„Wenn du mir die Nase brichst, ist das völlig okay.“ So klingt das, wenn eine Schauspielerin für ihre Rolle absolut alles gibt. Wir stellen die beeindruckendsten Verwandlungen weiblicher Hollywood-Stars vor!
Bei den Männern sind extreme körperliche Veränderungen für eine Rolle seit jeher etabliert. Schließlich ist eine drastische Optik bei der Oscar®-Verleihung meist schon die halbe Miete. Seit den 2000ern ziehen die Frauen nach. Mit vollem Körpereinsatz stürzen sie sich in mutige Rollen. So wie aktuell Sydney Sweeney. Die Blondine zeigt sich im Box-Drama THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP von einer ganz neuen Seite und riskierte sogar eine gebrochene Nase! Denn Sweeney verwandelte sich nicht nur äußerlich in die Boxweltmeisterin Christy Martin, sondern schlug tatsächlich im Ring zu und bat auch ihre Szenenpartnerin, die Kampfsportlerin Katy O’Brian, volles Risiko zu gehen:
„Wenn du mir die Nase brichst, ist das völlig okay.“

Das Ergebnis ist eine Leistung, die die Kritik an Hilary Swank in MILLION DOLLAR BABY erinnert. Überhaupt befindet sich Sweeney mit ihrer Kompromisslosigkeit in bester Gesellschaft: Hier kommen fünf Schauspielerinnen, die in ihren Rollen kaum wiederzuerkennen sind!
Bevor sie 2005 für MILLION DOLLAR BABY ihren zweiten Oscar® gewann, wagte Hilary Swank etwas, was sich vor ihr kaum eine Hollywood-Schauspielerin traute: Sie veränderte ihr Äußeres für eine Rolle so drastisch, dass man sie auf den ersten Blick nicht erkannte. Um den Transmann Brandon Teena, der in einem Kaff in Nebraska ein neues Leben beginnen will, glaubhaft zu verkörpern, lebte Swank wochenlang in ihrem Alltag als Mann. Sie schnitt sich die lange Mähne kurz, nahm Stimmtraining und absolvierte intensive Workouts, die ihren Körperfettanteil auf sieben Prozent senkten. Dadurch verschwanden ihre weiblichen Kurven und ihre Gesichtsstruktur wirkte maskuliner. Nachbarn dachten, ihr Bruder wäre vorübergehend bei ihr eingezogen.
Swanks Mut wurde mit dem Oscar® belohnt und trat einen Trend unter Schauspielerinnen los, die sich für Hauptrollen immer öfter optischen Veränderungen unterzogen. Aber ihre Rolle hatte auch eine Schattenseite. In der Zeit, in der sie privat als Mann lebte, begegnete ihr der Hass, dem Transpersonen oft ausgesetzt sind und der den realen Brandon Teena schließlich das Leben kostete. Diese Erfahrungen hinterließen dauerhafte Spuren bei Swank:
„Ich war wirklich enttäuscht von der Menschheit, weil die Leute nicht akzeptieren und sehen konnten, dass wir alle einfach nur lieben und geliebt werden wollen.“
Weiter geht es mit der Grande Dame des Schauspiels. Meryl Streep verschwindet in jeder Rolle. Ihr Geheimnis: Sie erschließt sich ihre Figuren über die Frisur. Aber eine echte historische Persönlichkeit zu spielen, ist nochmal eine ganz andere Nummer. Bei der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher kamen neben der Perücke auch noch falsche Zähne, eine kleine Nasenprothese und natürlich jede Menge Make-up zum Einsatz.
Die erste besondere Herausforderung dieser Rolle lag darin, die gefürchtete britische Politikerin über mehrere Lebensphasen darzustellen. Die zweite war der markante Akzent Thatchers, den die US-Amerikanerin Streep auf den Punkt traf. Ihr dritter Oscar® war gesetzt.
