„Dream big“, sagt er in MARTY SUPREME – und man glaubt ihm jedes Wort. Denn Timothée Chalamet lebt diesen Satz: Für seine Hauptrolle in Josh Safdies fiebriger Leinwand-Odyssee ist er zum dritten Mal für einen Oscar® nominiert. Wer ist dieser junge Star, der auf der Karriereleiter etliche Stufen übersprungen hat und plötzlich ganz oben steht?
Die Gesetze der Physik gelten für Timothée Chalamet nicht mehr. Schwerelos schwebt er an der Konkurrenz vorbei, direkt in den Hollywood-Olymp. Denn mit seinen 30 Jahren gilt er als absoluter Favorit auf den diesjährigen Oscar® für den besten Hauptdarsteller – eine Ehre, für die sich sein Kollege und Mitnominierter Leonardo DiCaprio jahrzehntelang die Seele aus dem Leib spielen musste. Was Timothée Chalamet als Tischtennis-Legende Marty Mauser in Josh Safdies erster Solo-Regiearbeit MARTY SUPREME abliefert, ist aber auch der Wahnsinn: rasant, hungrig, völlig furchtlos. Wir stellen den jungen Star vor, der mit immer neuen Transformationen überrascht.

Timmy, wie er von Fans genannt wird, denen die vielen französischen Silben zu viel sind, ist ein Naturereignis. Vielleicht rührt der kindlich klingende Kosename auch daher, dass wir ihn schon seit seiner Teenagerzeit ins Herz geschlossen haben. In diesem Video für die US-amerikanische Kulturstiftung YoungArts versprüht er schon als 17-Jähriger seinen natürlichen Charme und erklärt ganz nebenbei sein wichtigstes künstlerisches Prinzip:
„Das Beste, was dir passieren kann, ist zu scheitern. Komplett auf die Nase zu fallen. Du hast nichts zu verlieren – und alles zu gewinnen.“
Genau das macht Thimothée Chalamets Kunst bis heute aus. Er hält sich nicht an Erreichtes oder Bewährtes, er geht immer einen Schritt weiter, sucht das Risiko, das Neuland. Timmy geht immer all in. Er scheut keine Mühe, egal, ob er jahrelang wie ein Besessener Tischtennis trainiert wie für MARTY SUPREME oder Gitarre und Gesang übt, wie für seine Rolle im Bob-Dylan-Biopic.
Mit 13 sah er Heath Ledgers Darstellung des Jokers in Christopher Nolans THE DARK KNIGHT (2008). Ein Schlüsselmoment. Kurz darauf stand Timothée auch schon vor der Kamera. Seine Familie lebte damals unter eher überschaubaren Bedingungen in New York. „Very middle-class“, wie seine Schwester Pauline, ebenfalls Schauspielerin, sagt. Die Mutter, Nicole Flender, ehemalige Broadway-Tänzerin und heute Immobilienmaklerin, der Vater, Marc Chalamet, Journalist für die französische Zeitung Le Parisien. Die Sommer verbringt er bei seinen Großeltern in der Nähe von Lyon. In Frankreich entdeckt er seine Liebe zum Fußball und spielt kurz mit dem Gedanken Profi zu werden.
Timmy spricht beide Sprachen, hat beide Staatsbürgerschaften und wohl auch eine französische und eine amerikanische Seite: distinguiert und feinfühlig und tatkräftig und wagemutig zugleich. Wir haben seinen Reifeprozess beinahe öffentlich miterlebt: vom schmalen Teenager mit wuscheligem Haar zum Schauspieler, der heute mühelos Blockbuster, Arthouse-Kino, Musical und Biopic trägt. Und doch wirkt nichts davon kalkuliert. Wandel ist bei ihm kein Image, sondern seine zweite Natur. Und, klar, mit 19 spielt er bereits in einem Film von Christopher Nolan.
Nach INTERSTELLAR (2014), in dem er den Sohn des Raumfahrers Cooper (Matthew McConaughey) spielt, bricht er sein Studium der Kulturanthropologie an der Columbia University ab. Der Grund ist pragmatisch: Er will sich ganz auf das Spielen konzentrieren und Studienschulden vermeiden. Aber war es vielleicht auch so, dass er nicht nur den Duft der weiten Welt geschnuppert hatte, sondern auch in Gesellschaft der Oscar®-prämierten Besetzung seinen eigenen Weg im Universum klar vor Augen hatte? Die New York Times vergleicht ihn bald mit James Dean.
