THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP

Gegen alle Widerstände: 7 herausragende Filme über mutige Frauen, die über sich hinauswachsen

Sydney Sweeney, Bryan Hibbard, Chad Coleman
THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP, Rechte bei Tobis

Sich gegen Widerstände zu behaupten, erfordert Mut. Das gilt besonders für die folgenden Frauen, deren Kampf um Selbstbestimmung Stoff für großartige Filme wurde.

Im Boxring war sie ein Champion. In den eigenen vier Wänden jahrelang Opfer von Misshandlungen ihres eigenen Mannes, der 2010 sogar versuchte, sie zu töten: Boxlegende und Sportpionierin Christy Martin überlebte wie durch ein Wunder. Ihre unfassbare, wahre Geschichte erzählt das packende Biopic THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP. Auch die folgenden hervorragend bewerteten Filme erzählen von Frauen, die sich gegen Widerstände behaupten, Ungerechtigkeit die Stirn bieten und ihren eigenen Weg gehen.

ANGEKLAGT (1989)

Für die junge Sarah Tobias (Jodie Foster) wird ein Flirt in einer Bar zu einem Albtraum. Eine Gruppe von Männern vergewaltigt sie, während anwesende Gäste nur zuschauen. Einige feuern die Täter sogar an. Weil Sarah, die zur Arbeiterklasse gehört, in den Augen ihrer Anwältin Kathryn Murphy (Kelly McGillis) vor Gericht kein gutes Opfer abgeben würde, handelt Murphy einen Deal aus. In der Folge wird Sarah als „Schlampe“ angegangen und landet schließlich im Krankenhaus. Murphy rollt den Fall nochmal neu auf und gibt Sarah die Möglichkeit, endlich ihre Stimme zu erheben.

 

In den USA wird etwa jede Minute eine Frau Opfer eines sexuellen Übergriffs. ANGEKLAGT, der auf einem wahren Fall beruht, war der erste Hollywood-Film, der die Folgen einer Vergewaltigung konsequent aus der Perspektive des Opfers erzählt und dabei auch den oft damit verbundenen Themen wie Schuldumkehr, dem sogenannten „Slutshaming“ und den psychischen Folgen für die Frauen Raum gibt. Der Film hatte auch greifbare Konsequenzen: Im Zuge des Kinostarts machte McGillis erstmals öffentlich, dass sie selbst nur wenige Jahre vor den Dreharbeiten von zwei Männern vergewaltigt worden war und gab so anderen Betroffenen eine Stimme. Die Rolle der Sarah Tobias, die ihr ursprünglich angeboten worden war, hatte sie abgelehnt und stattdessen die Staatsanwältin gespielt, um ihr eigenes Trauma zu verarbeiten. Die Hauptrolle ging schließlich an Jodie Foster, die dafür ihren ersten Oscar® gewann.  

IMDb-Wertung: 7,1 

SHE SAID (2022)

Harvey Weinstein gilt als einer der mächtigsten Filmproduzenten Hollywoods. Hinter den Kulissen kursieren seit Jahrzehnten Gerüchte über sein Verhalten gegenüber Frauen. Als die New-York-Times-Reporterinnen Megan Twohey (Carey Mulligan) und Jodi Kantor (Zoe Kazan) den Vorwürfen nachgehen, stoßen sie auf ein systematisches Problem, das sich durch sämtliche Ebenen Hollywoods zieht. Zahlreiche Frauen wurden Opfer von sexueller Belästigung und Übergriffen. Die meisten von ihnen wurden mit Verschwiegenheitsvereinbarungen oder Einschüchterungen zum Schweigen gebracht. Trotz aller Widerstände gelingt es den Journalistinnen, das Vertrauen der Frauen zu gewinnen und einen der größten Missbrauchsskandale Hollywoods aufzudecken.

