Bed Rest

Rosemarie und ihre Babys: Diese Film-Kinder sind ein Albtraum!

Sebastian Billingsley-Rodriguez
BED REST, Rechte bei Tobis

Das Böse hat viele Gesichter. Manche davon sind sogar ganz knuddelig. Aber nur auf den ersten Blick ...

... denn unschuldig wirkende Kinder können einem eine Heidenangst einjagen! Das muss auch Julie (Melissa Barrera) erfahren, die in BED REST seltsame Begegnungen in ihrem neuen Heim macht. Gleich nach der Vorschau auf den neuen Psychothriller der Produzenten von SCREAM haben wir die gruseligsten Kinder in Horrorfilmen unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die lieben Kleinen das Genre in unterschiedlichsten Erscheinungsformen bereichern. Besonders beliebt sind Kinder des Teufels, verfluchte Kinder und das reine Böse im Mini-Format. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind ein Albtraum!

 

Kleine Anti-Held:innen: Kinder mit beängstigenden Superkräften

Normalerweise ist es ein Grund zur Freude, wenn der eigene Nachwuchs ein besonderes Talent entwickelt. Die Eltern der folgenden Kinder entdecken jedoch, dass deren Superkräfte ihnen und anderen schnell gefährlich werden können. Im Fall der kleinen Charlie (Drew Barrymore) sogar brandgefährlich. Ein Wutanfall reicht und schon steht das Haus in Flammen. Im Umgang mit dem FEUERTEUFEL, wie die erste Verfilmung von Stephen Kings Roman von 1984 betitelt ist, ist daher stets pädagogisches Geschick gefragt. Das muss auch Zac Efron schmerzlich lernen, der in der Neuverfilmung FIRESTARTER (2022) den Vater der zwölfjährigen Charlie spielt:


Bei den nicht nur optisch auffälligen Kindern aus dem DORF DER VERDAMMTEN steckt hinter ihrer Hochbegabung ebenfalls mörderisches Potential. Mit Hilfe von Gedankenkontrolle treibt der Nachwuchs aus diesem Sci-Fi-Horror-Klassiker seine Umgebung in den tödlichen Wahnsinn. Während die erste Verfilmung von 1960 Kritiker:innen überzeugen konnte, kam John Carpenters Version von 1995 trotz Star-Besetzung mit Kirstie Alley und Christopher Reeve weniger gut weg.

 

Besondere Talente entwickelt auch der Adoptivsohn der Familie Breyer in James Gunns BRIGHT BURN: SON OF DARKNESS (2019). Der erinnert mit seinen Superkräften stark an Superman. Allerdings scheint er sich weniger dem Schutz als vielmehr der Ausrottung der Menschheit verschrieben zu haben. Seine verängstigte Mutter (Elizabeth Banks) versucht – wie die meisten Eltern dämonischer Kinder – erzieherisch auf ihn einzuwirken. Mit mäßigem Erfolg. 

 

Was aber passiert, wenn die Eltern überhaupt keine Ahnung von der speziellen Begabung ihrer Kinder haben und diese zornigen kleinen Wesen sich selbst überlassen, zeigt THE INNOCENTS (2022) auf fast unerträgliche Weise. Der norwegische Horror-Thriller ist der beste Beweis dafür, dass Grausamkeit keine Frage des Alters ist, was einen als Zuschauer:in nur umso fassungsloser zurücklässt.

 

Eine wohltuende Ausnahme unter diesen Kindern ist Danny Torrance. Der setzt sein „Shining” in der gleichnamigen Verfilmung nach Stephen King von 1980 nicht ein, um Böses zu tun. In der Szene, in der Danny mit einem Messer in der Hand vor seiner schlafenden Mutter steht und „Redrum” vor sich hin krächzt, bekommt man aber trotzdem Gänsehaut.

 

Satansbraten: Kinder des Teufels

Kommen wir zu einer weiteren Gruppe von gruseligen Bälgern: es sind die Kinder des Teufels, die vor allem in den 70er Jahren ihr Unwesen in den Kinosälen der Welt trieben. Das Grauen um den Titelcharakter in Roman Polanskis ROSEMARIES BABY (1968) baut sich schleichend auf, lange bevor der unheilige Spross das Licht der Welt erblickt.

