowohl ihr Chef und Partner László (Joachim Król), der Pianist András (Stefano Dionisi) als auch Dauergast Hans (Ben Becker) verlieben sich unsterblich in die schöne Ungarin. Das Liebeskarussell verkompliziert sich, als Hans eines Tages als SS-Offizier in die Stadt zurückkommt.

Stefano Dionisi, Erika Marozsán und Joachim Król
© Universal Pictures

Der Titel „Gloomy Sunday" bezieht sich auf das gleichnamige Lied des ungarischen Komponisten Rezső Seress, das aufgrund seiner melancholischen Stimmung in den Dreißigerjahren den Beinamen „Lied der Selbstmörder" erhielt. Diese Stimmung spiegelt sich auch im Film wider und findet mit dem Einzug der Nationalsozialisten ihren dramatischen Höhepunkt.

IMDb-Wertung: 7,9

Stefano Dionisi und Erika Marozsán
© Universal Pictures

Platz #12: „Auf Wiedersehen, Kinder" (1987)

Zugleich bestürzend und berührend ist der französische Film „Auf Wiedersehen, Kinder". Darin freunden sich die beiden Internatsschüler Julien und Jean 1944 im von Deutschland besetzten Frankreich an. Jean ist allerdings Jude und muss sich vor der deutschen Wehrmacht verstecken. Kann Julien seinen Freund vor der Entdeckung und dem damit verbundenen Tod beschützen?

Gaspard Manesse und Raphaël Fejtö
© Alamode Film

Das aufwühlende Drama zeigt die Schrecken der NS-Zeit aus der Perspektive der Kinder und entwickelt dadurch eine beeindruckende Intensität. Der Lohn für diese grandiose Arbeit kam mit der Auszeichnung als bester Film in Venedig und zwei Oscar-Nominierungen. „Auf Wiedersehen, Kinder" ist zu keiner Zeit reißerisch inszeniert, sondern macht auf authentische Weise die von Angst geprägte Atmosphäre in der Hitler-Diktatur geradezu greifbar.

IMDb-Wertung: 8,0

Gaspard Manesse (Mitte)
© Alamode Film

Platz #11: „Meine Lieder, meine Träume" (1965)

Auf den ersten Blick wirkt „Meine Lieder, meine Träume" wie ein harmonischer Heimatfilm mit Musikeinlagen. Wer ihn gesehen hat, weiß jedoch, dass weitaus mehr in dem hochkarätig besetzen Musical steckt. Zwischen den weltbekannten Liedern findet sich nämlich eine deutliche Kritik am Nationalsozialismus, die damals bei den ersten Aufführungen in Deutschland trauriger Weise heraus gekürzt wurde. 

Christopher Plummer
© 20th Century Fox

Doch auch abseits der politischen Thematik überzeugt das mit 5 Oscars prämierte Werk auf ganzer Linie. Nicht nur die Hauptdarsteller Julie Andrews und Christopher Plummer lassen ihren Charme sprühen, auch die atemberaubenden Kamerafahrten durch Österreichs Landschaften verfehlen ihre Wirkung nicht.

IMDb-Wertung: 8,0

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Platz #10: „The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben" (2014)

Zwar tauchen in „The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben" die Nationalsozialisten nicht direkt auf, sind dafür aber als Bedrohung und zwingende Motivation der Protagonisten ständig präsent. Benedict Cumberbatch spielt den Mathematiker Alan Turing, der in den Vierzigerjahren maßgeblich an der Entschlüsselung des deutschen Kodiergerätes „Enigma" beteiligt war und so den Ausgang des Krieges entscheidend mitbestimmte.

 

Obwohl sich der Film fast ausschließlich auf Turing und seine akribische Arbeit konzentriert, kann man förmlich spüren, welche Gefahr für die Briten vom scheinbar übermächtigen Deutschland ausging. Dass man trotz des Wissens um den Ausgang der Geschichte mitfiebert, zeugt von einem exzellenten Drehbuch, das schließlich auch mit einem Oscar belohnt wurde. Benedict Cumberbatch und Nebendarstellerin Keira Knightley durften sich jeweils immerhin über eine Nominierung für den begehrten Preis freuen. Beide glänzen als Genies, die eine innige Beziehung zueinander aufbauen und verleihen ihren Charakteren ein glaubwürdiges Profil.

IMDb-Wertung: 8,0

Keira Knightley und Benedict Cumberbatch
© Universum Film

Platz #9: „Rom, offene Stadt" (1945)

Schonungslose Bilder begegnen uns in „Rom, offene Stadt", einem der ersten Filme der italienischen Regie-Legende Roberto Rossellini, der in diesem Werk die schockierenden Zustände in seinem Heimatland Italien während der Besetzung durch Deutschland im Jahr 1944 zeigt. Hunger, Verhaftungen und Folter sind an der Tagesordnung. Mitten in dieser Hölle auf Erden lebt die Witwe Pina, die kurz vor der Hochzeit mit Francesco steht. Dieser leistet jedoch Widerstand gegen die Deutschen, weshalb nicht nur sein Leben in Gefahr ist.

Anna Magnani (Mitte)
© Arthaus

Das Drehbuch, das in Zusammenarbeit mit Frederico Fellini noch während der Besatzung entstand, wurde für einen Oscar nominiert, während es in Cannes den Preis für den besten Film gab – und das ist auch hochverdient, denn selten wurden die Geschehnisse während des herrschenden Nationalsozialismus so drastisch und authentisch wiedergegeben wie in „Rom, offene Stadt". Rossellinis Meisterwerk macht in doppelter Hinsicht sprachlos: Zum einen wegen des Gezeigten, zum anderen wegen der famosen Inszenierung.