 

SHE SAID basiert auf den Recherchen von Megan Twohey und Jodi Kantor, deren Enthüllungen in der New York Times 2017 die weltweite #MeToo-Bewegung ins Rollen brachten. Für ihre Arbeit wurden die beiden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Ashley Judd, eines der prominenten Opfer, deren Karriere von Weinstein gezielt torpediert wurde, nachdem sie seine Avancen ablehnte, spielt sich selbst im Film.

IMDb-Wertung: 7,3 

ERIN BROCKOVICH (2000)

Erin Brockovich (Julia Roberts) wendet sich an den Anwalt Ed Masry (Albert Finney), nachdem sie durch einen Autounfall verletzt wurde. Doch die arbeitslose, alleinerziehende Mutter von drei Kindern verliert den Fall vor Gericht. Um ihre Schulden bei Masry zu begleichen, unterstützt sie ihn bei einem zunächst unscheinbaren Immobilienrechtsfall – und stößt dabei auf einen der größten Umweltskandale der US-Geschichte.

 

Erin Brockovich bekam mit Julia Roberts ein prominentes Gesicht, das ihren Kampf für Gerechtigkeit auf die große Leinwand brachte – und Roberts bekam einen Oscar®. Mit Brockovichs Hilfe erstritt die Kanzlei vor Gericht einen Schadensersatz in Höhe von 333 Millionen US-Dollar für hunderte Bürger:innen, die von einem Energieversorger über Jahrzehnte hinweg vergiftet worden waren. Noch heute arbeitet Erin Brockovich unermüdlich an Fällen, die mit Umweltverschmutzung zu tun haben und engagiert sich weltweit für besseren Umweltschutz.

IMDb-Wertung: 7,5 

I, TONYA (2018)

Seit sie ein kleines Kind ist, wird Tonya (Margot Robbie) von ihrer Mutter LaVona (Allison Janney) mit Hohn und körperlicher Züchtigung „erzogen“. Das ändert sich auch nicht, als Tonya sich zu einem echten Ausnahmetalent im Eiskunstlauf entwickelt. Obwohl sie der Konkurrenz technisch und athletisch überlegen ist, unterliegt sie in Wettbewerben, denn ihre ärmliche Herkunft und zerrüttete Familie passen nicht zu dem Hochglanz-Image einer erfolgreichen Eiskunstläuferin. Das hindert Tonya nicht daran, an den Olympischen Winterspielen 1994 teilzunehmen. Dort trifft sie auf ihre Rivalin Nancy Kerrigan …  

 

Der Angriff auf Hardings Konkurrentin Nancy Kerrigan im Vorfeld der Olympischen Winterspiele war einer der größten Skandale der Sportwelt. Inwieweit Tonya Harding darin verwickelt war, ist bis heute umstritten. Das Drama von Craig Gillespie löst diese Situation clever auf. I, TONYA zeigt keine strahlende Heldin. Er erzählt von einer unglaublich talentierten jungen Frau, die erst Opfer ihrer Familie wurde und dann immer wieder auch an ihren eigenen Entscheidungen scheiterte. Aber er erzählt auch von einer Frau, die immer wieder aufgestanden ist. Der Angriff auf Kerrigan kostete sie ihre Karriere. Ihr Glück hat Harding, die verheiratet ist und einen Sohn hat, mittlerweile gefunden. Zu ihrer Mutter hat sie seit Jahrzehnten keinen Kontakt.

IMDb-Wertung: 7,5 

MORGEN IST AUCH NOCH EIN TAG (2024)

Rom, 1946. Für die meisten Frauen in Italien ist das Leben nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs so farblos wie die Schwarz-Weiß-Bilder in dieser grandiosen Tragikomödie. Es sind Frauen wie Delia (Paola Cortellesi), für die der Haushalt, die Erziehung ihrer drei Kinder und harte körperliche Arbeit genauso alltäglich sind, wie die Schläge und Erniedrigungen von ihrem cholerischen Ehemann Ivano (Valerio Mastandrea). Als sie einen geheimnisvollen Brief erhält, fasst sie neuen Mut, ihren eigenen Weg zu gehen – für sich und für ihre Tochter.