Und wir bekommen ihn noch nicht einmal zu Gesicht. Aber der Terror in Rosemaries Gesicht beim ersten Anblick ihres Babys, das sie Adrian nennt, überträgt sich direkt auf das Publikum. Wo Polanskis Meisterwerk endet, beginnt ein weiterer Klassiker des Genres: DAS OMEN (1976). Dem Diplomatenpaar Katherine (Lee Remick) und Robert Thorn (Gregory Peck) wird ein Baby untergejubelt, das auf den ersten Blick das lang ersehnte Familienglück bringt. Doch mit seinem fünften Geburtstag häufen sich plötzliche Todesfälle in Damiens (Harvey Spencer Stephens) Umfeld. Als Familie Thorn begreift, dass sie den Antichristen beherbergt, ist es schon zu spät. Dabei kann Damien selbst scheinbar kein Wässerchen trüben. 

Er überlässt die Drecksarbeit seinem Kindermädchen (Billie Whitelaw) und einem Rudel von Rottweilern. Damien und Adrian sind aber noch gar nichts gegen den Anblick der von einem teuflischen Dämonen besessenen 12-Jährigen Regan in DER EXORZIST.

 

Sie ließ das Kinopublikum 1973 vollkommen verstört zurück. Wer es überhaupt bis zum Ende des Films im Kinosessel aushielt, musste mit Riechsalz behandelt werden oder suchte sich psychologische Hilfe. Doch auch für Jungdarstellerin Linda Blair, die dem Film einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung verdankt, war die Arbeit am Film der reinste Horror. Das lag nicht etwa an der großartig widerlichen Maske oder dem Thema der Teufelsaustreibung, sondern vielmehr an den grausamen Bedingungen, unter denen Regisseur William Friedkin den Cast bei den Dreharbeiten leiden ließ. Minustemperaturen, Provokation und körperliche Übergriffe hinter der Kamera sorgten für echte Verstörung vor der Kamera. Das hinderte Linda Blair allerdings nicht daran, vier Jahre später wieder vor die Kamera zu treten und den zweiten Teil (diesmal unter der Regie von John Boorman) mit Richard Burton als exorzierender Priester zu drehen.

 

Besuch aus dem Jenseits: Verfluchte und untote Kinder

Ein beliebtes Horror-Motiv, das hier auf keinen Fall fehlen darf, sind durch einen gewaltsamen Tod verfluchte Kinder, die den Schrecken, den sie erlebt haben, in die Welt der Lebenden weitertragen. Noch heute laufen einem beim Anblick der adrett gekleideten Zwillinge aus SHINING eiskalte Schauer über den Rücken. Ihre Einladung an Danny, mit ihnen zu spielen – „für immer und immer und immer” – lehnt er Gott sei Dank ab. 

Ganz anders sieht der verfluchte Nachwuchs aus, der sich auf der Leinwand in den 2000er Jahren an jedem gerächt hat, der in seine Nähe kam: Schwarze Kinderaugen, die einen durch dunkles, strähniges Haar anstarren, während sich der kleine, blasse Körper in unheiligen Verrenkungen auf einen zubewegt. Das ist der Stoff, aus dem Albträume gemacht sind! In THE GRUDGE - DER FLUCH (2005) ist es der kleine Toshio (Yuya Ozeki), der mit seiner Mutter (Takako Fuji) sämtliche Gäste in seinem Zuhause im wahrsten Sinne zu Tode erschreckt.

 

In RING (2003) ist es Samara (Daveigh Chase), die ungebeten aus Fernsehbildschirmen kriecht und jedem, der ihr verfluchtes Heimvideo ansieht, innerhalb von sieben Tagen das Licht ausknipst. Auch sie ist angetrieben von einem dunklen Geheimnis ihrer Vergangenheit. Und genau wie Toshio ist sie, obgleich längst verstorben, einfach nicht totzukriegen. Und so trieb Samara in diversen Fortsetzungen des Films noch ihr Unwesen, zuletzt 2017 in RINGS.