IMDb-Wertung: 8,1

Aldo Fabrizi
© Arthaus

Platz #8: „Gesprengte Ketten" (1963)

Mit „Gesprengte Ketten" inszenierte Regisseur John Sturges einen nervenaufreibende Klassiker, der auf wahren Begebenheiten beruht, die sich 1944 in einem deutschen Kriegsgefangenenlager zugetragen haben. Damals taten sich Gefangene aus unterschiedlichen Ländern zusammen, um gemeinsam eine spektakuläre Flucht zu planen. Diese Ereignisse wurden 1963 mit einer ganzen Riege an Stars (Steve McQueen, Charles Bronson, James Garner) genial verfilmt.

Gesprengte Ketten
© MGM

Wie die Protagonisten ihre Flucht minutiös planen und dabei jederzeit in Angst vor der Entdeckung durch die deutschen Lagerwächter leben müssen, ist spannend und bedrückend zugleich. Zudem verstand es Regisseur Sturges, die Stärken seines Star-Ensembles gekonnt einzusetzen und ihnen genügend Raum für ihr Spiel zu lassen. So kommt tatsächlich auch der Humor im Film nicht zu kurz. Am Ende überwiegen allerdings die erschreckenden Bilder einer düsteren Zeit, weshalb „Gesprengte Ketten" auch heute noch zu den besten Filmen aller Zeiten gehört.

IMDb-Wertung: 8,2

Steve McQueen
© MGM

Platz #7: „Sein oder Nichtsein" (1942)

Darf man über den Nationalsozialismus lachen? In Ernst Lubitschs Satire „Sein oder Nichtsein" kann man gar nicht anders. Der Regisseur gibt in seinem Film Hitler und dessen Schergen der Lächerlichkeit preis und sorgt so für eine brüllend komische Szene nach der anderen. Dabei verharmlost er jedoch zu keiner Zeit die Taten der Nazis, sondern entlarvt deren schwaches Wesen mit den unschlagbaren Mitteln der Komödie.

Tom Dugan
© Arthaus

Der Film spielt im Warschau des Jahres 1939, wo die Mitglieder einer Theatergruppe die Gestapo zum Narren halten, indem sie selbst in die Rollen der Nazis - inklusive Adolf Hitler - schlüpfen. Daraus entstehen zahlreiche absurde Situationen, die für jede Menge Gelächter sorgen, auch wenn dieses ab und zu zwangsläufig im Halse stecken bleibt. Dass „Sein oder Nichtsein" so hervorragend funktioniert, liegt nicht nur an Regielegende Ernst Lubitsch, sondern auch an seinen Darstellern (u. a. Jack Benny und Carole Lombard), die ein ausgezeichnetes Gespür für komödiantisches Timing bewesien.

IMDb-Wertung: 8,2

Carole Lombard und Jack Benny
© Arthaus

Platz #6: „Der Untergang" (2004)

Den wohl unheimlichsten Einblick in die Welt des Nationalsozialismus erhalten wir im deutschen Drama „Der Untergang". Regisseur Oliver Hirschbiegel widmet sich darin den letzten Tagen im Führerbunker kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges und stützt sich dabei auch auf die Erinnerungen von Hitlers Privatsekretärin Traudl Junge. Diesem fast schon intimen Blick ins Herz der Finsternis wohnt eine große emotionale Kraft inne, die ihm ein Millionenpublikum bescherte und mit einer Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film belohnt wurde.

 

Der darstellerische Höhepunkt des Films ist zweifellos Bruno Ganz, der als Adolf Hitler eine erschreckend realistische Vorstellung abliefert und dafür mit Preisen überhäuft wurde. Wenn der Schauspieler sich in den Monologen des Diktators in Ekstase redet, bleibt dem Zuschauer fast die Spucke weg und man weiß sofort, weshalb sich spätestens nach dieser Rolle ganz Hollywood um Bruno Ganz riss.

IMDb-Wertung: 8,2

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Bruno Ganz
© Highlight Film

An dieser Stelle übernimmt Robert vom TOBIS Filmclub: Er hat sich in seinem neuen Video der Top 5 der beeindruckendsten Filme über den Nationalsozialismus gewidmet, die wir darunter noch einmal in einer kleinen Galerie für dich zusammengefasst haben.

 

Die Plätze #5 bis #1 in der Galerie

Charlie Chaplin
Platz #5: „Der große Diktator" (1940), IMDb-Wertung: 8,5 | © Arthaus
Adrien Brody
Platz #4: DER PIANIST (2002), IMDb-Wertung: 8,5
Humphrey Bogart und Ingrid Bergman
Platz #3: „Casablanca" (1942), IMDb-Wertung: 8,5 | © Warner Bros.
Roberto Benigni, Nicoletta Braschi, Giorgio Cantarini
Platz #2: „Das Leben ist schön" (1997), IMDb-Wertung: 8,6 | © Universum Film
Liam Neeson
Platz #1: „Schindlers Liste" (1993), IMDb-Wertung: 8,9 | © Universal Pictures

Was den neuen Kinofilm DER TRAFIKANT so sehenswert macht, sind sicher auch die deutlichen Bezüge zum aktuellen Rechtsruck, der gerade durch Europa geht. Es ist erschreckend, traurig und ungemein wichtig, sich vor Augen zu führen, wie wenig sich die Methoden der Menschenfänger von damals geändert haben und wie wirksam sie dennoch geblieben sind. Wo und wann du die Bestsellerverfilmung in deiner Nähe sehen kannst, erfährst du mit einem Klick auf den gelben Button.

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