The Father

„Hallo, Clarice!" Anthony Hopkins und Jodie Foster feiern Geburtstag

„Das Schweigen der Lämmer” ist 30 Jahre alt geworden. Um den Geburtstag des außergewöhnlichen Oscar-Gewinners gebührend zu feiern, trafen sich die Stars des Films Jodie Foster und Anthony Hopkins virtuell zum Gespräch in der „Variety”-Reihe „Actors on Actors”.

30 Jahre ist die Veröffentlichung von „Das Schweigen der Lämmer” her und genau wie im Film begegnen sich Jodie Foster alias Clarice Starling und Anthony Hopkins alias Dr. Lecter zum Interview mit einem (pandemiebedingten) Sicherheits-Abstand. Die beiden Stars, die sich 1992 jeweils über einen Oscar für ihre Hauptrollen freuen durften, gerieten ins Schwärmen: über alte Zeiten und über ihre aktuellen Rollen, die Foster einen Golden Globe und Hopkins sogar erneut den begehrten Goldjungen eingebracht haben. Das Gespräch kannst du in voller Länge hier ansehen. Direkt unter dem Video haben wir die besten Momente für dich zusammengestellt.

 

Das Schweigen der Stars

Im Gespräch geben Anthony Hopkins und Jodie Foster seltene Einblicke hinter die Kulissen des berüchtigten Thrillers. Beide gestehen sich, wie beeindruckt, oder besser gesagt geradezu eingeschüchtert sie vom jeweils anderen waren, als die Dreharbeiten zu „Das Schweigen der Lämmer” begannen. Anthony Hopkins gibt zu, größten Respekt vor Jodie Foster gehabt zu haben, weil sie kurz zuvor für „Angeklagt” den Oscar als Beste Hauptdarstellerin gewonnen hatte:

 

Hopkins wiederum habe bei seiner ersten Leseprobe als Kannibale Dr. Lecter laut Foster eine derartige Kälte verströmt, dass sie sich nicht traute, ihn anzusprechen. So sei es während der Dreharbeiten kaum zu persönlichen Gesprächen gekommen.

Vom Skript auf die Leinwand

Für seine ikonische Rolle als kranker Mörder, der einer FBI-Agentin dabei hilft, einen anderen kranken Mörder zu finden, verließ sich Hopkins ganz auf das Drehbuch. Bevor er es gelesen hatte, dachte er aufgrund des Titels, es handle sich um eine Geschichte für Kinder. Naja, fast…

 

Beim Lesen wusste Hopkins gleich, wie er Dr. Lecter anlegen wollte, wie er aussah und wie er sprach:

„Er ist wie eine Maschine, wie HAL, der Computer in „2001: Odyssee im Weltraum”:

‘Guten Abend, Dave.’”

Mit diesem Zitat aus dem Science Fiction-Epos von Stanley Kubrick spielt Hopkins auf die letzte Begegnung von Dr. Lecter und der von Jodie Foster gespielten Agentin Starling in „Das Schweigen der Lämmer” an, bei der Lecter sie mit „Guten Abend, Clarice!” begrüßt:

 

Foster verrät im Gespräch, dass sie ihre Figur ebenfalls aus dem Skript heraus entwickelt habe und zwar als eine verschämte junge Frau, die ihre Stärke aus ihren vergangenen Traumata - den schreienden Lämmern - zieht und dadurch zur Heldin wird. Ganz anders ging Foster ihre letzte Rolle als Staatsanwältin Nancy Hollander im Justizdrama DER MAURETANIER an.

 

Jodie Foster
DER MAURETANIER, Rechte bei Tobis

Es sei für sie das erste Mal, dass sie eine noch lebende, real existierende Person spielt. An dem Film habe sie nicht nur die Rolle einer echten Kämpferin für Gerechtigkeit gereizt, sondern auch die wahre Geschichte des Protagonisten:

„Mohamedou Ould Slahis Story ist unglaublich. Wir alle haben diesen Film seinetwegen gemacht. Weil er jemand ist, der das durchgemacht hat, was er durchmachen musste – 15 Jahre im Gefängnis, ohne dass ihm jemand sagt, was ihm vorgeworfen wird, nachdem er aus seiner Heimat in ein fremdes Land entführt wurde, ohne Grund. Er ist daraus als besserer Mensch hervorgegangen, als jemand, der nach Jahren psychologischer Folter und Isolation nicht wütend, sondern fröhlich und nicht nachtragend ist.”

