„Ja, is’ denn heut’ scho’ Weihnachten?“, fragte Franz Beckenbauer in einem legendären Werbespot, der durch seinen charmanten Münchner Akzent zum geflügelten Wort wurde. Nein, antworten wir und legen schon mal den Fan-Schal um. Aber bald ist wieder WM!
Nämlich diesen Sommer. Vier Jahre vergehen schnell, und dann muss das Runde wieder so dringend ins Eckige, dass die Welt sechs Wochen lang den Atem anhält. Vier Mal hat die deutsche Mannschaft den Titel schon geholt. Jedes Mal waren es auch Meilensteine auch für das nationale Selbstgefühl, wie 1954 beim „Wunder von Bern“, als die junge Bundesrepublik wieder auf dem internationalen Rasen mitspielte. Oder 1990, als gerade die Mauer gefallen war. Die Dokumentation EIN SOMMER IN ITALIEN – WM 1990 lässt uns diesen Fußballtraum noch einmal erleben – aus Sicht der Spieler.
Was zählt, ist auf dem Platz. Das stimmt. „Aber Weltmeister ist man immer, das bleibt“ sagt Rudi Völler. Deshalb kommt hier (natürlich ohne Anspruch auf Objektivität) unsere Top 10 der größten Helden des deutschen Fußballs.
Miroslav Klose, geboren 1978 in Opole, Polen, gilt als einer der effektivsten Mittelstürmer seiner Generation und ist mit 16 Toren bei vier Weltmeisterschaften Rekordhalter und Deutschlands bester Nationalmannschaftstorschütze aller Zeiten. Insgesamt trat er zu 137 Länderspielen an, in denen er 71 Tore erzielte. Klose wurde mit dem Team von 2014 Weltmeister.

In EIN SOMMER IN ITALIEN – WM 1990 sehen wir Rudi Völler, geboren 1960 in Hanau, noch als Mittelstürmer. Doch auch als Trainer und Funktionär zählt er zu den prägenden Figuren des deutschen Fußballs, bekannt für sein bodenständiges Auftreten und seine Loyalität. In Italien erhielt er wegen seiner Kopfballstärke den Spitznamen „Il tedesco volante“ („Der fliegende Deutsche“). Nach seinem Karriereende 1996 wurde Völler Sportdirektor bei Bayer Leverkusen, wo er das sportliche Profil über zwei Jahrzehnte maßgeblich prägte. Von 2000 bis 2004 betreute er die deutsche Nationalmannschaft, mit der er das WM-Finale erreichte.

Auch wenn es nur für den dritten Platz reichte: Das Sommermärchen 2006 schrieb Völlers Teamkollege Jürgen Klinsmann (geboren 1964 in Göppingen) als Trainer. Als Spieler für die deutsche Nationalmannschaft erzielte Klinsmann in seiner Laufbahn 47 Tore. Höhepunkte waren der Weltmeistertitel 1990 in Italien und der Europameistertitel 1996 in England. Er spielte in drei Weltmeisterschaften und gilt als einer der besten deutschen Angreifer der Nachkriegszeit. Klinsmann funktionierte als Innovator, der sportpsychologische und fitnessorientierte Methoden in den Profifußball einführte. Er nahm als Spieler wie auch als Trainer nachhaltig Einfluss auf die Entwicklung des internationalen Fußballs.
Philipp Lahm (geboren 1983 in München) gilt als einer der besten Außenverteidiger seiner Generation. Er war langjähriger Kapitän des FC Bayern München und der deutschen Fußballnationalmannschaft. Zwischen 2004 und 2014 bestritt Lahm 113 Länderspiele (5 Tore). Als Kapitän führte er Deutschland 2014 in Brasilien zum Weltmeistertitel. Lahm war bekannt für taktische Intelligenz, Fairness (nie eine Rote Karte!), präzises Stellungsspiel und besonnenes Auftreten. Trainer Pep Guardiola bezeichnete ihn als „intelligentesten Spieler“, den er je trainiert habe. Nach seiner aktiven Zeit nutzt Lahm sein außergewöhnliches fußballerisches Gespür für eine eigene Kolumne bei der ZEIT.
Manuel Neuer, geboren 1986 in Gelsenkirchen, gehört zu den besten Torhüter aller Zeiten und prägte das moderne „Sweeper-Keeper“-Spiel. Seit 2011 steht er beim FC Bayern München unter Vertrag und wurde 2014 mit der DFB-Auswahl Weltmeister. Zwischen 2009 und 2024 absolvierte er 124 Länderspiele. Neuer revolutionierte das Torwartspiel durch seine Rolle als „liberohafter“ Keeper, der aktiv am Spielaufbau teilnimmt und weit vor dem Tor agiert. Seine Reaktionsschnelligkeit, Präzision im Passspiel und Antizipation machten ihn zum Vorbild einer ganzen Torhütergeneration.
Uwe Seeler (1936–2022) war eine Symbolfigur des Nachkriegsfußballs. Als Spieler des Hamburger SV und langjähriger Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wurde er für sportliche Klasse, Fairness und Bodenständigkeit verehrt. Seeler debütierte 1953 in der ersten Mannschaft des HSV und blieb ihm während seiner gesamten Laufbahn verbunden. Ein Millionenangebot von Inter Mailand lehnte er 1961 ab. Für die DFB-Auswahl bestritt Seeler vier FIFA-WM-Endrunden (1958–1970) und führte das Team 1966 als Kapitän ins legendäre Zitterfinale von Wembley gegen England. Er war der erste Spieler, der in vier Weltmeisterschaften traf, und gilt als zentraler Akteur des westdeutschen Fußballaufbaus der Nachkriegszeit.
Noch heute ist die Rede von „Fritz-Walter-Wetter“, wenn es in Strömen regnet. Fritz Walter (1920–2002) war der Mannschaftskapitän, der das Team der Bundesrepublik Deutschland 1954 zum ersten Weltmeistertitel führte. Als Symbolfigur des „Wunders von Bern“ steht er für den Wiederaufstieg Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und gilt als einer der größten deutschen Fußballer des 20. Jahrhunderts. Walter war bekannt für Bescheidenheit, Fairness und Loyalität. Er lehnte Angebote aus dem Ausland ab und blieb seinem Heimatverein, dem 1. FC Kaiserslautern, treu. Nach seiner aktiven Karriere engagierte er sich sozial, unter anderem in der Resozialisierung von Strafgefangenen.
Gerd Müller (1945–2021) zählt zu den größten Torjägern aller Zeiten. Als „Bomber der Nation“ wurde er mit dem FC Bayern München und der DFB-Nationalmannschaft zu einer Legende des internationalen Fußballs. Für die Nationalelf erzielte Müller 68 Tore in 62 Spielen – darunter den Siegtreffer im WM-Finale 1974 gegen die Niederlande und vier Tore bei der Europameisterschaft 1972, die Deutschland gewann. Schon 1970 war er WM-Torschützenkönig mit 10 Treffern in Mexiko und wurde im selben Jahr zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Gerd Müller erzielte zwischen 1964 und 1979 in 427 Bundesliga-Spielen 365 Tore. Dieser Rekord ist bis heute ungebrochen.