 

Apropos nicht totzukriegen: Auch untote Kinder verbreiten in Filmen gerne Angst und Schrecken. Der kleine Gage (Miko Hughes) verdankt seine Wiederauferstehung von den Toten in der Stephen King-Verfilmung FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (1989) der guten Absicht seines Vaters (Dale Midkiff). Nachdem der seinen Sohn auf eben diesem Friedhof begraben hat, bekommt er nicht, wie erhofft, sein schmerzlich vermisstes Kind wieder, sondern einen mordlustigen Zombie. 30 Jahre nach der ersten Verfilmung hauchte man Kings Roman 2019 erfolgreich neues Leben ein.

 

Eine andere Form des jungen Wiedergängers sehen wir in dem schwedischen Horror-Drama SO FINSTER DIE NACHT. Das seltsame Mädchen Eli (Lina Leandersson) ist ein Vampir. Das macht ihrem Freund, dem Nachbarsjungen Oskar (Kåre Hedebrant), allerdings weniger zu schaffen als seine menschlichen Mitschüler, die ihn bis aufs Blut drangsalieren. Zunächst stillt Eli ihren Durst mit Hilfe ihres erwachsenen Beschützers (Per Ragnar). Aber irgendwann geht Eli selbst auf die Jagd… In Matt Reeves' Neuverfilmung spielte der Kinderstar Chloë Grace Moretz die Rolle des Vampirmädchens.

 

Der Regisseur des schwedischen Originals, Tomas Alfredson, meint: „Eli ist eine komplexe Persönlichkeit. Sie ist grausam, aber sie ist nicht bösartig“. Das lassen wir mal so stehen. 

Das absolut Böse: Mordlustige Kinder

Bösartig UND grausam sind dafür die Horror-Kinder der letzten Kategorie, die Dr. Loomis (Donald Pleasence) aus HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS (1979) so beschreibt: 

„Ich traf auf ein 6-jähriges Kind, mit einem blassen, farblosen, emotionslosen Blick und den schwärzesten Augen. Teuflischen Augen. [...] Ich wusste zu gut, was sich hinter diesen Augen verbirgt… das absolut Böse.“ 

Manche holen sich die mordlustigen Minis unwissend in die eigene Familie, wie in Filmen wie ORPHAN - DAS WAISENKIND.

 

Andere haben die teuflische Brut selbst großgezogen. Besonders verstörend an diesen Kindern ist, dass sie scheinbar grundlos und abgrundtief böse sind. So wie Macaulay Culkin, der nach seiner Rolle als Einbrecherschreck Kevin in Sachen Gewalt im Thriller DAS ZWEITE GESICHT (1993) noch einen Gang höher schaltet. Aber selbst er ist fast harmlos im Vergleich zu dem Kind, das Dr. Loomis meint. Die Rede ist natürlich vom kleinen Michael, der zu Halloween keine Süßigkeiten sammeln geht, sondern lieber eine beispiellose Karriere als Massenmörder beginnt.

 

Früh übt sich, denkt wohl auch die achtjährige Rhoda (Patty McCormack), die in BÖSE SAAT (1956) auf brutale Art und Weise jeden aus dem Weg räumt, der ihr im Weg ist. In ihrem von weizenblonden Zöpfen umrahmten Köpfchen kommt kein Funken schlechtes Gewissen auf.

 

Im Gegenteil. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihrer Mutter ihre Taten beschreibt, lässt dieser das Blut in den Adern gefrieren. Man stelle sich nun vor, was eine ganze Horde dieser Kinder anrichten kann. Das bekommen wir in der Stephen King-Verfilmung KINDER DES ZORNS zu sehen. Darin rotten sich die Kinder eines Dorfes zusammen und löschen alle Bewohner aus. 

 

In ihrem neuen Kinofilm BED REST bekommt SCREAM-Star Melissa Barrera es gleich mit drei Jungs zu tun. Anfangs freut sich die werdende Mutter über die kleinen Racker. Aber schnell beschleicht sie ein schrecklicher Verdacht ...

 

Melissa Barrera
BED REST, Rechte bei Tobis

Sind diese Kinder Satansbraten, Untote oder das reine Böse? Das erfährst du ab dem 15. Juni nur im Kino!

Autor/-in: J.Leipnitz

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