Für THE HOURS verwandelte sich Nicole Kidman hauptsächlich dank einer künstlichen Latexnase in die britische Schriftstellerin Virginia Woolf. Insgesamt verbrachte sie jeden Drehtag drei Stunden in der Maske, die sie so verfremdete, dass sie tatsächlich nicht mehr zu erkennen war. Die an schweren Depressionen leidende Woolf erforschte Kidman allerdings noch tiefer:
„Das Körperliche geht mit dem Emotionalen einher. Virginia war so außergewöhnlich. Ich musste in jeden Moment eintauchen, die Wahrheit darin finden und ihn fühlen. Die Nase war die zusätzliche Ebene, während das Wesentliche im Inneren lag.“
Woolfs Lebensmüdigkeit, aber auch ihre tiefe Liebe zu ihrem Mann transportierte Kidman mit einer Virtuosität, dass an ihr bei der Oscar®-Verleihung kein Vorbeikommen war. Der Marathon in der Maske zahlte sich für Kidman gleich doppelt aus: Sie trug die falsche Nase auch außerhalb des Sets und konnte sich so in der Öffentlichkeit frei bewegen, weil die Paparazzi sie nicht erkannten.
„Ich musste das erstmal verarbeiten. Okay, so siehst du nun aus.“
Rooney Mara veränderte für die Rolle der Lisbeth Salander in David Finchers VERBLENDUNG ihre komplette Erscheinung. Mit einem Punkhaarschnitt fing es an, mit echten Piercings hörte es auf. Und obwohl Mara neben acht neuen Ohrlöchern, Brauen-, und Nippelpiercings im wahrsten Sinne an die Schmerzgrenze ging, waren es ihre gebleichten Augenbrauen, die ihr am meisten zu schaffen machten. Der Umstand, dass ihr komplettes Umstyling an einem einzigen Tag stattfand, machte die Sache nicht leichter:
„Ich schaute in den Spiegel und flippte fünf Minuten lang komplett aus. Dann war alles gut.“
David Finchers US-Version von Stieg Larssons Roman schaffte, was nicht vielen Neuinterpretationen gelingt: Er kam bei Publikum und Kritik genauso gut und in einigen Aspekten sogar besser an als die schwedische Erstverfilmung. Fincher hielt sich genauer an die Vorlage und einige Thriller-Fans favorisieren Maras stillere, brütende Lisbeth gegenüber der lauten, selbstbewussteren Version von Noomi Rapace. Einziger Wermutstropfen: Finchers Film wurde nie fortgesetzt.
Auch Charlize Theron legte den Hollywood-Glamour ab und trat in MONSTER als obdachlose Prostituierte vor die Kamera. Der erste Schritt bestand darin, knapp 14 Kilogramm zuzunehmen. Spezielle Cremes veränderten ihre Haut und Prothesen glichen ihr strahlend weißes Lächeln an die Zähne der Serienkillerin Aileen Wuornos an, die seit ihrem 15. Lebensjahr auf der Straße lebte.
Auch diesen mutigen Wandel belohnte die Academy mit dem Oscar® in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin. Doch es ging nicht nur um das Äußere. Theron fing Wuornos’ Wesen ein: Eine Frau, gleichsam zu brutalen Taten und zärtlicher Liebe fähig, ausgestoßen aus der Gesellschaft. Eine Frau, die nie eine Chance hatte und nach gescheiterten Bemühungen, ihre Situation zu verbessern, nur noch den Weg der Gewalt sieht.
Die rund 14 Kilogramm, die Sweeney für ihre Rolle als Christy Martin zunahm, waren reine Muskelmasse. Eine Spezialdiät und stundenlanges tägliches Training vor und während der Dreharbeiten ermöglichten es Sweeney, die Boxweltmeisterin glaubhaft zu verkörpern. Aber Sweeney zeigt auch die Christy Martin außerhalb des Rings: Eine Frau, die von ihrem Trainer und Ehemann jahrelang missbraucht wird. Bis sie eines Tages allen Mut zusammennimmt und sich ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben erkämpft. Ihre unglaubliche Geschichte erzählt THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP jetzt im Kino.
Autor/-in: J.Leipnitz
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