Brutale Faustkämpfe, elegante Choreografien, rasante Verfolgungsjagden und spektakuläre Explosionen: Actionkino und seine Helden leisten immer wieder Unglaubliches. Wir geben ihnen hier die Bühne, die sie verdienen. Uuuund, Action!
Schon zu Stummfilmzeiten liebte das Publikum Action. Damals hingen Kinohelden wie Buster Keaton allerdings noch an Uhrzeigern statt an Helikopterkufen und Action bedeutete, möglichst spektakulär hinfallen und wieder aufstehen. Seitdem hat das beliebte Genre sich ständig verändert und heute bekommen wir ausgereifte Kampf-, Explosions- und Effekt-Choreografien wie in SHELTER, dem neuen Action-Thriller mit Jason Statham. Wir haben die Kino-Action und ihre Helden einmal näher angesehen und spannende Entdeckungen gemacht!

Am Anfang stehen keine Muskelberge, sondern Männer, die offenbar vergessen haben, dass so etwas wie Schwerkraft existiert. Buster Keaton hängt an Zügen, Harold Lloyd an Uhrzeigern, Douglas Fairbanks an allem, was sich schwingen lässt. Der frühe Actionheld ist ein Zirkusartist im Sonntagsanzug – und seine Superkraft besteht darin, nie zu reden. Die Welt ist gefährlich, aber noch nicht böse. Die beiden ersten waren berühmt dafür, ihre Stunts stets selbst zu spielen.
Mit Tonfilm und Weltkriegen wird der Held seriöser und bekommt gern auch mal eine moralische Mission. Buster Crabbe rettet als FLASH GORDON (1936) die Galaxie, Errol Flynn räumt als Robin Hood (1938) im Sherwood Forest auf: ein Mann, der weiß, dass er auf der richtigen Seite steht – und dass man dabei gut aussehen sollte. Der Held ist jetzt ein Symbol – für Gerechtigkeit, Fortschritt, Vaterland. Frauen bleiben Symbole für etwas anderes: Hoffnung, Liebe, gelegentlich die Notwendigkeit, gerettet zu werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg dominieren Krimis und Western und mit ihnen stoische Helden. John Wayne reitet durch moralische Landschaften, in denen Gut und Böse so klar getrennt sind wie Schwarz und Weiß im Film. Action ist hier weniger Spektakel als Hygiene: Gewalt reinigt die Welt. Frauen reinigen eher das Haus. Bis heute hat die Faszination für die Prärie nicht nachgelassen, das zeigt auch Kevin Costners Western HORIZON (2024), in dem ausgiebig Gebrauch von Fäusten und Schusswaffen gemacht wird.
In den 1960er Jahren zieht der Actionfilm den Smoking an. Der moderne Held betritt die Leinwand in Gestalt von James Bond. Er tötet mit Stil und küsst mit Lizenz. Wenn er fällt, dann höchstens ins Hotelbett. Ein Profi, geschniegelt und zugleich ironisch gespielt von Sean Connery.
Im Laufe seiner Transformationen über die Jahrzehnte ging Bond stets mit der Zeit. Der letzte Hauptdarsteller Daniel Craig etwa wirkte reflektierter und empfindsamer als seine Vorgänger, sprach in Interviews über seine Höhenangst und Verletzungen bei den Dreharbeiten. In den klassischen Disziplinen Anzugtragen, Cocktailtrinken und Autofahren blieb er aber ganz der Alte. Craig hat mittlerweile den Dienst quittiert, der nächste Bond mit neuer Besetzung wird frühestens 2028 erwartet. Und wie immer geht die Frage um, ob es endlich eine Frau wird.
Spätestens seit der von Pam Grier gespielten Blaxploitation-Legende FOXY BROWN (1973) wissen auch die Ladies, dass man sich mit ein paar gezielten Tritten mitunter sehr treffend ausdrückend kann. Foxy hat bis heute viele Schwestern im Geiste: Gal Gadot als Wonder Woman oder Jennifer Lawrence in DIE TRIBUTE VON PANEM. 1979 ist es Sigourney Weaver, die in Ridley Scotts ALIEN das außerirdische Monster allein fertigmacht. Ripley ist kompetent, unspektakulär, und sie tut, was zu tun ist.
