EIN TALENT FÜRS MORDEN

Das Beste kommt zum Schluss: 7 Große Performances Ü80

Helen Mirren
EIN TALENT FÜRS MORDEN, Rechte bei Tobis

Helen Mirren vereint gleich zwei Dinge, die traditionell als schwierige Kombination für spannende Hauptrollen gelten: Sie ist eine Frau und sie ist jenseits der 30. Doch die Oscar®-Preisträgerin macht ihre eigenen Regeln – und ist aktuell in einer grandiosen Hauptrolle zu sehen!

In Anton Corbijns Thriller EIN TALENT FÜRS MORDEN spielt Helen Mirren die berühmte Autorin Patricia Highsmith und liefert als solche laut Variety „eine scharfsinnige, bissig-witzige Darbietung“. The Hollywood Reporter nennt Mirren „natürlich eine Meisterin“, die die literarische Ikone Highsmith „mit all ihrem hinterhältigen Genie“ verkörpere. 81 Jahre alt und darstellerisch eine Wucht. Mirren ist erfolgreich wie eh und je – und damit in bester Gesellschaft! Auch die folgenden Performances von Stars über 80 zeigen, dass große (Schauspiel-)Kunst kein Alter kennt.

Robert De Niro (80) in KILLERS OF THE FLOWER MOON (2023)

William King Hale (De Niro) ist ein Viehzüchter, der im Osage County mit mafiösen Methoden politischen Einfluss gewonnen hat. Als die ansässigen Indigenen durch Erdölfunde reich werden, organisiert er eine Reihe von Morden, um an ihr Geld zu kommen und schreckt auch vor der eigenen Familie nicht zurück.

 

De Niro spielt den skrupellosen selbsternannten „King of the Osage Hills“ mit einer gelassenen Kaltblütigkeit, dass sich einem die Nackenhaare aufstellen. Die Presse feierte seine Darstellung des Massenmörders als eine seiner besten Bösewichte und De Niro wurde u.a. für einen Oscar® und für einen Golden Globe nominiert.

Jessica Tandy (80) in MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR (1990)

Die rüstige Witwe Daisy Werthan (Tandy) büßt ein großes Stück ihrer Unabhängigkeit ein, nachdem sie einen Autounfall verursacht und fortan auf den Chauffeur Hoke (Morgan Freeman) angewiesen ist. Obwohl sich Miss Daisy anfangs mit Händen und Füßen dagegen wehrt, entwickelt sich zwischen den beiden mit der Zeit eine außergewöhnliche Freundschaft.

 

80 Jahre dauerte es, bis aus der gefeierten Bühnenschauspielerin Tandy auch ein Filmstar wurde. Auf den Oscar®-Gewinn für die Rolle der wohlhabenden weißen Miss Daisy, die durch ihren schwarzen Chauffeur im hohen Alter erstmals ihre eigenen Vorurteile hinterfragt, folgte ein weiteres Karriere-Highlight: Mit 82 Jahren wurde sie für ihre Darstellung der Ninny Threadgoode in GRÜNE TOMATEN (1992) für einen Oscar®, Golden Globe und BAFTA nominiert.

Christopher Plummer (81) in BEGINNERS (2011)

44 Jahre lang war Hal (Plummer) verheiratet. Nach dem Tod seiner Frau eröffnet er seinem Sohn Oliver (Ewan McGregor), dass er schwul sei. Mit 75 Jahren kann Hal sein Leben endlich genießen. Er geht tanzen, verliebt sich in den deutlich jüngeren Andy (Goran Višnjić) und baut eine liebevolle Beziehung zu Oliver auf. Doch Hal bleibt nicht mehr viel Zeit.

 

Regisseur Mike Mills verarbeitete in BEGINNERS die Geschichte seines eigenen Vaters. Plummer glänzt in der Rolle eines alten Mannes, der noch einmal aufblüht, moderne Musik für sich entdeckt und verliebt ist wie ein Teenager. Das überzeugte auch die Academy und mit 82 Jahren wurde Christopher Plummer 2012 zum damals ältesten Oscar®-Preisträger. Tatsächlich erntete der seit Jahrzehnten als herausragender Darsteller gefeierte Plummer die größte Anerkennung am Ende seiner Karriere, denn seine dritte Oscar®-Nominierung erhielt er mit 88 Jahren für seine Rolle als Jean Paul Getty in Ridley Scotts ALLES GELD DER WELT, die er zudem auch noch in letzter Minute übernahm. Damit hält er bis heute den Rekord für den ältesten Oscar®-nominierten Schauspieler.