 

Das italienische Ausnahmetalent Paola Cortellesi schoss mit ihrem unkonventionellen Regiedebüt in Italien 2024 an BARBIE und OPPENHEIMER vorbei an die Spitze der Kinocharts und blieb dort monatelang auf Platz 1. Cortellesi selbst spielt die Heldin in der Geschichte, die trotz des omnipräsenten Patriarchats die kleinen Siege auf dem Weg zur eigenen Unabhängigkeit feiert. Die neorealistischen Bilder erzählen eine sehr charmante, emotionale, aber auch überraschend lustige Geschichte, trotz ihres leider erschreckend aktuellen Themas: häusliche Gewalt.

IMDb-Wertung: 7,7

MILLION DOLLAR BABY (2005)

Die taffe Kellnerin Maggie (Hilary Swank) muss sich regelrecht in den verbitterten Frankie (Clint Eastwood) verbeißen, bis er sich bereit erklärt, ihr Trainer zu werden. Obwohl sie eine Frau ist und dazu auch noch zu alt, um Profi zu werden, lässt sich der wortkarge Einzelgänger von der Amateurboxerin breitschlagen, sie für große Kämpfe fit zu machen. In Frankie findet Maggie das, was ihre eigene Mutter und Geschwister nie für sie waren: Familie.

 

Mit seiner unverwechselbaren filmischen Handschrift fegte Clint Eastwood die Academy vom Hocker und räumte mit seinem MILLION DOLLAR BABY vier Oscars® ab. Einer davon ging an Hilary Swank, die sich für die Rolle 10 Kilogramm Muskelmasse antrainierte und nicht nur im Boxring überzeugte, sondern auch im Krankenbett, in dem ihre Filmfigur nach einem unfairen Kampf landete. Bis zuletzt bestimmt Maggie selbst über ihren eigenen Weg.

IMDb-Wertung: 8,1 

LÜGEN ÜBER MEINE MUTTER (2026)

Eine westdeutsche Provinz in den 1980er Jahren: In der Familie der kleinen Ela (Elise Lindner) beherrscht ein Thema alles: das Körpergewicht ihrer Mutter Cornelia (Rosalie Thomass). Elas Vater Werner (Golo Euler) findet seine Frau zu dick. Immer stärker wird er von der fixen Idee beherrscht, Cornelias Übergewicht sei verantwortlich für alles, was in seinem Leben schiefläuft. Tag für Tag setzt er sie unter Druck und macht sie für seine Unzufriedenheit verantwortlich, während Tochter Ela zwischen den Fronten steht. Doch je größer der Druck wird, desto mehr beginnt Cornelia, sich gegen die Demütigungen aufzulehnen und für sich selbst einzustehen.

 

Die Bestsellerverfilmung nach dem gleichnamigen Roman von Daniela Dröscher erzählt aus der Perspektive der Tochter die Geschichte einer Frau, die unbeirrt ihren eigenen Weg sucht. Cornelias Ringen um Selbstbestimmung und Würde ist ebenso bewegend wie inspirierend – und zeigt eindrucksvoll, wie viel Mut es braucht, sich gegen persönliche wie gesellschaftliche Erwartungen zu behaupten. LÜGEN ÜBER MEINE MUTTER startet im Oktober 2026 in den deutschen Kinos.

IMDb-Wertung: noch ohne Wertung

Bis dahin lassen wir uns von Christy Martins eindrucksvoller Geschichte inspirieren, die so vielen Frauen Mut gibt. Martin befreite sich von ihrem Peiniger und unterstützt bis heute Frauen in den USA, ihrem Beispiel zu folgen. Das mitreißende Drama THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP setzt ihrem Kampf um Selbstbestimmung nun ein würdiges Denkmal.

Ab 3. September nur im Kino.

 

Autor/-in: J.Leipnitz

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