Das in DER MAURETANIER verfilmte Schicksal von Slahi erinnert Hopkins an einen anderen berühmten Gefängnisinsassen:

„Wie Nelson Mandela…”

Erneute Oscar-Ehren

Als Anthony Hopkins 1992 den Oscar als Bester Hauptdarsteller für seinen rund 16-minütigen Auftritt in „Das Schweigen der Lämmer” entgegen nahm, schien er selbst am meisten überrascht zu sein:

 

Es war einer von fünf Oscars, die der Thriller abräumte. Obwohl der Film ein Jahr vor der Oscarverleihung startete und es mit seinem Genre denkbar schwer hatte, gewann er bei den Academy Awards 1992 in allen fünf Hauptkategorien: Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin. Er war der bislang letzte von drei Spielfilmen überhaupt, dem ein derartiger Durchmarsch gelang. Anthony Hopkins’ aktueller Film THE FATHER hat es - neben zahlreichen weiteren Nominierungen und Preisen - immerhin auf zwei Oscars gebracht. Wie sich das Drama in der Award Season insgesamt geschlagen hat, kannst du hier nachlesen.

Hopkins selbst erhielt für seine Darstellung eines demenzkranken Vaters, der zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert, verdient den Oscar als Bester Hauptdarsteller. Der Trailer zum Film gibt bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die unglaubliche Palette von Emotionen, mit der Hopkins die Zuschauer bewegt:

 

Und tatsächlich haben THE FATHER und „Das Schweigen der Lämmer” laut Hopkins eine wichtige Gemeinsamkeit:

„Zwei Drehbücher haben mich in meiner Karriere direkt beeindruckt. Eines war „Das Schweigen der Lämmer”, das andere THE FATHER. Es war so klar geschrieben. Ich brauchte keine Recherchen. Ich konnte mich ganz einfach in die Rolle hineinfallen lassen.”

Auf die Frage von Jodie Foster, wie er es schafft, den Charakter des Vaters so authentisch zu spielen, sagt Hopkins:

„Ich bin selbst alt. Mein Rücken tut weh. Meine Knie tun weh. Ich brauche kein Method Acting. (lacht)”

 

Anthony Hopkins
THE FATHER, Rechte bei Tobis

Dann wird Hopkins überraschend ernst:

„Ich erinnere mich an die erste gemeinsame Szene mit Olivia Colman. Es traf mich wie ein Schlag, dass mein eigener Vater in mir war. In meiner Rolle krittele ich immer an ihr [Colman] herum. Mein Vater war genauso, bevor er starb, weil er Angst hatte. Nicht gemein, aber gereizt, ängstlich. Es ist schmerzhaft, das zu sehen. Ich wusste, wie ich es spielen muss, weil ich 40 Jahre zuvor gesehen habe, wie mein eigener Vater dasselbe durchmacht.”

  

Anthony Hopkins
THE FATHER, Rechte bei Tobis

Foster, die in ihrer eigenen Familie den geistigen Verfall einer geliebten Person erlebt hat, ist nach der Sichtung von THE FATHER davon überzeugt, dass Hopkins darin eine seiner besten Leistungen abliefert:

„Ich weiß nicht, ob das möglich ist, aber bei dir scheint es so, dass du mit dem Alter immer besser und besser wirst.”

Mit Anthony Hopkins' zweitem Oscar für THE FATHER steht fest: Jodie Foster weiß, wovon sie spricht. Obwohl sie selbst bei den Nominierungen für den Oscar leer ausging, wird ihr neuer Film DER MAURETANIER trotzdem für Gesprächsstoff sorgen. Das Justizdrama über einen Guantanamo-Insassen, dessen Schicksal die ganze Welt bewegte, hat es wirklich in sich:

 

Fosters Co-Star, der französische Schauspieler Tahar Rahim, wurde für seine beeindruckende Leistung in DER MAURETANIER als Bester Hauptdarsteller für einen Golden Globe und für einen BAFTA nominiert. Als Jodie Foster Anthony Hopkins von ihrer Zusammenarbeit mit Rahim erzählt, gerät sie regelrecht ins Schwärmen:

„Mein Co-Star Shailene Woodley und ich waren Zeuginnen einer außergewöhnlichen Performance eines Schauspielers, der nicht schauspielerte, sondern eine echte Transformation vollzog. Es fühlte sich an wie eine kleine geheime Ehre, mit ihm in einem Raum zu sein und seiner Performance zu dienen."

Die frischgebackenen Oscar- und Golden Globe-Gewinner Anthony Hopkins und Jodie Foster erbringen auch 30 Jahre nach ihrem oscarprämierten Meisterwerk schauspielerische Höchstleistungen. THE FATHER und DER MAURETANIER liefern euch 2021 im Kino den Beweis. 

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