Anthony Hopkins (83) in THE FATHER (2021)

Der Rekord für den ältesten Preisträger ging 2021 an Anthony Hopkins für seine ergreifende Darstellung eines an Alzheimer erkrankten Vaters: Annes (Olivia Colman) Vater Anthony (Anthony Hopkins) ist dement. An guten Tagen ist er charmant und witzig. An Schlechten erkennt er sie nicht wieder, ist orientierungslos und wittert überall Verschwörungen gegen ihn.

 

Selten wurden die Tücken der Krankheit so eindringlich spürbar wie in Florian Zellers Film. Während sich die Realität des Vaters mehr und mehr auflöst, fragen sich auch die Zuschauer:innen dank der raffinierten Kameraarbeit und der gezielten Wechsel von Darsteller:innen und Schauplätzen bald, ob das, was man sieht, real ist oder nur in Anthonys Kopf stattfindet. Die Rolle des Vaters schrieb Zeller Hopkins auf den Leib und fand in Olivia Colman einen brillanten Co-Star. Die Presse fand für Hopkins’ gewaltige Performance klare Worte: 

„[S]elten hat es einen verdienteren Oscar gegeben." (DIE WELT)

June Squibb (84) in NEBRASKA (2014)

Auch June Squibb startete nochmal durch, wo andere bereits an Rente denken: Mit 61 Jahren gab die Theaterschauspielerin ihr Filmdebüt. Bis zu ihrer erfolgreichsten Kinorolle verging nochmal fast ein Vierteljahrhundert, aber dann setzte sie Alexander Payne als ehemalige Kleinstadt-Schönheit mit losem Mundwerk in Szene, die ihrem leicht senilen Ehemann (Bruce Dern) trotz gelegentlicher Spöttelei treu zur Seite steht.

 

Selbst in Schwarzweiß spielte die 84-Jährige die schlagfertige Ehefrau von Bruce Dern auf der Suche nach dem großen Geld so auffallend gut, dass eine Oscar®-Nominierung fällig wurde.

Emmanuelle Riva (85) in LIEBE (2012)

So wie Anthony Hopkins in seiner Darstellung eines Demenzkranken brillierte, brillierte Emmanuelle Riva in der Darstellung einer Schlaganfall-Patientin. Die stolze Anne (Riva) erleidet einen Hirnschlag, der sie halbseitig lähmt. Körperlich und sprachlich eingeschränkt ist die ehemalige Klavierlehrerin zunehmend auf die Pflege durch ihren Ehemann (Jean-Louis Trintignant) angewiesen. Aus der begeisterten Konzertgängerin wird eine Gefangene in ihrer eigenen Wohnung.

 

Michael Haneke verhalf der in Vergessenheit geratenen französischen Charakterdarstellerin Emmanuelle Riva zu spätem, internationalem Ruhm. Riva spielt den Verfall ihrer Rolle mit unglaublicher Würde und Präzision und gewann den Europäischen Filmpreis, den BAFTA, den französischen César und wurde für den Oscar® als Beste Hauptdarstellerin nominiert. 

Judi Dench (87) in BELFAST (2022)

Der aufgeweckte Buddy (Jude Hill) liebt die Straßen Belfasts und seine Familie. Dazu gehört auch seine Granny (Dench), die immer ein offenes Ohr für Buddys Sorgen und immer eine gute Geschichte auf Lager hat. Eine herzliche, humorvolle, aber auch leidgeprüfte alte Dame, wie sie nur der Norden Irlands hervorbringen kann. 

 

Mit 60 Jahren las Dench als Geheimdienstchefin „M“ James Bond erstmals die Leviten. Als sie sich mit 80 endgültig verabschiedete, ging eine Ära zu Ende. Dench hält nicht nur den Rekord für die längste amtierende weibliche Hauptfigur der Bond-Geschichte, sondern ist (direkt hinter der bereits verstorbenen Gloria Stuart) auch die zweitälteste Schauspielerin, die jemals für einen Oscar® nominiert wurde. Erst vor Kurzem gab Dench aufgrund des Verlusts ihrer Sehkraft schweren Herzens ihren Rückzug aus dem Filmbusiness bekannt. 

Helen Mirren denkt noch nicht über den Ruhestand nach. Ein Glück, ist sie doch aktuell unglaublich gefragt und schenkt uns jetzt ein absolutes Kino-Highlight:

Der Thriller EIN TALENT FÜRS MORDEN startet am 5. November!

 

Autor/-in: J. Leipnitz

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