Es folgten Linda Hamilton als Sarah Connor in TERMINATOR (1984), Brigitte Nielsen an der Seite von Arnold Schwarzenegger in RED SONJA (1985) und viele weitere bis hin zu Charlize Theron in MAD MAX – FURY ROAD (2015). Theron sitzt mittlerweile auch regelmäßig bei FAST & FURIOUS am Steuer und kämpft sich als THE OLD GUARD (seit 2020) durch die Jahrhunderte. Diesen Sommer sehen wir sie als Circe in Christopher Nolans DIE ODYSSEE und auch von ATOMIC BLONDE (2017) ist eine Fortsetzung geplant. Wurde Berlin jemals schöner zerlegt?
Luc Bessons NIKITA (1990) war ein einflussreiches Blueprint für eine Heldin wider Willen: Sie wurde als ehemalige Drogenabhängige vom Geheimdienst zur Killerin abgerichtet. Auch die von Uma Thurman gespielte Braut in Quentin Tarantinos KILL BILL (2003) erwacht nach vierjährigem Koma und nimmt blutige Rache an der Bande, die sie betrogen hat.
Parallel dazu tat sich auch bei den Herren einiges. Sie wurden verletzlich. John McClane, verkörpert von Bruce Willis in der STIRB LANGSAM-Reihe, blutet, flucht und überlebt eher aus Sturheit als aus Überlegenheit. Der Held ist jetzt einer von uns – nur mit schlechteren Arbeitstagen. Fußnote: Vielleicht würde es die häufig anzutreffende Action-Glatze heute gar nicht geben, wenn es damals beim Casting anders gelaufen wäre. Bruce Willis war nicht die erste Wahl für die Rolle. Vor ihm standen unter anderem Schwarzenegger, Stallone, Harrison Ford, und Mel Gibson auf der Liste. Auch Matt Damon therapiert sich in DIE BOURNE IDENTITÄT (2002) quasi selbst: als ehemaliger CIA-Killer, der durch ein traumatisches Erlebnis seine Erinnerung verloren hat.
Klar, schon James Bond schrottete seine Dienstwagen reihenweise. Aber als Steve McQueen, privat ein passionierter Rennfahrer, in seinen Ford Mustang stieg, machte er die Verfolgungsjagd zur Kunstform. Zum Beispiel in BULLIT (1968). Auch wenn Ryan Gosling am Steuer sitzt, sollte man sich anschnallen:
Und, nicht zu vergessen: Das FAST & FURIOUS-Franchise, das seit mehr als 20 Jahren die Reifen qualmen lässt. Betriebsgeheimnis: Die Lachgas-Einspritzung …
Die 1980er waren das Fitnessstudio der Filmgeschichte. Nach den großen Kampfkünstlern wie Bruce Lee oder Jackie Chan betritt die One-Man Army die Leinwand. Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone lösen Konflikte mit Oberarmen. In TERMINATOR und RAMBO wird der Körper zur Ideologie: unzerstörbar, unironisch, so grimmig, dass es schon wieder lustig ist. Erst später werden die großen Proteinbrocken auch über sich selbst lachen können, wie Arnie in LAST ACTION HERO (1993). Wer sie alle zusammen sehen möchte, wird im Franchise THE EXPENDABLES (seit 2010) zuverlässig versorgt.
Ganz oben auf der Besetzungsliste dieser extraordinären Persönlichkeiten steht auch Jason Statham. Der Brite vereint auf einzigartige Weise das Beste aus allen Action-Typen: Er macht seine eigenen Stunts, sitzt bei Verfolungsjagden selbst am Steuer und haut mit seinem wortkargen Humor auch die Ladies um. Knallhart und charismatisch erleben wir ihn auch jetzt in SHELTER – Nur im Kino!
Autor/-in: A. Smithee