Mit 22 folgt sein internationaler Durchbruch: In Luca Guadagninos Coming-of-Age-Liebesdrama CALL ME BY YOUR NAME (2018) spielt er einen Teenager, der sich in einen Studenten seines Vaters verliebt. Der Hollywood Reporter schrieb, keine andere Performance des Jahres habe sich „emotional, physisch und intellektuell so lebendig angefühlt“. Die Oscar®-Nominierung als bester Hauptdarsteller macht Timotheé zu einem der jüngsten Nominierten der Geschichte.
Im selben Jahr spielt er in Greta Gerwigs LADY BIRD an der Seite von Saoirse Ronan und prägt damit endgültig ein anderes Bild von Männlichkeit: androgyn, wandelbar, ernsthaft und verspielt zugleich. Zwei Filme, zwei Welten – und doch dieselbe Wahrhaftigkeit. Über seine persönlichen Präferenzen in Liebesdingen spricht er selten öffentlich. Bekannt sind Beziehungen mit Madonnas Tochter Lourdes Leon und Johnny Depps Sprössling Lily-Rose. Seit 2023 ist er mit Kylie Jenner liiert.
Nachdem Timothée 2019 noch ein einmal mit Saoirse Ronan für Greta Gerwigs Historiendrama LITTLE WOMEN vor die Kamera trat, übernahm er eine Reihe von Rollen, die sein Image konterkarierten und neu zusammenfügten. In David Michôds THE KING (2019) legt er als Heinrich V. von England die Rüstung an und reift an der Last der Verantwortung vom Kind zum Herrscher.
Nachdem Wes Anderson ihm für THE FRENCH DISPATCH (2021) die Rolle des Studentenrevolutionäres Zeffirelli auf den Leib schrieb, folgte BONES AND ALL (2022), Timothées zweite Zusammenarbeit mit Luca Guadagnino. Auf den ersten Blick ein Kannibalendrama, in dem verlorene Seelen das Bedürfnis verspüren, alle Menschen zu töten und zu verspeisen, die sie lieben – auf den zweiten ein romantisches Außenseiter-Roadmovie.
Ein delikates Thema, jedoch zündete Thimothée nicht nur bald darauf in Peter Kings wesentlich appetitlicherer Road-Dahl-Adaption WONKA (2023) eine weitere Raketenstufe seiner Karriere – sondern offenbarte auch noch ganz andere Talente. Er sang und tanzte wie eine ganze Broadway-Show. Der Guardian schrieb von einem „absoluten Weihnachtsgenuss“ und nannte Timothée „gleichermaßen elfen- und koboldhaft“.
Oder einfach Schwebeschoki, so fein und leicht, dass er auch als Gesicht für Chanel, inszeniert von Martin Scorsese, eine formidable Figur machte. Apropos Scorsese: Man könnte Chalamet mit Leonardo DiCaprio oder Robert De Niro vergleichen. Genau das hört man derzeit häufig, gerade im Hinblick auf die Oscars®. Doch Timothée Chalamet tritt in niemandes Fußstapfen – sein eigener Fußabdruck ist längst unverkennbar. Er spielt in seiner eigenen Liga und ist, mit nun 30 Jahren und schon dreimal für den Academy Award® nominiert, bereits einer der ganz Großen. Dabei hat er sich trotz seines Weltruhms eine scheue Zugänglichkeit bewahrt. Als 2024 in New York mehr als 10.000 Menschen zusammenkamen, um einen Timothée-Chalamet-Lookalike-Wettbewerb abzuhalten, erschien das Original kurzerhand selbst. Solche Überraschungsaktionen setzt er aktuell geschickt für MARTY SUPREME ein. Allein seine verrückten Aktionen rund um den Filmstart in den USA sind Oscar®-reif:
Moment. Die dunklen Locken – wo sind sie? Das fragten sich in letzter Zeit viele Zuschauer besonders der US-amerikanischen Talkshows, in denen Timothée Chalamet mit raspelkurzen Haaren erschien. Erklärung: Die Haare fielen den Dreharbeiten zum dritten Teil von DUNE zum Opfer. Und noch eine Frage beschäftigte das Internet: Führt Chalamet ein geheimes Doppelleben als UK-Rapper? Monatelang spekulierten erst der Underground und dann die Massen: Ist Timmy etwa der maskierte Rapper Es Dee Kid? Die fulminante Auflösung gab’s in Form dieser Kollaboration:
Wir sind gespannt, wohin es Chalamet noch treibt. Aber erstmal erleben wir ihn als Phänomen an der Tischtennisplatte. In dem von Josh Safdie atemlos inszenierten Kinotrip MARTY SUPREME jagt er auf der Suche nach Ruhm einmal um die Welt. Wie gesagt: Man kann gar nicht groß genug träumen.
MARTY SUPREME startet am 26. Februar in den deutschen Kinos.
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Autor/-in: A. Smithee
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