Am 28. Oktober begrüßte Magnus Vortmeyer, CEO von TOBIS, Regisseur und Starfotograf Anton Corbijn im ausverkauften Cinema Paris in Berlin. Dort präsentierte Corbijn seinen neuen Film EIN TALENT FÜRS MORDEN mit Oscar®-Preisträgerin Helen Mirren in der Rolle der Krimiautorin Patricia Highsmith.
Nach der Vorführung wurde EIN TALENT FÜRS MORDEN mit langem Applaus gefeiert. Im anschließenden Filmgespräch stellte sich Anton Corbijn den Fragen von Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Christian Alvart (STEIG. NICHT. AUS!, SLØBORN), einem ausgewiesenen Experten für Suspense.
Im Gespräch mit Moderator Christian Alvart erklärte Regisseur Anton Corbijn, dass das Bühnenstück ‚Switzerland‘ von Joanna Murray-Smith zwar die Vorlage für EIN TALENT FÜRS MORDEN bildete, er und Kameramann Robbie Ryan jedoch bewusst vermeiden wollten, dass der Film wie ‚abgefilmtes Theater‘ wirkt. Deshalb wurde die Handlung räumlich geöffnet und um Außenaufnahmen in den Dolomiten, in Rom und in der Schweiz erweitert. Besonders bemerkenswert: Das vermeintliche Schweizer Haus der Hauptfigur Patricia Highsmith (gespielt von Helen Mirren) befindet sich tatsächlich in der Nähe von London; die Schweizer Berglandschaft wurde nachträglich filmisch ergänzt.
Christian Alvart stellte fest, dass Corbijns Filme immer wieder schwierige, einsame und widersprüchliche Charaktere in den Mittelpunkt stellen, wie etwa Ian Curtis oder den Killer aus THE AMERICAN (2010), gespielt von George Clooney. Im aktuellen Film ist dies Patricia Highsmith. Corbijn betonte, dass man ihre kontroversen Ansichten, darunter antisemitische und rassistische Äußerungen, nicht verschweigen wollte. Gleichzeitig habe man vermieden, sie auf diese Eigenschaften zu reduzieren oder als eindimensionale Karikatur darzustellen. Für ihn war wichtig, Highsmith als komplexe Persönlichkeit mit Widersprüchen, Humor und dunklen Seiten zu zeigen.
Von Hauptdarstellerin Helen Mirren zeigte sich Corbijn begeistert: „Sie ist so unglaublich professionell, fleißig und immer sehr gut vorbereitet.“ Vor dem Dreh fanden bereits intensive Proben mit Mirren und Alden Ehrenreich (er spielt die Rolle des Edward Ridgeway) statt, die halfen, die Dynamik ihrer Figuren zu entwickeln.
Auch die Faszination für moralisch fragwürdige Figuren wie Tom Ripley wurde diskutiert. Corbijn vermutet, dass deren Anziehungskraft unter anderem daraus entsteht, dass sie charismatisch wirken und scheinbar ungestraft davonkommen.
Außerdem schilderte Corbijn seine Entwicklung als Regisseur: Während seine frühen Filme stark von seinem Hintergrund als Fotograf geprägt gewesen seien, interessiere ihn heute stärker das Erzählen einer Geschichte als die Perfektion einzelner Bilder. Corbijn erläuterte, dass er die Spannung des Films gezielt über die Inszenierung erzeugen wollte. Häufig eingesetzte niedrige Kameraperspektiven sollten unterschwellig Bedrohung und Unsicherheit vermitteln und an die Bildsprache Alfred Hitchcocks erinnern. Weiterhin nannte Corbijn Wim Wenders‘ Film DER AMERIKANISCHE FREUND (1977) in diesem Kontext als seinen Lieblingsfilm über Tom Ripley.
Ein zentrales Thema des Gesprächs war das mehrdeutige Ende des Films. Corbijn berichtete, dass dafür verschiedene Fassungen mit dem Ziel ausprobiert wurden, Raum für unterschiedliche Lesarten zu lassen. Eine mögliche Interpretation sei, dass die gesamte Handlung lediglich eine Geschichte ist, die sich Patricia Highsmith beim Blick auf das leere Blatt in ihrer Schreibmaschine ausdenkt. Corbijn bestätigte, dass der Film auf mehreren Realitätsebenen spielt und diese Konstruktion erst im Schneideraum ihre endgültige Form erhielt. Gemeinsam mit Cutter Andrew Hulme arbeitete er intensiv daran, die verschiedenen Erzählebenen für das Publikum nachvollziehbar zu machen.
Zum Abschluss wurde ein berühmtes Zitat von Patricia Highsmith diskutiert: ihre Ansicht, dass jeder Mensch zum Mord fähig sei. Corbijn widersprach dieser Aussage teilweise. Zwar könne jeder Mensch in Extremsituationen an seine Grenzen geraten, dennoch glaube er nicht, dass alle Menschen zwangsläufig zu Gewalt greifen würden.
Das Gespräch macht deutlich, dass Anton Corbijn den Film als bewusst mehrdeutiges Spiel mit Realität, Fiktion und Autorenschaft versteht. Im Mittelpunkt stehen die komplexe Persönlichkeit von Patricia Highsmith, die Faszination ambivalenter Figuren sowie die Frage, wie Geschichten entstehen, wie sie unsere Wahrnehmung manipulieren und wie unterschiedlich sie interpretiert werden können. Corbijn sieht den Film ausdrücklich als Werk, das bei einer zweiten Sichtung neue Zusammenhänge offenbart.

EIN TALENT FÜRS MORDEN, der neue Film von Anton Corbijn, startet am 5. November 2026 im Verleih von TOBIS.