Lothar Matthäus (geboren 1961 in Erlangen) ist einer der herausragendsten Mittelfeldspieler seiner Generation und eine Symbolfigur des deutschen Fußballs, insbesondere durch den Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 als Mannschaftskapitän. Seine Vielseitigkeit erlaubte ihm, sowohl als offensiver Mittelfeldspieler als auch als Libero Weltklasseleistungen zu zeigen. Seine Dynamik, Torgefahr und Führungsstärke machten ihn zum zentralen Spieler der Ära Beckenbauer. Franz Beckenbauer nannte ihn den „perfekten Spieler“, während Diego Maradona ihn als härtesten Gegner seiner Karriere bezeichnete. Seine Kombination aus Technik, Physis und Spielintelligenz prägt das Bild des modernen Mittelfeldspielers bis heute. Niemand ist öfter für den DFB angetreten als er, nämlich 150 Mal.
Der Thron gebührt dem Kaiser, der die deutsche Mannschaft 1974 als Kapitän zum WM-Titel führte und später auch als Bundestrainer Weltmeister wurde. Franz Beckenbauer (1945–2024) war Spieler, Trainer und Funktionär und ist einer der größten Akteure der Fußballgeschichte. Er begann seine Profikarriere 1964 beim FC Bayern München, wo er den Aufstieg in die Bundesliga mitgestaltete und den Klub in den 1970er-Jahren zu internationalem Ruhm führte. Als Libero leitete er das Spiel aus der Abwehr heraus und führte Bayern zu drei aufeinanderfolgenden Europapokal-der-Landesmeister-Siegen (1974–1976). Nach Stationen bei New York Cosmos (neben Pelé) und dem Hamburger SV beendete er 1983 seine aktive Laufbahn, übernahm – ohne Trainerschein – das DFB-Team und führte es 1986 ins WM-Finale sowie 1990 in Italien zum Titel.

Damit wurde er einer von nur drei Menschen, die den WM-Pokal als Spieler und Trainer gewannen. Als Präsident des FC Bayern (1994–2009) und Vizepräsident des DFB war er maßgeblich am erfolgreichen Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, beteiligt. Auch über seinen Tod hinaus ist „Der Kaiser“ eine Ikone des Weltfußballs.
Manche Spieler haben noch heute Tränen in den Augen, wenn sie erzählen, wie Beckenbauer dieses legendäre Team zu einer Einheit formte. Die bewegende Doku EIN SOMMER IN ITALIEN – WM 1990 ist hautnah dabei: im Allerheiligsten, in der Kabine, hinter den Türen des WM-Quartiers, im Mannschaftsbus. Die Helden von Rom berichten intim wie nie, wie sie selbst die großen Momente erlebt haben – die Jahrhundertspiele von Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann, den legendären Siegestreffer von Andi Brehme oder das Wahnsinns-Elfmeterschießen im Halbfinale gegen England. So erleben wir die WM 1990 noch einmal vollkommen neu: aus der Sicht der Spieler.
Ab 19. März – nur im Kino!
Autor/-in: A. Smithee